13.06.2017, 22:38 Uhr

Polizisten verweigerten minutenlang Hilfeleistung am Karlsplatz

Der Vorfall ereignete sich vor der Polizeiinspektion am Karlsplatz. (Foto: Wikimedia Commons)

Polizisten der Polizeiinspektion am Karlsplatz präsentierten sich am 30. Mai weder als Freund, noch als Helfer. Ein Video zeigt, wie Beamte nur widerwillig nach einem regungslosen Mann sehen, der direkt vor der Dienststelle am Asphalt lag.

WIEN. Das ist keine Auszeichnung für die Wiener Polizei: Wie die Wochenzeitung "Falter" und das Online-Magazin "Vice Austria" aktuell berichten, suchten Passanten in der Polizeiinspektion Karlsplatz nach Hilfe. Nur fündig wurden sie dabei nicht.

Der Vorfall ereignete sich anscheinend am 30. Mai. Vor der Polizeiinspektion am Karlsplatz lag ein 68-Jähriger Slowake regungslos am Boden. Passanten kümmerten sich bereits um den Mann. Ein Student wollte jedoch auf Nummer sicher gehen und professionelle Hilfe von Polizisten hinzuziehen.

Polizisten ignorieren Hilferuf

Ein dem "Falter" und "Vice" zugespieltes Video zeigt, wie der Student in der Polizeiinspektion vergeblich auf einen Polizisten einredet, jedoch abgewiesen wird. „Da liegt ein regloser Mensch, können Sie bitte helfen, rauskommen, helfen, etwas tun“, sagt er. Der Polizist versucht ihn abzuwimmeln. Als der Hilfesuchende nach der Dienstnummer des Beamten fragt, verschwindet dieser in den hinteren Räumen. Mehrere Minuten lang macht der Student auf sich und die vorliegende Notsituation aufmerksam – ohne Erfolg. "Sie sind verpflichtet zu helfen! Warum helfen Sie nicht?", fragt er mehrmals. Die Beamten ignorieren ihn. Etwa acht Minuten später stürmt, laut "Falter" der Postenkommandant, sichtlich zornig an dem Studenten mit den Worten "Wir haben auch noch andere Arbeit" vorbei und verlässt die PI in Richtung Notfall.

Seitens der Wiener Polizei heißt es gegenüber "Vice", dass der Sachverhalt geprüft werde. Laut Zeugen lag kein akuter Notfall vor. Tatsächlich war der regungslose 68-Jährige betrunken – allerdings nicht ansprechbar und auf dem Asphalt vor der U-Bahn-Station liegend. Paragraph 19 im Sicherheitspolizeigesetz sieht immerhin vor, dass Beamte in Notsituationen unverzüglich "Erste Hilfe" leisten müssen – und das unabhängig davon, ob die Person obdachlos, betrunken oder drogenabhängig ist. "Wenn der natürlich da draußen zusammengebrochen ist, ist es keine Frage, dass der Beamte nach draußen laufen müsste und Erste Hilfe leisten müsste", wird Peter Jedelsky, stellvertretender Leiter des Büros für Öffentlichkeitsarbeit, von "Vice" zitiert.

Die LPD Wien dazu auf Twitter:



Die Rettung soll erst 45 Minuten später eingetroffen sein. Der Mann wurde angeblich auf eine schattige Parkbank gebracht und danach sich selbst überlassen.

Dieses Video wurde "Vice" und dem "Falter" zugespielt:



Hier geht es zu den Berichten der "Stadtzeitung Falter" und von "Vice".
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Helmut A. Kurz aus Hernals | 14.06.2017 | 07:31   Melden
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