05.10.2017, 12:43 Uhr

Schule gesucht: Profi berät Schüler bei der Schulwahl

Gerhard Patzner zeigt Stephan die schulischen Möglichkeiten, die ihm nach vier Jahren AHS offen stehen.

Gerhard Patzner gibt Eltern und Schüler Tipps zur Auswahl der richtigen Schule. Die bz hat den Schul-Profiler getestet.

WIEN. Der Ort: Eine helle Altbauwohnung auf der Wieden. Die Anwesenden: Der 13-jährige Stephan, seine Mutter und Profiler Gerhard Patzner. Der Auftrag: Die richtige Schule für Stephan zu finden. Was analytisch klingt, ist in Wahrheit ein entspanntes Gespräch, das vor allem eines bringt: Klarheit. "Es ist für Eltern schwierig, einen Überblick über die unterschiedlichen Schulangebote zu bekommen. Ich möchte sie dabei unterstützen", so Patzner, der seit drei Jahren als Schul-Profiler tätig ist.

Diese Unterstützung können sich Eltern in Workshops, bei Elternabenden oder bei einer individuellen Beratung holen - und die startet mit einem ersten Einblick in die Schulwelt des Kindes. Nachdem Aufwärmfragen wie "Gehst du gerne zur Schule?" und "Welche Freifächer hast du?" beantwortet sind, tastet sich Patzner an die soziale Einbindung in den Klassenverband und die schulischen Leistungen vor. "Ich teste Kinder nicht, sondern folge, was Eltern oder das Kind mir erzählen", erklärt der Pädagoge, der erst bei der Wahl für eine weiterführende Schule nach der 8. Schulstufe auch das Kind sprechen möchte. "Erst in der Pubertät wird die Persönlichkeit deutlich. Vorher ticken Kinder wie ihre Eltern", so der vierfache Vater, der mit einer Lehrerin verheiratet ist.

Dienst nach Vorschrift

Nach der Erhebung der mütterlichen Vorstellungen, bei denen Betreuungszeiten und Schulweglänge ebenso wie Talente und Neigungen berücksichtigt werden, gibt Patzner mittels Folien einen Überblick über die unterschiedlichen Schulzweige und -stufen. Danach ist Stephan an der Reihe. Anhand einer Drehscheibe, auf der sich sechs Felder mit unterschiedlichen Interessensangaben befinden, ermittelt der Profiler den passenden Schultyp für den 13-Jährigen. "Schwierig ist es, wenn der Teenager kein Interesse angibt. Dann herrscht meist peinliche Stille", erzählt Patzner, der durchaus Verständnis für diese Jugendlichen hat. "In unserem Schulsystem wird Dienst nach Vorschrift verlangt. Man lernt für Fächer, die mit einem selber nichts zu tun haben. Es wird ein Schüler nie nach seinen Interessen gefragt und plötzlich soll er sich für einen Schultyp entscheiden."

Diese Entscheidung wird in Österreich laut Patzner viel zu früh verlangt. "Es ist wissenschaftlich totgeforscht, dass man nach vier Jahren Volksschule nicht sagen kann, welche Schule für ein Kind die geeignete ist. Auch mit 14 Jahren ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Eine Prognose, was aus dem Kind beruflich einmal wird, kann nicht gestellt werden."

Keine Stille stellt sich bei Stephan ein, die Interessen werden aus dem Bereich Gastronomie und Eventmanagement angegeben. Nun werden Infrastruktur, inhaltliche Schwerpunkte sowie Werte der Mutter berücksichtigt und der Jugendliche erhält einen Plan mit drei vorgeschlagenen Schulen. Neben weiterführenden wirtschaftlichen Schulen wird auch ein bestimmtes Oberstufenrealgymnasium, in dem sich Patzner Stephan gut vorstellen kann, vorgeschlagen. "Die Eltern erhalten nach der Beratung eine Liste mit drei konkreten Schulen, die sie sich persönlich ansehen sollen. Auch Alternativen, wie in diesem Fall das BORG 3, zeige ich auf." 

"Es gibt viele tolle Schulen in Wien"

Ist die richtige Schule gefunden, ist die Erlangung des gewünschten Platzes die nächste Hürde für Eltern. "Der Standort der Schule ist wichtig. Je näher am Wohnort desto wahrscheinlicher eine Zusage. Bei speziellen Schulen soll man sein Interesse bei der Einschreibung auch ganz klar zeigen."

Dem Schulsystem möchte Patzner übrigens keine Note geben. "Das kann ich nicht. Es gibt ganz viele tolle Schulen in Wien und auch welche, um die man besser einen großen Bogen macht. Das Ziel des Staates sollte es sein, möglichst viele Kinder möglichst lange in Bildung zu halten. Das gelingt den skandinavischen Ländern gut."

Zur Sache

Gerhard Patzner bietet eine Entscheidungshilfe bei der Wahl der geeigneten Schule im Raum Wien an. Angeboten wird Hilfe bei der Suche nach der geeigneten Volksschule, nach der richtigen Mittelschule oder AHS sowie einer weiterführende Schule nach der Pflichtschule. Eine individuelle Beratung dauert zwischen 50 und 120 Minuten und kostet 80 Euro.

Kontakt: Tel. 0680/2106972 und office@schule-gesucht.at
Weitere Informationen auf www.schule-gesucht.at
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