Perjentunnel: Zweite Röhre wurde durchgeschlagen

Sprengung zum offiziellen Tunneldurchschlag: LH Günther Platter, Tunnelpatin Andrea Geiger, ASFINAG-Vorstand Klaus Schierhackl und Moderatorin Katharina Kramer mit den Mineuren (v.l.)
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  • Sprengung zum offiziellen Tunneldurchschlag: LH Günther Platter, Tunnelpatin Andrea Geiger, ASFINAG-Vorstand Klaus Schierhackl und Moderatorin Katharina Kramer mit den Mineuren (v.l.)
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LANDECK/STANZ/ZAMS (otko). Mehr Verkehrssicherheit, höhere Lebensqualität und Verkehrsentlastung für 11.000 AnrainerInnen – das sind die erklärten Ziele der ASFINAG mit dem Vollausbau des Perjentunnels (S 16 Arlberg Schnellstraße). Mit dem offiziellen Tunneldurchschlag wurde vergangenen Samstag beim Bau der zweiten Röhre ein wesentlicher Schritt geschafft.

Lötzgalerie wird vorgezogen

Im Beisein zahlreicher Ehrengäste – darunter Tunnelpatin Andrea Geiger, LH Günther Platter, LT-Vizepräsident Anton Mattle, den Bürgermeistern Wolfgang Jörg (Landeck), Siegmund Geiger (Zams), Martin Auer (Stanz) und Thomas Lutz (Grins) sowie den ASFINAG-Vertretern Klaus Schierhackl, Gernot Brandtner und Stefan Siegele – wurde das letzte Gestein symbolisch per Knopfdruck weggesprengt. Die Segnung nahm Dekan Martin Komarek vor. Umrahmt wurde der Festakt von der Musikkapelle Stanz und der Schützenkompanie Zams. Auch hunderte BesucherInnen ließen sich die Durchschlagsfeier im "Andrea-Tunnel" nicht entgehen.
Von den Festrednern waren nur lobende Worte zu hören. Für Bruno Gisi, Geschäftsführer Marti Tunnelbau AG, ist der Perjentunnel ein Vorzeigeprojekt: "Über 200.000 Arbeitsstunden wurden geleistet und wir haben keinen nennenswerten Unfall gehabt." Auch ASFINAG-Vorstand Klaus Schierhackl lobte die Zusammenarbeit und wartete mit einer guten Nachricht auf. "Der Ausbau der Lötzgalerie war für 2023 geplant und nun wollen wir das Projekt vorziehen. Noch heuer soll mit den Planungen begonnen werden. In Abstimmung mit dem BMVIT hoffen wir auf eine Genehmigung im Oktober", so Schierhackl.

Sichere Ost-Westverbindung

LH Günther Platter überraschte alle Anwesenden mit einer äußerst kurzen Ansprache: "Erstens gratuliere ich der ASFINAG, den Baufirmen und den Mineuren. Zweitens danke ich für die Vorreihung der Lötzgalerie. Drittens wünsche ich mir, dass die Arbeiten unfallfrei über die Bühne gehen und viertens, vergesst's mir nicht den Tschirganttunnel."
Auch die Anrainer-Bürgermeister zeigten sich mit dem Baufortschritt zufrieden. "Ab 2019 haben wir eine sichere Ost-Westverbindung und der Ausweichverkehr hat ein Ende. Es ist viel Geld aber es ist gut investiert", so Jörg, Geiger und Lutz unisono. Bgm. Auer, auf dessen Gemeindegebiet der Tunnel großteils verläuft, hob die positiven und negativen Aspekte hervor. " Die Zusammenarbeit mit ASFINAG-Projektleiter Richard Loidl war toll und fair. Am Anfang hatten wir einen etwas holprigen Start. Es gab viele Erschütterungen und auch Schäden – diese müssen zur Zufriedenheit der Bevölkerung gelöst werden."

Nur ein Jahr Bauzeit

250.000 Kubikmeter Ausbruchmaterial, 80.000 Quadratmeter Spritzbeton und 77.000 Meter an Ankern wurden verbaut. Somit steht dem Innenausbau und der Ausstattung mit Sicherheitstechnik nichts mehr im Wege. "Bis Ende 2018 laufen die Arbeiten in der neuen Röhre auf Hochtouren – dann erfolgen die Verkehrsfreigabe und der Startschuss für die Sanierung der Bestandsröhre. Ende 2019 wird der Vollausbau mit zwei Tunnelröhren abgeschlossen", so Gernot Brandtner, GF ASFINAG Baumanagement.
Die ASFINAG investiert insgesamt 130 Millionen Euro – 104 Mio. Euro für den Neubau der zweiten Röhre und 26 Mio. Euro die Sanierung der bestehenden Röhre. Der Tunnel selbst wird nach modernsten Sicherheitsstandards ausgestattet: Videoüberwachung, Lüftungs- und Beleuchtungstechnik sowie Notruf- und Brandmeldeanlagen. Der vollausgebaute Tunnel wird über zehn Querverbindungen zwischen den Röhren verfügen.

Vollausbau ohne langen Sperren im Talkessel

Die Strategie der ASFINAG war klar: ein möglichst rascher Vollausbau ohne starke Belastungen für Bevölkerung und Verkehr im Oberland. Dafür errichtete die ASFINAG bereits im Vorfeld die Sannabrücke mit einer Länge von 166 Meter neu. Über die neue Brücke erfolgte die Zufahrt für den Baustellenverkehr – eine Belastung durch zusätzliche Fahrten durch die Ortsgebiete wurde vermieden. Eine Tunnelröhre bleibt somit immer für den Verkehr geöffnet, um zu verhindern, dass die Ortsgebiete von Zams und Landeck monatelang überlastet werden. Dasselbe gilt für die Planung des Baustellenverkehrs. Die Baustellenfahrzeuge sind nicht durch die Ortsgebiete gefahren, sondern nutzten ausschließlich die Arlberg Schnellstraße. Ziel der Lkw war in erster Linie die Deponie Zams-Finais, auf der mittlerweile über 350.000 Kubikmeter Aushub gelagert werden können. Die ausführende Firma hat nun auch eine zweite Deponie ins Auge gefasst.
Gute Nachrichten auch für alle Hausbesitzerinnen und –besitzer im Nahbereich des Tunnels: Die ASFINAG hat während der Sprengungen 300 Häuser ständig beobachtet, um im Falle von durch Sprengarbeiten verursachte Schäden Hilfe zu leisten. Das heißt: Alle Besitzer können sich darauf verlassen, dass die ASFINAG für verursachte Schäden aufkommt. Während der Bauzeit kamen dazu noch spezielle Sprengmatten zum Einsatz, die als Schalldämpfer dienten, um die Lärmbelastung zu minimieren.

Arlberg Schnellstraße soll in Zukunft noch sicherer werden

Mit den umfassenden Investitionen in Arlbergtunnel und Perjentunnel ist die ASFINAG aber noch nicht am Ende. Milser Tunnel, Flirscher Tunnel sowie der Pianner und Quadratscher Tunnel werden ebenfalls modernisiert. Der starke Urlauberreiseverkehr speziell in den Wintermonaten bringt immer wieder Verkehrsbehinderungen mit sich. Die ASFINAG erhöht mit diesen Projekten die Sicherheit und reduziert dabei Staus und Umweltbelastungen.

Eckdaten Perjentunnel

• Gesamtlänge neue Röhre Perjentunnel: 2.852 Meter
• Gesamtlänge Bestandsröhre Perjentunnel: 2.992 Meter
• Gesamtinvestition Perjentunnel: 130 Millionen Euro
• Baubeginn Sannabrücke Frühjahr 2015
• Beginn Vortrieb neue Röhre 22. Mai 2016
• Geplante Verkehrsfreigabe zweite Röhre Ende 2018
• Beginn Sanierung Bestandsröhre Anfang 2019
• Geplante Gesamtverkehrsfreigabe Ende 2019

Eckdaten Errichtung zweite Röhre Perjentunnel:

Ausbruchmaterial gesamt: 250.000 Kubikmeter
Spritzbeton gesamt: 80.000 Quadratmeter
Laufmeter Anker: 77.000 Meter
Sprengstoff: 400 Tonnen

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