22.03.2016, 18:54 Uhr

22. März 2016: Heimat bist du großer Kasperl

Agnes Preusser, stv. Chefredakteurin der bz - Wiener Bezirkszeitung. (Foto: Edler)
Bundespräsidentenwahl. Eigentlich war ja alles ganz einfach. Für die Grün-Sympathisanten ist Alexander Van der Bellen am Start. Für die FPÖ-Wähler gibt es Norbert Hofer. Und wem der eine zu links und der andere zu rechts ist, kann auf Andreas Khol (ÖVP) und Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ausweichen. Wer wo sein Kreuzerl macht, war also recht schnell klar.

Aber dann kam plötzlich die Heimat ins Spiel. Denn der Kandidat, der jetzt auf seinen Plakaten auf Heimat, Alm und Hund setzt, ist Van der Bellen. Dass man sich so – relativ plump - für andere Wählerschaften wählbar machen will, liegt auf der Hand. Ganz will man die Grüne Kernwählerschaft damit aber auch nicht vor den Kopf stoßen. „Österreich hat vielen Heimat gegeben“, so die Erklärung bei der Präsentation. Hatscht ein bisschen.

Aber keine Sorge: Die FPÖ überlässt die Heimat nicht widerstandslos den Grünen. Natürlich nicht. „Deine Heimat braucht dich jetzt“ und „Flagge zeigen für Wahrheit, Freiheit und Heimat“ sind die Slogans auf den Plakaten von Norbert Hofer. Auf dem ersten davon wird er übrigens schon als Bundespräsident betitelt. Mutig.

Und Andreas Khol? Der ist die richtige Wahl, weil er „Erfahrung mit Expertenwissen, Heimatverbundenheit und internationaler Vernetzung verbindet“. Das sagt Vizekanzler Reinhold Mitterlehner über ihn.

Rudolf Hundstorfer macht es da schon ein bisschen geschickter. Bisher hat er sich bravourös um das Wort „Heimat“ herum manövriert. Aber er ist „Einer von uns, einer für uns“.

Auf den ersten Blick hat man am 24. April also die Wahl zwischen Heimat, Heimat, Heimat und einem aus der Heimat.

Allerdings gibt es auch noch zwei unabhängige Kandidaten, die sich einen anderen Dreh ausgedacht haben. Die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes Irmgard Griss setzt nicht auf das ewig durchgekaute Thema Heimat. Sondern darauf, wo sie wirklich Zuhause ist: Auf das Recht. Und Richard Lugner macht das, was er am besten kann. Sich als Kasperl inszenieren.

Eigentlich war ja alles ganz einfach. Bis der Wahlkampf begonnen hat. Denn der zeigt nicht, wo man sein Kreuzerl machen sollte, sondern nur was Österreich ist: Die Heimat großer Söhne. Natürlich auch Töchter. Und hauptsächlich Kasperl.

Lesen Sie alle anderen Blog-Beiträge auf www.meinbezirk.at/stadtlich
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
1 Kommentarausblenden
78.435
Josef Lankmayer aus Lungau | 26.03.2016 | 22:42   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.