TIWAG- Aussage zu Kraftwerkserweiterung Prutz - Imst II ist von Halbwahrheiten gekennzeichnet!

Das Wehr "Runserau" vom Innkraftwerk Prutz - Imst I. © Ing. Günter Kramarcsik
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  • Das Wehr "Runserau" vom Innkraftwerk Prutz - Imst I. © Ing. Günter Kramarcsik
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In den Medien ist zu diesem Kraftwerksprojekt, welches erst kürzlich zur UVP eingereicht wurde, zu lesen dass damit mehr Strom erzeugt wird und künftig mehr Restwasser im Inn bleiben wird.

Solche Schlagzeilen scheinen ein Teil der TIWAG- Strategie zu sein. Damit will man der sensibilisierten Talkesselbevölkerung in Sachen Kraftwerkbauten im Tiroler Oberland wohl Sand in die Augen zu streuen?


Die Bildergalerie beweist, wie der Honig aussieht, welchen man uns um den Mund schmieren will!


Alle Bilder mit Mengenangaben in Bezug auf Tage und Wasserfracht beziehen auf die Möglichkeit, dass kein Ötztaler Wasser zur Verfügung stehen wird! Dann bleibt die Frage übrig: "WAS HAT DAS MIT MEHR RESTWASSER NOCH GEMEINSAM?"

Wenn man die jeweiligen TIWAG- Projekte im engen Zusammenhang der gesamten KW- Kette im Tiroler Oberland (siehe Grafik am Ende der Bildbeiträge) betrachtet wird man feststellen, dass diese projektierte KW- Kette auf Gedeih und Verderb von der Ableitung des Ötztaler Wassers abhängig ist! Die Projekte Kaunertal II, Prutz – Imst II und Imst – Haiming machen wenn überhaupt, nur mit Ötztaler Wasser einen elektrizitäts- und wasserwirtschaftlichen Sinn! Alle diese Projekte sind jedoch ohne Ötztaler Wasser sinnlos!

Dieses Projekt Prutz – Imst II ist ein Teil dieser KW- Kette! Wenn die TIWAG ankündigt, dass im Winter ein Restwasser von 5 m³/s statt 1 m³/s durch Landeck fließen wird und sonst 10 oder 15 m³/s, so schmiert man der Bevölkerung des Talkessels Landeck - Zams nur Honig um den Mund!

Mit dieser Aussage wird von Seiten der TIWAG bestätigt, dass im wasserreichsten Monat Juni nicht mehr als 15 m³/s Innwasser (außer an wenigen HW- Tagen) durch Landeck fließen wird! Derzeit fließt trotz bestehenden KW Prutz – Imst seit Wochen mind. 80 – 100 m³/s oder auch mehr Wasser durch Landeck! Künftig soll im selben Monat nur noch 1 Zehntel davon das Innbett im Stadtzentrum mit Wasser füllen?

Das ganze Projekt zielt einzig und allein auf Gewinnmaximierung auf Kosten unseres Lebensraum ab, denn die Erhöhung des winterlichen Restwassers ist mit oder ohne neuen Kraftwerk gemäß der EU- Wasserrahmenlinie so oder so verpflichtend, wie auch die Herstellung der Fischdurchgängigkeit bei bestehenden Kraftwerken! Eine Frist ist dafür bis Ende 2015 von der EU vorgegeben und diese kann mit dem Fischlift „Runserau“ und der damit verbundenen Restwasserabgabe von 5 m³/s auch ohne KW II schon heuer erfüllt werden!


Die winterliche Erhöhung des Restwassers ist also auch ohne KW Prutz – Imst II garantiert!

Die Verbreitung von Halbwahrheiten scheint gängige Praxis zu sein? Hier versucht man uns die winterliche Erhöhung des Restwassers als eine freiwillige Leistung zu verkaufen, um gleichzeitig damit die Zustimmung der Lokalpolitik und der Bevölkerung für eine KW- Erweiterung (Ausbau) zu erheischen?

Verschwiegen wird jedoch die Tatsache, dass uns auf diese Weise sehr viel Wasser in den wasserreichsten Monaten abhandenkommt!

Mit diesem Kraftwerksausbau soll die Ableitung des Innwassers von bisher 85 m³/s auf 170 m³/s verdoppelt werden!

Damit wenigstens das versprochene maximalste Restwasser mit 15 m³/s durch Landeck fließen kann, bedarf es einer natürlichen Wasserfracht von mind. 185 m³/s! Deshalb lohnt sich ein Vergleich der Abflussmengen nach der letzten 5- jährigen Beobachtungsreihe von 2007 – 2011.

Von Prutz kommend floss innerhalb eines Jahres eine durchschnittliche Wassermenge auf das Ausleitungsbauwerk Runserau wie folgt zu:
• an 4 Tagen pro Jahr bis 250 m³/s (Hochwasser = HW- Tage)
• an 21 Tagen nur 180 m³/s! (maximale Triebwassermengen 2 x 85 = 170 m³/s in Summe. Rest = 10 m³/s)
• an 45 Tagen hatte der Inn eine Wasserfracht von 140 m³/s (Restwasser nach Abzug von KW I = 55 m³/s)
• an 102 Tagen immerhin noch 100 m³/s (Restwasser war somit 15 m³/s nach Abzug von Triebwasser des bestehenden Kraftwerks.


Resümee zum Istzustand:


An 172 Tage (~ 50% eines Jahres) hatte der Inn in Landeck eine Wasserfracht von mind. 15 m³/s bis zu 165 m³/s, oder an 200 Tagen (~ 26 Tg. mit 95 – 100 m³/s) mind. 10 m³/s!


Resümee für die Zukunft mit KW- Ausbau Nr. II:


• Die versprochene maximale Wasserfracht mit 15 m³/s steht nur am Papier, denn an den durchschnittlichen 4 HW- Tagen werden künftig statt 165 m³/s nur noch max. 80 m³/s (250 – 170 = 80) Landeck erreichen!

• An 21 Tagen (im Juni?) wird nur noch 10 m³/s Landecks Stadtzentrum durchfließen!

• An den restlichen Tagen verbleibt eine Restwassermenge vom 5 - 10 m³/s im Bachbett des Inn!

Also statt an 172 Tage wie bisher wird der Inn künftig nur noch an 4 Tagen mind. 15 m³/s oder mehr Wasserfracht in Landeck aufweisen! Das sind lächerliche 1% eines Jahres!

• Infolge des KW I hatte der Inn an 193 Tagen weniger als 15 m³/s an Wasserfracht in Landeck aufzuweisen! Nun ergeben sich nur noch 21 Tage mit einer Wasserfracht von 10 m³/s = 6% eines Jahres!

DAMIT STEHT FEST, dass nicht mehr Restwasser im künftigen Inn über die Dauer eines Jahres zur Verfügung stehen wird, sondern viel weniger! Da helfen die paar Kubikmeter mehr Wasser im Winter reichlich wenig, zumal diese Mindestwassermenge so oder so nach EU- Wasserrahmenrichtlinie abzugeben sind, egal ob mit einem zusätzlichen oder auch nur bestehenden Kraftwerk!


Also ohne Ötztaler Wasser welches über das Kaunertal nach Prutz gelangt, wird unser Inn nur mehr an 4 Tagen pro Jahr (im wasserreichsten Monat Juni) max. 80 m³/s an Wasserfracht aufweisen und an 21 Tagen nur noch 10 m³/s!

Logische Schlussfolgerung: ohne Ötztaler Wasser wird künftig an 340 Tage ein Mindestrestwasser von 5 m³/s – 10 m³/s und nur an 4 Hochwassertagen werden mehr als 15 m³/s bis max. 80 m³/s durch Landeck fließen. Das bedeutet eine sommerliche Landschaftsästhetik wie im Winter. Nur an ca. 20 Tagen wird der Inn noch eine durchschnittliche Wasserfracht von 10 m³/s führen!

Dem Grunde nach ist es ein volkswirtschaftlicher und ökologischer Wahnsinn, mit Billigung unsere Landesregierung, dass man KW- Projekte wie Prutz – Imst II und Imst – Haiming zur UVP einreicht, bevor nicht sicher ist, ob man überhaupt eine Bewilligung zur Ableitung der Ötztaler Ache erhält!


Dazu sei noch angemerkt, dass der Ausbau von Kaunertal II als Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) der Bevölkerung verklickert wird.


In Wirklichkeit handelt es sich um eine Ableitung von 290 Mio. Kubikmeter Wasser aus dem Ötztal. Der Gepatschstausee mit 138 Mio. m³ Speicherinhalt wurde bisher auch ohne Ötztaler Wasser voll! Also bedarf es eines weiteren Stausees. Der geplante Stausee im Platzertal hat jedoch nur 42 Mio. m³ Speichervolumen! Also wird nur 1/7 des Ötztaler Wassers hier gespeichert und wofür dient der Überschuss aus dem Ötztal?

Somit ergibt sich die nächste Logik: das Kaunertal- PSKW II kann nie und nimmer als die „grüne Batterie Europas“ und als Pumpspeicherkraftwerk bezeichnet werden. Der Rest des Ötztaler Wassers (290 – 42 = ~ 250 Mio. m³) wird nämlich als Triebwasser für die Kraftwerkskette im Tiroler Oberland weiter geleitet und nicht gespeichert!

Wenn Landeck künftig mehr Wasser haben wird als oben aufgezeigt, dann ist das nur möglich, wenn man die Ötztaler Ache ebenfalls auf ein Restwasser degradiert und das KW Tumpen – Habichen (Triebwassermenge 22 m³/s) durch Wasserentzug in dessen Wirtschaftlichkeit schädigt! Dieses Kraftwerk soll aber laut Vertrag mit der TIWAG in diesem Fall entschädigt werden? Wenn das stimmt, dann kann man sich schon jetzt ausmalen, was künftig an Wasser in der Ötztaler Ache übrig bleiben wird.

Stellt sich eine letzte Frage: Wer zahlt diesen Wahnsinn?
Antwort: Natürlich alle Tiroler Endverbraucher über den Strompreis der TIWAG!

Nun wird man von Seiten der TIWAG sicher argumentieren, dass meine Ausführungen nicht korrekt seien und dass mindestens 3 Sommermonate im Jahr noch 15 m³/s oder mehr Wasserfracht der Inn in Landeck führen wird! Der Vormonat Mai und der Nachmonat September wird dann vermutlich 10 m³/s an Wasser führen und der Rest dann wohl nur 5 m³/s! Man wird behaupten, dass immerhin an ca. 150 Tagen mind. 10 m³/s oder mehr Wasser durch Landeck fließen wird. Aber Hand aufs Herz, sind 41% wirklich eine so großartige Zahl, dass man von mehr Restwasser sprechen darf, wenn bisher ohne Ötztaler Wasser und mit bestehenden KW diese Wassermenge an 200 Tagen im Jahr floss? Immerhin sind das 55% und nicht 41% trotz Zuleitung von Ötztaler Wasser!

Wie ich schon ausführte, man erfährt immer nur Halbwahrheiten und was nicht angenehm ist, spricht man von Seiten der TIWAG nicht freiwillig an, bevor sie nicht darauf angesprochen wird! Die zu erwartenden Einwände werde ich bestätigen können, aber nur mit dem Zusatz, dass es dafür das Wasser aus dem Ötztal braucht!

Meine obigen Ausführungen beziehen sich auf das natürliche Abflussaufkommen des Inns ohne Ötztaler Wasser! Dieses Abflussaufkommen kann man im hydrografischen Jahrbuch (derzeit letzte Ausgabe für 2012) auf der Website des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich auf der Seite 302 unter OG 95 Meßstelle Nr. 201194 (Prutz - Inn) ausheben.

Meine Überlegungen in Bezug auf Restwasser ohne Ötztaler Wasser begründen sich auf die Antworten, welche man am 03.02.2014 im Stadtsaal Landeck von TIWAG- Vorstandschef Bruno Wallnöfer zu hören bekam. Meine Frage war: „woher soll das Wasser für diesen Kraftwerksausbau kommen, wenn der Inn in Prutz eine maximale mittlere Jahreswasserfracht von ca. 75 m³/s aufweist und das bestehende KW für eine maximale Triebwassermenge von 85 m³/s ausgelegt ist?“ Antwort: „Das neue Ausleitungskraftwerk nutzt die bestehende Wehranlage Runserau mit, so dass keine zusätzliche Wehr- bzw. Sperrenstelle benötigt wird. Die zusätzliche Stromerzeugung kommt ausschließlich aus der optimierten Nutzung der Wasserfracht des Inn am Standort Runserau zustande, das heißt es wird jenes Wasser genutzt, welches bisher als Überwasser über das Wehr geflossen ist. Es werden keine weiteren Gewässer eingezogen.“

Nun der letzte Satz ist deshalb Grundlage für meine vorangeführten Überlegungen, denn wenn ich davon ausgehe, dass zum Zeitpunkt der Vorstellung des Projektes die Wahrheit gesprochen wurde, so habe ich keinen Grund dafür, evtl. Zuleitungen zu berücksichtigen. Immerhin findet man diese Aussage auch im August – Newsletter für Landeck aus dem Jahr 2013!

Aber die Katze ist nun aus dem Sack und das KW Prutz – Imst II soll angeblich nur gebaut werden, wenn auch Kaunertal II mit Wasser aus dem Ötztal eine Bewilligung erhält! Aber selbst dann ist unter dem Strich viel weniger Wasser über 1 Jahr gesehen in Landeck zu erwarten, als es bisher der Fall ist!

• 15 m³/s (oder auch mehr an durchschnittlich 4 HW- Tagen/Jahr) in 3 Monate (92 Tage) ergibt 25% von 365 Tage/a;
• Damit man uns nicht 1%, sondern 25% an Wasserfracht anbieten kann, entzieht man dafür dem Ötztal das Wasser!
• Zusätzliche 10 m³/s ergeben 17% (61 Tage). Bis zu dieser Wasserfracht ergaben sich bisher 55% der Tage eines Jahres. Künftig sind es rund 15% weniger also nur mehr ca. 40%! 10 m³/s ist jedoch bereits eine winterliche Wasserfracht!
• Die restlichen 212 Tage (58%) eines Jahres werden künftig über mehr als ein halbes Jahr minimalste winterliche Abflüsse aufweisen und das trotz Ötztaler Wasser! In Summe ergeben sich 60% winterliche Wasserfracht innerhalb eine Jahres, wenn man 10 m³/s als Restwasserabgabe für die Monate Mai und September akzeptiert!

Seriös wäre, wenn man mit dem stärksten Glied dieser Kette startet und die nachfolgenden Kettenglieder anschließend zur UVP einreicht und nicht umgekehrt. Wer dann noch glaubt, dass die TIWAG auf ein bewilligtes Projekt verzichten wird, wenn am Ende doch kein Wasser aus dem Ötztal zur Verfügung steht, der ist wohl sehr gutgläubig? Immerhin wurde 2013 schriftlich und im Februar 2014 mündlich versprochen, dass man für dieses KW keine Zuleitungen benötigen wird und dann wird man sich darauf berufen!

Also schädigt man nicht nur das Oberinntal zusätzlich, sondern auch gleich noch das Ötztal dazu!


Alle Leser dieses Artikels möchte ich noch auf meinen Eigenkommentar unter dem letzten Bildbeitrag (Übersichtsgrafik) hinweisen.

Es ist unglaublich, aber wahr! 7 Mio. Quadratmeter Tiroler Dachflächen haben ein Solarpotential, welches den derzeitigen gesamten Tiroler Strombedarf abdecken könnte! Also theoretisch könnten wir die Stromproduktion fast verdoppeln und müssten dafür kein einziges Wasserkraftwerk mehr bauen!

Siehe auch meinen Beitrag zum nachgelagerten KW Imst - Haiming:
INN.GEFAHR

Autor:

Günter Kramarcsik aus Landeck

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