Verkehrslärm
Neue Perjentunnelröhre sorgt für schlaflose Nächte

Gestiegene Verkehrsbelastung: Mit Fertigstellung der zweiten Röhre ist die Schnellstraße näher zum Stanzer Ortsteil Stampfle gerückt.
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STANZ (otko). Im Stanzer Ortsteil Stampfle klagen Anrainer über unerträglichen Verkehrslärm seit der Eröffnung der neuen Tunnelröhre.

"Meilenstein für das Oberland"

Mit einem offiziellen Festakt wurde die Verkehrsfreigabe der zweiten Röhre des Perjentunnels am 15. Dezember 2018 gefeiert. Nach dreijähriger Bauzeit eröffneten zahlreiche Ehrengäste die neue Röhre an der S 16 Arlberg Schnellstraße. In den Festreden war von einem "Meilenstein für das Oberland" bzw. von einer "Win-Win-Situation für die Sicherheit, für die Wirtschaft und vor allem die Bevölkerung" die Rede.

Verlust der Lebensqualität

Im Stanzer Ortsteil Stampfle hält sich die Freude derzeit aber in Grenzen. Bei der ASFINAG haben sich Anrainer über "die gestiegene Lärmbelastung seit der Tunnelfreigabe" bzw. über den "Verlust der Lebensqualität" beschwert.
Das Haus von Zahnarzt Alexander Rinner befindet sich 70 Meter neben dem Portal der neuen Tunnelröhre. "Gegenüber früher ist viel schlimmer geworden. Seit der Eröffnung können wir jedes Auto zählen, das durch den neuen Tunnel fährt. Wir hören in der Nacht in unserem Bett auch die Beschleunigungen und es macht 'klack, klack, klack', besonders wenn LKW oder Bus über die neue Sannabrücke fahren", schildert Rinner. Trotz eingebauter Lärmschutzfenster sei die Belastung unerträglich geworden, da sich dieses "Klack-Geräusch" als Körperschall übertrage.
"Ich wache bereits oft um 4 Uhr in der Früh auf, wenn der LKW-Verkehr los geht. Meine Frau und ich haben seit der Tunneleröffnung Ein- und Durchschlafstörungen und unsere Gesundheit leidet inzwischen darunter. Zudem habe ich einen Beruf, bei dem ich täglich konzentriert arbeiten muss", betont Rinner. Dazu habe man schon bei den Bauarbeiten viel Lärm und Schmutz erdulden müssen. "Wir hatten einen wunderschönen Weiler und haben schon gewusst, was auf uns zukommt. Mit dem Ausmaß hat aber niemand gerechnet. Uns reicht es jetzt, da unsere Lebensqualität aufgrund des Verkehrslärms dramatisch gesunken ist", betonen Christiane und Alexander Rinner.

Mehr Lärm und Wertverlust

Auch Walter Weinseisen, der seit fast 40 Jahren im Stampfle wohnt, klagt über die Steigerung des Lärms. "Man kann bei offenem Fenster nicht mehr schlafen und für den Tiefschlaf brauche ich Ohropax. Je nach Wetterlage und Windrichtung riecht man an den Stauwochenenden auch die Abgase von der S16 auf der Terrasse. Was ist das für eine Lebensqualität?" Für ihn wären Lärmschutzfenster und eine nachhaltige Lärmschutzlösung für die Siedlung das mindeste, was die ASFINAG hier tun kann. "Als erstes gehört wieder eine gescheite Bepflanzung her. Zudem wird die Problematik durch den steigenden LKW-Verkehr über den Arlberg in den nächsten Jahren immer größer. Im Mai wird dann der Lärmpegel durch Motorradfahrer auch wieder gehörig steigen", so Weinseisen.
Ein Wegziehen oder ein Verkauf des Hauses müsse man sich aber zweimal überlegen. "Das Stampfle ist nun ein Wohngebiet neben der Autobahn und es hat sich dadurch enorm verschlechtert. Bei den Immobilien gibt es einen deutlichen Wertverlust. Zahlt diesen Wertverlust dann die ASFINAG, wenn ich mein Wohnhaus verkaufen möchte?", meint Weinseisen in Richtung Autobahngesellschaft.

Lösung wird gesucht

Von Seiten der ASFINAG ist man sich der Problematik aber bewusst. "Das Klack-Geräusch kommt vom Fahrbahnübergang der Sannabrücke vor der Tunneleinfahrt, da hier die Stahlplatten 2 bis 3 Millimeter zu hoch sind. Ein Ersatz der Platten braucht aber eine Tunnelsperre und im Zuge der Frühjahrsreinigung werden diese ausgetauscht", verspricht Perjentunnel-Projektleiter Richard Loidl. Für die Beurteilung einer machbaren Lärmschutzlösung braucht es von Seiten der ASFINAG aber Messungen. "Solche Lärmmessungen im Umfeld des Tunnelportals können aber erst im Frühjahr gemacht werden, wenn es keine geschlossene Schneedecke mehr gibt. Natürlich werden wir auch mit den Anrainern in Kontakt treten", verweist Loidl.

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