Village Projekt am Krankenhaus Zams
Kinder psychisch erkrankter Eltern stärken

Der Fokus in der Therapie auf die Stärken und Potenziale sowie der Miteinbezug der Familien ist selbstverständlich für das Team der Psychiatrie am Krankenhaus St. Vinzenz Zams.
4Bilder
  • Der Fokus in der Therapie auf die Stärken und Potenziale sowie der Miteinbezug der Familien ist selbstverständlich für das Team der Psychiatrie am Krankenhaus St. Vinzenz Zams.
  • Foto: Agentur Polak/Krankenhaus St. Vinzenz Zams
  • hochgeladen von Carolin Siegele

ZAMS/BEZIRK LANDECK (sica). Knapp jedes vierte Kind in Tirol wächst in einem Haushalt auf, in dem ein Elternteil eine psychische Krise durchlebt. Die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin des Krankenhauses St. Vinzenz in Zams ist Teil des internationalen Forschungsprojektes "Village" (=engl. für Dorf), das die Unterstützung dieser Familien wissenschaftlich begleitet, um ihnen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen für die Zukunft zu helfen.


Psychische Erkrankung als Herausforderung für ganze Familie

Jeder fünfte Erwachsene wird irgendwann in seinem Leben psychisch erkranken. Die Belastungen und Herausforderungen, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt, betreffen meistens die ganze Familie. Die Familien arbeiten sehr hart, um mit diesem Druck umzugehen, aber manchmal brauchen sie zusätzliche Unterstützung. Häufig übernehmen Kinder in diesen Familien zusätzliche Aufgaben im Haushalt und machen sich Sorgen um ihre Eltern.

Sogenannte "Löwenkinder" müssen bereits aufgrund der psychischen Erkrankung ihrer Eltern bereits früh viele Aufgaben übernehmen.
  • Sogenannte "Löwenkinder" müssen bereits aufgrund der psychischen Erkrankung ihrer Eltern bereits früh viele Aufgaben übernehmen.
  • Foto: Village Projekt
  • hochgeladen von Carolin Siegele

Hinzu kommt, dass das Stigma einer psychischen Erkrankung für viele Menschen immer noch das Risiko einer Ausgrenzung bedeutet. Oft werden diese Familien von ihrer Familie und der Verwandtschaft isoliert. Nicht selten werden betroffene Kinder auch von Gleichaltrigen in der Schule ausgeschlossen. Diese Herausforderungen können sich zusammen mit Themen wie Armut auf die Bewältigungsfähigkeit eines Kindes auswirken und einige Kinder erleben im späteren Leben selbst psychische Gesundheitsprobleme. Die Eltern wollen „gute“ Eltern sein, können aber durch Probleme Krankheitssymptome, Medikamente oder Krankenhausaufenthalte eingeschränkt sein.

Hilfe für die ganze Familie

Das "Village"-Projekt stellt ein Angebot für die ganze Familie dar. Der Zweck des internationalen Forschungsprojektes ist es, zu verstehen, wie man Kinder, deren Eltern eine psychische Erkrankung haben, bestmöglich sozial, emotional und praktisch unterstützen kann. "Das Projekt mit dem Namen "Village" (engl. für Dorf) hat das Ziel, die Unterstützung dieser Familien wissenschaftlich zu begleiten und Methoden und Wege zu erarbeiten, wie die familienorientierte Arbeit in Zukunft in das medizinische System integriert werden kann", beschreibt Projektleiterin Jean Paul das Projekt.
Die Erstinformation zum Projekt erfolgt im Zuge einer Behandlung in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin im Krankenhaus St. Vinzenz, wie die Village-Koordinatorin für Zams Elisabeth Schiechtl erklärt. "Wenn klar ist, dass die Patient/Innen Kinder haben und ein gewisses Vertrauen aufgebaut wurde, informiert der/die behandelnde Arzt/Ärztin oder Psychologe/In über das Projekt.", so die Koordinatorin. "Sensibilität ist hier ganz wichtig, denn jedes Elternteil versucht sein Bestes zu geben."

Der Fokus in der Therapie auf die Stärken und Potenziale sowie der Miteinbezug der Familien ist selbstverständlich für das Team der Psychiatrie am Krankenhaus St. Vinzenz Zams.
  • Der Fokus in der Therapie auf die Stärken und Potenziale sowie der Miteinbezug der Familien ist selbstverständlich für das Team der Psychiatrie am Krankenhaus St. Vinzenz Zams.
  • Foto: Agentur Polak/Krankenhaus St. Vinzenz Zams
  • hochgeladen von Carolin Siegele

Teilnahme am Projekt

Wenn sich ein Patient/eine Patientin interessiert zeigt, vereinbart Elisabeth Schiechtl einen Termin mit der Familie, in dem das Projekt, der Ablauf, der Datenschutz und die Einverständniserklärung für klinische Studien genau erklärt werden. Die Voraussetzungen für die Teilnahme sind, dass sich ein Elternteil in psychiatrischer Behandlung befindet, auch die Kinder bereit sind, am Projekt teilzunehmen, die Kinder zwischen vier und 18 Jahre alt sind, die Eltern die Obsorge für die Kinder haben und dass die Familie der deutsch sprechen kann. Es ist auch möglich, dass nur ein Kind von einer Familie mitmacht, wenn die anderen Kinder nicht wollen.
In mehreren Treffen wird dann mit den Familienmitgliedern an einem gemeinsamen Verständnis des sozialen Netzwerks der Familie gearbeitet - Wer sind wichtige Bezugspersonen für das Kind? Wohin kann sich das Kind wenden, wenn die Eltern nicht da sind? In weiterer Folge wird die Frage gestellt, wie dieses Netzwerk gestärkt werden kann. In einer Familien- oder Helferkonferenz wird gemeinsam mit den wichtigen Bezugspersonen besprochen, wie Familie im Alltag unterstützt werden kann, damit diese auch für die Zukunft gestärkt sind. Die Kinder stehen stets im Zentrum und so werden, deren Stärken ausgearbeitet und durch passende Aktivitäten gezielt gefördert. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die sogenannte Psychoedukation. Damit wird kindgerecht über die psychische Erkrankung der Eltern informiert. Dabei werden kreative Ansätze, Infobroschüren oder altersgerechte Literatur herangezogen, um die "unsichtbare" Krankheit verständlich zu machen.

Seit dem Aufbau der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin 2017 im Krankenhaus Zams fördert das multiprofessionelle Team die Gesundheit der Klient/Innen nach einem ressourcen- und systemorientierten Ansatz.
  • Seit dem Aufbau der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin 2017 im Krankenhaus Zams fördert das multiprofessionelle Team die Gesundheit der Klient/Innen nach einem ressourcen- und systemorientierten Ansatz.
  • Foto: Siegele
  • hochgeladen von Carolin Siegele

Die Dauer Arbeit mit den Familien erfolgt für drei Monate, nach sechs Monaten wird ein neuer Termin vereinbart, um zu schauen ob langfristig Verbesserungen der familiären Situation erzielt werden konnten. Wenn das nicht der Fall ist, wird noch etwas nachgebessert oder es werden alternative Möglichkeiten erarbeitet.
Unabhängig von der Arbeit der Koordinatorin wird von einem Forscher oder einer Forscherin am Beginn und am Ende des Projektes ein Fragebogen mit der Familie ausgefüllt, um die Wirksamkeit der Arbeit zu analysieren. Dabei geht es auch darum, ob die Finanzierung solcher Projekte bzw. Behandlungsmethoden in Zukunft öffentlich finanziert werden könnten.

Erste Bilanz

Die Vorbereitungen für das Projekt, an denen der Primar der Psychiatrie Zams, Univ.-Doz. Dr. Martin Kurz, beteiligt war, haben etwa ein halbes Jahr gedauert. Es gab Workshops für die Entwicklung des Ansatzes, in dem Vertreter des Gesundheitswesens, des Sozial- und Bildungsbereichs und Betroffene zusammengearbeitet haben.

An den Vorbereitungen für das Projekt war der Primar der Psychiatrie Zams, Univ.-Doz. Dr. Martin Kurz maßgeblich beteiligt.
  • An den Vorbereitungen für das Projekt war der Primar der Psychiatrie Zams, Univ.-Doz. Dr. Martin Kurz maßgeblich beteiligt.
  • Foto: Foto Furgler, Graz
  • hochgeladen von Carolin Siegele

Im April startete Elisabeth Schiechtl dann als Koordinatorin in Zams. Rückblickend auf die letzten sechs Monate kann sie ein erstes Resümee ziehen.  Ihren Teil der Arbeit im Zuge des Forschungsprojektes beschreibt sie als äußerst spannend und abwechslungsreich. "Bis jetzt habe ich mit fünf Familien beim 'Village'-Projekt zusammengearbeitet und es war jedes Mal ganz anders, weil die Familien so verschieden sind. Das macht meine Arbeit sehr herausfordernd und spannend." Auch die psychischen Erkrankungen der Eltern waren ganz unterschiedlich: "Von Ängsten, Zwängen oder Depressionen bis hin zu Traumatisierung war alles vorhanden."
Als klinische Psychologin, die vorher in einer Kinderwohngemeinschaft tätig war bietet Elisabeth Schiechtl eine kompetente Begleitung der Familien. "Zu betonen ist, dass das gesamte Team unserer Abteilung bei diesem Projekt zusammenarbeitet, sonst wäre das alles gar nicht möglich", hebt Schiechtl hervor. "Meine Kollegen/Innen sind für die Behandlung der Eltern zuständig und meine Aufgabe ist, dass die Kinder möglichst gestärkt werden. Nur gemeinsam ist so die Weichenstellung einer möglichst gesunden und selbstbestimmten Zukunft möglich." Seit dem Aufbau der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin 2017 im Krankenhaus Zams fördert das multiprofessionelle Team die Gesundheit der Klient/Innen nach einem ressourcen- und systemorientierten Ansatz. Das bedeutet, dass der Fokus in der Therapie auf die Stärken und Potenziale sowie der Miteinbezug der Familien bereits selbstverständlich für das Team ist.

Zum Forschungsprojekt "Village"

Neben dem Krankenhaus Zams sind das Department für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Medizinischen Universität Innsbruck, die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie A und B des LKH Hall sowie niedergelassene PsychiaterInnen und Allgemeinmediziner/Innen in Tirol Teil des Projekts. Tirolweit gibt es neun Koordinatorinnen, die im Rahmen des „Village“ Projekts mit Kindern psychisch erkrankter Eltern arbeiten.

Neue Selbsthilfegruppe für Angehörige in Landeck

Mehr News aus dem Bezirk Landeck: Nachrichten Bezirk Landeck

Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den meinbezirk.at-Newsletter an

Gleich anmelden

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Folge uns auf:
Genau im richtigen Moment abgedrückt!
3 Aktion

Titelfoto-Challenge August
Stimme für dein Lieblingsbild zum Thema "Tierisch gute Momente" ab

TIROL. Neues Monat, neues Titelfoto! Wir suchen wieder ein Titelbild für unsere Facebookseite. Dieses mal wird's animalisch! Das Motto lautet "Tierisch gute Momente". Ab sofort suchen wir jedes Monat Fotos zu einem bestimmten Thema. Zwei Wochen lang habt ihr Zeit euer schönstes, außergewöhnlichstes oder lustigstes Bild einzusenden. Anschließend wird unter allen Einsendungen ein Sieger-Bild mittels Voting ausgewählt. Dieses ziert dann einen ganzen Monat unsere Facebook-Seite „Bezirksblätter...

Die Bezirksblätter immer mit dabei! Mit der praktischen ePaper-App.


Gleich downloaden!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen