Nach Wolfsrissen in See
Almobmann Pircher: "Sender für Problemwolf wenig praxistauglich"

Im Bereich der Versing Alpe wurden bereits acht tote Schafe gefunden. In der Region Paznaun/Serfaus soll der Problemwolf bereits 21 Schafe gerissen haben.
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  • Im Bereich der Versing Alpe wurden bereits acht tote Schafe gefunden. In der Region Paznaun/Serfaus soll der Problemwolf bereits 21 Schafe gerissen haben.
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SEE, BEZIRK LANDECK (otko). Bereits acht tote Schafe wurden auf der Versing Alpe in See im Paznaun gefunden. Die Risse sollen von einem "Problemwolf" stammen, den das Land nun mittels eines Senders überwachen will. Bernhard Pircher, Obmann der Agrargemeinschaft Alpe Versing, zeigt sich skeptisch und fordert als Sofortmaßnahme die Entnahme des Wolfs.

Ein Sender für den Problemwolf

Ein inzwischen als "Problemwolf" eingestufter Beutegreifer soll im Bereich Paznaun/Serfaus bereits 21 Schafe gerissen haben. Die Bauern der Alpen Komperdell (Serfaus) und Versing (See im Paznaun) haben deshalb ihre Tiere bereits frühzeitig ins Tal abgetrieben. Die Landwirtschaftskammer und die Almbauern fordern den Abschuss des Wolfs, der aber in der EU einen besonderen Schutz genießt.

Im Bereich der Versing Alpe wurden bereits acht tote Schafe gefunden. In der Region Paznaun/Serfaus soll der Problemwolf bereits 21 Schafe gerissen haben.
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  • Foto: Bernhard Pircher
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Am 2. Juli gab es im Landhaus ein Treffen zwischen LHStv Josef Geisler sowie weiteren Experten, darunter Landesjägermeister Anton Larcher, dem Beauftragten für große Beutegreifer, Martin Janovsky, Vertreter der zuständigen Fachabteilung sowie der Landwirtschaftskammer Tirol. Als erster Schritt wurde daher die Fachabteilung beauftragt, einen Bescheid vorzubereiten, der es ermöglichen soll, den Problemwolf mit einem Sender auszustatten. Sollte dies gelingen, so weiß die Behörde dann künftig genau, wo sich der Wolf zurzeit aufhält. Nutztierhalter können dann frühzeitig informiert und im besten Fall viel „Tierleid“ verhindert werden.

Anzahl stieg auf acht tote Schafe - Problemwolf soll mit Sender ausgestattet werden

Almwirtschaft in Kombination mit Wolf nicht möglich

Zum Thema Problemwolf nimmt auch Bernhard Pircher, Obmann der Agrargemeinschaft Alpe Versing, Stellung: "Ich bedanke ich mich recht herzlich für die breite Unterstützung aus allen Bereichen unseres Landes in den letzten Tagen. Viele Verantwortungsträger und Funktionäre haben hier erneut ein klares Bekenntnis zum Schutz unserer Almwirtschaft vor Beutegreifern zum Ausdruck gebracht."
Trotzdem unterstreicht er aber mit Nachdruck und aller Deutlichkeit, dass eine bisher gekannte und gelebte Almwirtschaft in Kombination mit dem Wolf ist bei uns im Land nicht möglich sei. "Wir Bäuerinnen und Bauern nehmen wohlwollend zur Kenntnis, dass es auch gestern im Landhaus wieder eine enge Abstimmung von Experten zur Thematik Beutegreifer im Land Tirol gegeben hat. Bei so vielen unterschiedlichen Parteistellungen zur Thematik Wolf und damit verbundener Interessen, ist es sicher nicht leicht hier auf einen Nenner zu kommen."

Bernhard Pircher, Obmann der Agrargemeinschaft Alpe Versing, fordert die Entnahme des Problemwolfs.
  • Bernhard Pircher, Obmann der Agrargemeinschaft Alpe Versing, fordert die Entnahme des Problemwolfs.
  • Foto: Bernnhard Pircher
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Gefundene Lösung wenig praxistauglich

Die gefundene Lösung, den Problemwolf mit einem Sender auszustatten sieht Pircher aber skeptisch: "Als Obmann einer Alm mit betroffenen Bäuerinnen und Bauern im Rücken, frage ich mich nun schon wie praxistauglich dies sein soll und wie ernst die Lage in unserem Land für manche wirklich ist. Ich kann mir vorstellen von welcher politischen Richtung und Bewegung ein allfälliger Vorschlag in dieser Art und Weise zur Bearbeitung gekommen sein muss. Für uns gibt es aktuell aber nur folgende Optionen: Entnahme des Problemwolfes und zwar nicht als letzte Konsequenz sondern als zwingende Sofortmaßnahme, da Gefahr in Verzug sowie mittelfristig eine Forderung für eine wolfsfreie Zone in unserem Land."

Stalltüre bleibt für immer geschlossen

Sollten sich zu diesem Thema nicht endlich alle politischen Fraktionen inklusive diverser NGOs im Land durchringen können, so seien sich hier viele der Tragweite an Konsequenzen für kommende Generationen nicht bewusst. Es gehe hier nicht darum wer Recht hat und wer am längeren Hebel sitzt, sondern darum wie und wo wir unser Land in den nächsten Jahrzehnten sehen.
"Bäuerinnen und Bauern setzen ihre Herdentiere nur einmal einem bestialischen Gemetzel zum Opfer aus und sammeln ihre Kadaver zusammen. Ein zweites Mal passiert dies nicht, da die Stalltüre dann für immer geschlossen bleibt. Wir müssen endlich den Wert unserer Kulturlandschaft für uns als Naherholungsraum und jene für unsere Gäste kennen und schätzen. Die Lage ist ernst und zum Spielen mit unseren Nutztieren und der Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben bleibt leider keine Zeit mehr", betont der Obmann. Gerne seinen die Bäuerinnen und Bauern bereit für „Wolfsschutz“ einzutreten und diverse Projekte in diese Richtung zu unterstützen. "Aber nicht in unserem Land mit unserer Weide- und Almwirtschaft. Wir finden dazu problemlos genügend Regionen in Europa wo das Konfliktpotential um einiges geringer ist als bei uns und wo wir nicht Gefahr laufen unsere alpine Nutztierhaltung in Grund und Boden zu fahren", so Pircher.

Vorzeitiger Schafabtrieb von der Versing Alpe
Landwirtschaftskammer fordert legale Entnahmemöglichkeit für Problemwolf

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