Emotionale Diskussion bei der Vollversammlung
TVB TirolWest: "Ist das hier ein Basar?"

Nach einer emotionalen Diskussion wurden bei der anschließenden Abstimmung die Kompromissvorschläge angenommen.
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Neufestsetzung des Promillesatzes und der Aufenthaltsabgabe sorgte für Kritik: Kompromiss angenommen.

LANDECK (otko). Bei der Vollversammlung des Tourismusverbandes TirolWest im Schloss Landeck vergangenen Donnerstag wurde emotional diskutiert. Die Erhöhung des Promillesatzes und der Aufenthaltsabgabe waren der Auslöser dafür.

TVB TirolWest legte erfreuliche Zahlen vor

Zu Beginn berichteten TVB-Obmann Konrad Geiger und TVB-GF Simone Zangerl aber über positive Zahlen. Sowohl im Winter 2017/18 als auch im Sommer gab es Plus bei den Nächtigungen und Ankünften. Die Ferienregion erzielte insgesamt 290.639 Nächtigungen. "Auch bei den Vollbelegstagen müssen wir uns nicht verstecken und haben mehr als St. Anton am Arlberg", so Geiger. Gut gefüllt ist auch die Kasse des Verbandes: Laut der Jahresrechnung 2017 wurde ein Überschuss von 190.446,42 Euro Euro erwirtschaftet und an Eigenkapital sind 1,8 Mio. Euro vorhanden, wovon rund 848.000 Euro zweckgebunden sind.

Geld für Investitionen

Für heftigen Gegenwind sorgte dann aber der Antrag zur Neufestsetzung des Promillesatzes mit 9,5 Promille ab 1. Jänner 2019. Bisher lag er bei 7 Promille. Dieser Pflichtbeitrag, den die Wirtschaft zu leisten hat, setzt sich aus zwei Teilen zusammen. An den Tiroler Tourismusförderungsfonds gehen 1,2 Promille. Die einzelnen Tourismusverbände können die Höhe ihres Anteils aber selbst festlegen. "Wir haben seit der Fusion 17 Jahre lang nicht mehr erhöht und liegen tirolweit an drittletzter Stelle. Zudem planen wir 2019 einiges an Investitionen, die wir aus dem laufenden Budget allein nicht mehr tragen können. Momentan sieht das Budget super aus, aber wir müssen vorausplanen damit wir liquide bleiben", erläuterte Geiger.

Zu hohe Steigerung

Diese Argumentation sorgte bei den anwesenden Unternehmern aber für heftige Kritik. Rechtsanwalt Rainer Kappacher fehlte schlichtweg die Grundlage: "Als Kaufmann brauche ich Zahlen. Für was und wofür braucht man das Geld in den nächsten Jahren?" Für Markus Müller (Elektro Müller) ist die Steigerung zu hoch und er meinte ironisch, dass dies schon ein "mutiger Schritt" sei. Auch WK-Bezirksobmann Anton Prantauer verwies auf das Problem der großen Steigerung: "Bei uns in der Kammer haben viele Unternehmer angerufen. Die Leute wären für eine gewisse Erhöhung bereit, aber um 35 Prozent ist heftig. Besser man hätte öfter erhöht, 17 Jahre lang nichts zu tun ist dramatisch." Eine wenig professionelle Präsentation ortete Hermann Hammerl: "Da wird einfach mit Zahlen herumgeschupft." Schließlich stellte Markus Müller den Gegenantrag, der eine Erhöhung auf 8 Promille vorsieht. Drauf konterte TVB-Obmann Geiger mit 8,5 Promille, sonst passiere die nächsten zehn Jahre nichts mehr.

Feilschen wie am Basar

"Ja, sind wir denn hier auf einem Basar", kommentierte Sonne-Wirt Karl Graber das offensichtliche Feilschen. "Die Investitionen, die der TVB als Venet-Mitbesitzer zu tragen hat, sind nicht jedermanns Sache. Wir sind mit Freizeiteinrichtungen übersättigt."
Eine Lanze für den TVB brach schließlich der Fließer Bgm. Hans-Peter Bock: "Es ist wichtig bei Begehrlichkeiten auch Leistungen zu fordern. Der Schritt von 7 auf 8 Promille ist richtig und dann soll man den nächsten Schritt machen." Der geänderte Vorschlag auf 8 Promille wurde dann mit 414 Ja- und 205 Nein-Stimmen angenommen.

Zweiter Kompromiss

Auch bei der Erhöhung der Aufenthaltsgabe (Kurtaxe) benötigte es einen Kompromiss. Diese sollte laut TVB-Antrag von 1,20 auf 2,00 Euro steigen. "Die Kurtaxe zahlt der Gast mit dem Zimmerpreis und damit decken wir die Leistungen der Gästekarte ab", so Geiger. Für Karl Graber, ein vehementer Gegner der Erhöhung, geht dies zu Lasten der Betriebe. "Wir sind nicht alles Nobelhotels und wir haben viele Busgruppen. Dort ist alles inklusive." Obmann Geiger bot schlussendlich eine Erhöhung um 60 Cent auf 1,80 Euro an. Dieser Antrag wurde mit 439 Ja- und 43 Nein-Stimmen angenommen.

Weitwanderweg und neues TVB-Büro

Der TVB TiroWest plant für 2019 die Umsetzung einiger Projekte. "Wir planen einen Talkesselrundwanderweg von Zams über Stanz, Grins, Pians, Tobadill, Fließ und Landeck. Er ist über 50 Kilometer lang und erfüllt damit die Voraussetzung für Weitwanderwege", so TVB-Obmann Konrad Geiger. Auch in Sachen Radweg soll es nach der Projektierung rasch in die Umsetzung gehen. Geplant ist nach sechs Jahren auch wieder ein Strategieworkshop, um den TVB neu aufzustellen und zu positionieren. Nach jahrelangen Verzögerungen soll 2019 auch das neue Bürogebäude beim Reschenscheideck-Haus umgesetzt werden. "Das Bauansuchen liegt bei der Stadtgemeinde. Wir wollen im Frühling starten und im September/Oktober sollte es bezugsfertig sein. Das alte TVB-Büro werden wir verwerten – es gibt schon Interessenten", betonte Geiger.
Kritik am Neubau gab es von Martin Winkler: "Mir liegt das Zentrum von Landeck am Herzen und es ist nicht in Ordnung, dass sich der TVB ein neues Büro in die grüne Wiese baut. Wir haben genug Leerstände und es sollte nicht ein neues Gebäude gebaut werden, damit wieder etwas leer steht." Obmann Geiger sieht hingegen die Notwendigkeit eines Neubaus wegen des Platzbedarfs und gesetzlicher Vorschriften (z. B. Barrierefreiheit).

Autor:

Othmar Kolp aus Landeck

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