Vortrag von Kenan Güngör in der BH Landeck
Integration als gemeinsame Verantwortung sehen

Maria Pöll (Projektverantwortliche), Ovagem Agaidyan (Vorsitzender des Vereins "Multikulturell") mit dem Vortragenden Kenan Güngör (v.l.).
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  • Maria Pöll (Projektverantwortliche), Ovagem Agaidyan (Vorsitzender des Vereins "Multikulturell") mit dem Vortragenden Kenan Güngör (v.l.).
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LANDECK (sica). Oft gelesen und gehört: Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund haben schlechte Deutschkenntnisse, die Zusammenarbeit mit ihren Eltern ist für Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen schwierig. Soziologe Kenan Güngör, wohnhaft in Wien, hielt im Sitzungssaal der BH Landeck am 16. Oktober einen Vortrag dazu.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Verein Multikulturell in Zusammenarbeit mit RegioL und der Bildungsdirektion für Tirol. Der Vortrag trug den Titel "Schule im Kontext von migrationsgeprägter Pluralität" - vereinfacht ging es um die gemeinsame Verantwortung, Herausforderungen des Alltags in Sachen Integration in größerem Zusammenhang zu sehen und Lösungen zu finden.

Reflektieren und diskutieren

Zu Beginn war Eigeninitiative gefragt - in Murmelgruppen zu drei bis vier Personen wurden positive sowie negative Erfahrungen geteilt und Themen angesprochen, die im folgenden Vortrag von Güngör behandelt werden sollen. Ziel dieser Methode war es, verschiedene Gesichtspunkte zu sammeln und neu zu beleuchten. Der Lärmpegel stieg merklich an, das Interesse der Teilnehmer war groß und sie hatten sich viel zu erzählen. Im Austausch lag der Fokus aber nicht nur, wie zu Beginn angenommen, auf der Sprachbarriere. Auch das von den Eltern fehlende Interesse an Integration oder das "Macho-Gehabe" von Buben im Teenager Alter wurden als mögliche Problemfaktoren angesprochen.

Eigene Erfahrung von Kenan Güngör

Zum besseren Verständnis der Thematik erzählte Güngör, wie er die Integration seiner zwei Kinder wahrgenommen hat. Bis seine Tochter und sein Sohn im Alter von drei Jahren in den Kindergarten kamen, wurde zuhause nur türkisch gesprochen. Beim ersten Elternabend blickte er in die Runde, und dachte, dass nur österreichische Eltern und Kinder anwesend seien. Doch bei genauerem Hinhören war Deutsch nur eine Sprache von vielen. Egal ob Polnisch, Serbisch, Englisch - In diesem Kindergarten waren Güngörs Kinder nicht die Einzigen, die eine andere Muttersprache haben.
Mit einem Schmunzeln fügt Güngör hinzu:"Auch ich bin in die Falle der Klischees getappt, nur weil alle anderen Kinder helle Haare und Augen hatten, dachte ich, unsere Kinder seien die einzigen Ausländer - und das, obwohl ich genau über dieses Thema Vorträge halte." 

Fokus nicht nur auf Defizite legen

Genau solche Situationen festigten den Soziologen in seinen Thesen. Es kommt nicht darauf an ob, sondern wann die Kinder den Kindergarten besuchen, damit die Integration und das Erlernen der Sprache gelingt. Was er den anwesenden PädagogInnen noch als Grundsatz bei diesem Thema mit auf den Weg gegeben hat: Das große Ganze betrachten. Natürlich soll man sich in Österreich auf die deutsche Sprache konzentrieren, doch man darf den Hintergrund ausländischer Kinder nicht vergessen. "Eigentlich können diese Kinder schon doppelt so viel, oft Deutsch und ihre Muttersprache in gleichem Maß. Da sollte man bei Schreibfehlern beispielsweise ein bisschen Nachsehen haben", erklärt Güngör.

Nach dem Vortrag folgten noch ausgiebige Gespräche der Teilnehmer, bei denen die angesprochenen Punkte nochmals neu interpretiert und andere Sichtweisen geteilt wurden. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Sitzungssaal der BH Landeck zeugt von einer erfolgreichen Veranstaltung, die mit diesem brandaktuellen Thema genau am Puls der Zeit lag.

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Autor:

Carolin Siegele aus Landeck

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