Pfarrer Martin Riederer: "Es zählt nur die Saat!"

Pfarrer Martin vor dem Grab des verstorbenen Fließer Pfarrers Maaß. "Es gibt schlichte Leute, die mich regelrecht entwaffnen mit ihren Lebenszeugnissen."
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FLIEß (Me.). Jeder Lokaljournalist im Bezirk weiß: Der Fließer Pfarrer und Notfallseelsorger Martin Riederer OPraem ist immer für eine gute Geschichte zu haben – dieses eine Mal aber soll er selbst die Geschichte sein. Aufgewachsen in der Nähe von Frankfurt kam der "Leiharbeiter" der Diözese und Chorherr des Stiftes Wilten vor fünf Jahren nach Fließ, anfangs nur zur Aushilfe. "Für ein dreiviertel Jahr hat es geheißen. Aus der Aushilfe wurde ein Fünf-Jahres-Programm. Ich hab's wohl nicht schlecht genug gemacht." Er schmunzelt.
Gefragt, wie er sich in seinem "Werktagswohnzimmer", der Maaßkirche, bei den vielen Fließern fühlt, antwortet er: "Sie haben sich an mich gewöhnt und ich mich an sie." Er lacht.

Die Sorge um Menschen ohne Glauben

Eines seiner größten Vorbilder ist ohne Zweifel der, der zu seiner Zeit von seinen Mitbrüdern scherzhalber als "ålter Zåggler" bezeichnet wurde: Der 1846 verstorbene Fließer Pfarrer Maaß. "Die Kerzen auf seinem Grab in der Krypta gehen nie aus." Pfarrer Martin blickt auf das Kohlebild des Verstorbenen in der Maaßkirche: "Er hatte die materiell Armen nie aus dem Blick verloren." Und Pfarrer Martin? "Ich sorge mich um jene Menschen, deren Glaubensverwurzelung verloren geht."
Eine für Pfarrer Martin prägende Persönlichkeit in seinem Leben war sicher auch der ehemalige Botschafter des Vatikans, Dr. Bolldorf. Riederer muss wieder lachen: "Der sagte mir einmal, wenn du dein Priesteramt niederlegst, trete ich dich so nieder, dass dir mein Schuh stecken bleibt – der Mann hat Schuhgröße 46!"
Und dann erzählt Riederer von seiner Schwägerin Eleonore, die elf Jahre mit Krebs zu kämpfen hatte: "Die wurde von Jahr zu Jahr schlechter und doch hatte sie dem lieben Gott immer wieder ein Jahr abringen können." Eine Weisheit, die er von Eleonore hat, ist die: "Wenn dir die Scheiße bis zum Hals steht, darfst du den Kopf nicht hängen lassen!"

"Christentum ist was Deftiges!"

Gefragt, was ihm in den Sinn kommt, wenn er das Wörtchen Christentum hört, antwortet der Martin abrupt: "Christentum ist was Deftiges, was durchaus mit Ballaststoffen verdaut werden will." Und plötzlich wechselt er das Thema, als eine ältere Dame die Kirche betritt: "Gestern hatte ich so einen Anfall von Alzheimer, jetzt weiß ich ihren Namen wieder..." Er grinst wieder.
Mit seiner schnoddrigen Art zaubert Martin fast allen ein Lächeln auf den Mund: "Wie soll ich sagen, wenn ich allein bin, bin ich einfach der Beste!" (lacht). Und woher kommt des Pfarrers zynische Zunge? "Mein Papa, der klopft auch solche Sprüche."

Der Kampf gegen Sturheit

Da mag man es kaum glauben, dass ein Pfarrer wie Martin schon zu kämpfen hatte mit Sturheit und Verhärtung: "Ich hatte schon schlaflose Nächte, weil du ständig missverstanden wirst." Und was denkt der Prämonstratenser übers Sterben? "Am Ende zählt das, was wir gesät haben und nicht das, was wir ernteten. Und das Gute kriegt man sowieso erst nachgesagt, wenn man a schiane Leich' ist." (lacht) "Mein Vater würde sagen: Die meisten Leute sind mir begegnet und die meisten Kartoffel sind gegessen..."

Pfarrer Martin vor dem Grab des verstorbenen Fließer Pfarrers Maaß. "Es gibt schlichte Leute, die mich regelrecht entwaffnen mit ihren Lebenszeugnissen."
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Autor:

Marion Prieler aus Landeck

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