Bürgerversammlung
Pians: Fehlende Hausapotheke sorgt für Ärger

Die fehlende Hausapotheke in Pians sorgt bei der Bevölkerung in den vier Sprengelgemeinden für Ärger und Unverständnis.
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PIANS (otko). BürgerInnen aus den vier Sprengelgemeinden kritisierten untragbare Situation. Arztpraxis soll um 200 Meter verlegt werden, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.

Voll besetzter Gemeindesaal

Seit 2014 führt der aus Ghana stammende Allgemeinmediziner Richard Antwi die Ordination in Pians. Zuvor war die Arztpraxis nach der Pensionierung seines Vorgängers monatelang verwaist. "Allerdings war es aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht mehr möglich die Hausapotheke weiter zu führen. Mein Dank gilt den treuen PatientInnen. Trotzdem haben aber viele in eine andere Ordination gewechselt, wo sie gleich ihre Medikamente bekommen", schilderte Dr. Antwi. Gemeinsam mit Bgm. Harald Bonelli und Vertretern der "Plattform Einarztgemeinde" lud er am Dienstag unter dem Titel "Hausapotheke in Pians: Gibt es eine Chance?" zu einem Infoabend. Dass, das Thema der Bevölkerung unter den Nägeln brennt, zeigte der voll besetzte Pianner Gemeindesaal.
"Auch nach fünf Jahren sprechen mich die PatientInnen immer noch darauf an, warum sie bei mit keine Medikamente bekommen. Ich muss hier auf das Gesetz und die Politik verweisen", so Antwi. Eine Hausapotheke würde die Versorgung absichern. Gerade bei älteren Leuten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, und bei Hausbesuchen sei dies ein Problem. "Vor fünf Jahren wurde ein Vereinbarung mit der Stadtapotheke Landeck geschlossen. Am Ende der Ordination werden die verschriebenen Medikamente geliefert. Dies ist aber wenig praktikabel, da die Leute warten müssen."

Es fehlen 200 Meter

Laut dem Gesetz muss die Wegstrecke zwischen dem nächsten Apothekenstandort und einer ärztlichen Hausapotheke mindestens sechs Straßenkilometer betragen. "Wir reden hier von 5,8 Kilometern, die uns diese Probleme bereiten. Vor 20 Jahren war die medizinische Versorgung besser. Uns wird immer vorgegaukelt, dass alles besser und digital wird. Tatsächlich haben wir hier eine Verschlechterung bei der Versorgung. Daher haben wir bereits überlegt, den Standort der Arztpraxis um 200 Meter zu verlegen", betonte Bgm. Bonelli.
Laut Michael Dihlmann von der "Plattform Einarztgemeinde" sind derzeit in Österreich an die 100 Kassenstellen für Allgemeinmediziner nicht besetzt. Stellen mit Hausapotheken seien aber noch besser vermittelbar. "Jene Ärzte die eine Hausapotheke oder eine Apotheke in der Nähe haben, haben hier einen klaren Wettbewerbsvorteil. Auch dies schreckt viele junge Ärzte neben anderen Problemen wie den Lebens- und Arbeitsbedingungen ab." Dr. Antwi betreut in seinem Sprengel, der die Gemeinden Pians, Grins, Tobadill und Strengen mit 4.000 Einwohnern umfasst, an die 700 bis 800 PatientInnen pro Quartal. "Mit einer Hausapotheke wären es laut Statistik deutlich mehr", unterstrich Markus Lechner.

Arztstandort auf Pianner Höhe verlegen

Bei der anschließenden Diskussion kamen teils heftige Reaktionen aus dem Publikum. Ein Mann aus Tobadill klagte, dass er jetzt im Winter zuerst nach Pians zum Doktor und dann mit dem Rezept nach Landeck fahren müsse: "Manchmal muss ein Medikament auch erst bestellt werden und ich muss am nächsten Tag nochmals hinfahren. Die Kilometerbeschränkung ist ein Witz und gehört weg. Wir verlangen eine Hausapotheke", wetterte er lautstark. Der Pianner Alt-Bgm. Alois Kolp forderte mit dem Hinweis auf die freie Marktwirtschaft, die Anschaffung des "Apotheken-Monopols". Einige Teilnehmer forderten die Verlegung der Ordination.
Ähnlich sah es auch GR Thomas Pichler: "Wir warten nicht auf eine Gesetzesänderung, sondern schlagen dem System ein Schnippchen. Derzeit gibt es Projekte im Ortsteil Silvretta und man könnte den Arztstandort auf die Pianner Höhe verlegen." Im Rahmen des laufenden Dorfentwicklungsprozesses könne man darüber diskutieren.

Druck für Gesetzesänderung

Für Klaus Schweizer, der bei der Ärztekammer für das Hausapothekenreferat zuständig ist, ist "vor allem eine schnelle und unbürokratisch Versorgung der Patienten wichtig. Die beste Versorgung am Land sei jene aus einer Hand. Allerdings lasse dies die aktuelle Gesetzeslage nicht zu.
"Die Nationalräte Liesi Pfurtscheller und Hermann Gahr unterstützen eine Änderung", betonte Christine Handl, Obfrau des Sozialvereins. Da es sich um ein Bundesgesetz handle, brauche es aber auch aus der Bevölkerung Druck und weitere Überzeugungsarbeit bei den National- und Bundesräten für eine Gesetzesänderung, rieten die Vertreter der "Plattform Einarztgemeinde". In kürze wollen sie eine Petition mit gesammelten Unterschriften an die Gesundheitsministerin übergeben.

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Autor:

Othmar Kolp aus Landeck

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