Wirtschaftskammer kritisiert überschießende Umweltpolitik

WK Landeck ortet "überschießende Umweltpolitik": In der Runserau bei Fließ musste die TIWAG 4,7 Mio. Euro in einem Fischlift investieren.
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BEZIRK. Im Bezirk Landeck wurde auch 2015 wieder investiert. Projekte, die seit Anfang des letzten Jahres umgesetzt wurden, oder sich noch im Bau befinden, sind etwa die Tiefgarage Ischgl (33. Mio.), das GKI (460 Mio.), das Krankenhaus Zams (95 Mio.), der Ausbau der TFBS Landeck (5. Mio.), die Kunsthalle in St. Christoph (30 Mio.), der Radweg Via Claudia (3 Mio.), der Perjentunnel (190 Mio.), die Sanierung des Arlbergtunnels (160 Mio.) und Investitionen der Bergbahnen (71 Mio.). „Die regionale Bauwirtschaft ist durch Großprojekte der öffentlichen Hand und der Tourismuswirtschaft (inkl. Bergbahnen) gut ausgelastet, auch wenn bei Projekten der öffentlichen Hand vielfach im Sub für die Großauftragnehmer gearbeitet wird“, erklärt Landecks Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Anton Prantauer und ergänzt: „Will man künftig die Menschen in der Peripherie halten, wird dies nur durch das Schaffen von Infrastruktur außerhalb der Ballungszentren möglich sein.“
Der Ausbau der TFBS und der neuen Räumlichkeiten für den Bachelorstudiengang sind hier wichtige Signale von Seiten des Landes. Auch in den Tourismusorten wurde wieder viel Geld in die Hand genommen – schwierig gestalten sich dabei aber die Bauverbote während der Sommer- und Wintersaison. „Dadurch entsteht ein enormer Druck, in kürzester Zeit extrem schnell zu bauen. Dass unsere regionalen Unternehmen dem gewachsen sind, wurde insbesondere bei den Nauderer Bergbahnen unter Beweis gestellt. Dort wurde nach dem Brand am 21. Oktober 2015 in nur sieben Wochen eine neue Talstation errichtet“, nennt der Obmann ein Beispiel.

Zweite Röhre für Arlbergtunnel

Beim Arlbergtunnel, stellt Prantauer klar, „bleibt unsere Forderung nach einer zweiten Röhre aufrecht. Es ist schon sonderbar, dass im Osten für jede Lärmschutzgalerie Mittel zur Verfügung gestellt werden, aber am Arlberg kein Geld zur Verfügung steht, um vierspurig zu werden. Dieser Abschnitt ist – nach Abschluss der Ausbauarbeiten beim Perjentunnel – auf der Strecke Wien-Bregenz der einzige zweispurige Teil“, gibt der Obmann zu bedenken. „Darüber hinaus könnte man mit einer weiteren Röhre auch eine landwirtschaftliche Verschönerung erreichen, indem die Hochspannungsleitungen unter der Erde verlegt werden.“
Ansonsten gibt der Tourismus im Bezirk wirtschaftlich den Takt vor. „Der Nächtigungsrekord von 8,2 Millionen im abgelaufenen Jahr beweist die Attraktivität unseres Bezirkes. 1,7 Mio. Gäste konnten wir wieder begrüßen, sowohl im Sommer als auch im Winter wurden Steigerungen erzielt. Der Wehrmutstropfen ist aber vielfach der Preis. Buchungsplattformen verschärfen den Preiskampf und entziehen der Region einen nicht unerheblichen Teil der Wertschöpfung, die vor allem im Sommer stark darunter leidet.“

Herausforderungen für die Zukunft

"Der Bundesregierung darf ein Jahr wie 2015 nicht mehr passieren“, erklärt WK-Präsident Jürgen Bodenseer, „die Tiroler Unternehmer haben zwar mit enormem Einsatz solide Ergebnisse erwirtschaftet – aber sie mussten dabei hohe Hürden überwinden.“ Der regionalen Wirtschaft geht es besser, als es die derzeitige Stimmung unter den Unternehmern vermuten lässt.
„Die Auftragslage im Gewerbe, die Umsätze im Handel und die Buchungslage im Tourismus passen grundsätzlich“, sagt Bezirksobmann Prantauer. Doch warum ist die Stimmung gedämpft? „Immer neue Hürden erschweren unseren Betrieben das Unternehmen. Der Bund hat mit der Steuerreform wohl den Vogel abgeschossen. Die fortwährend ausufernde Bürokratie in Form von Registrierkassenpflicht, Allergenverordnung etc., neue Gesetze zu Energieeffizienz und Barrierefreiheit, oder das Rauchergesetz fördern ganz sicher nicht das Unternehmertum“, erklärt der Obmann. Das macht sich bereits dahingehend bemerkbar, dass die Bezirksstelle weniger Gründungsberatungen verzeichnet. Auch das Arbeitszeitgesetz macht den Betrieben im Bezirk ein Unternehmen nicht leichter.
„Durch die zwei Saisonen haben wir enorme Auftragsspitzen am Bau und im Tourismus. Eine Umfrage und eine Unterschriftenaktion haben gezeigt, dass das bestehende Arbeitszeitgesetz kaum praktikabel ist. Die Wirtschaftskammer fordert deshalb entsprechende Möglichkeiten mit erhöhten Tageshöchstarbeitszeiten und verminderten Ruhezeiten“, nennt Prantauer das Ziel.

Überbordene Umweltauflagen

In Richtung Landhaus meint der Obmann: „Unternehmer haben ein Herz für die Umwelt – nicht aber für überschießende Umweltpolitik.“ Während im Unterland die Golfplätze schon fast übereinander gebaut werden, verhindert das zwölf Zentimeter große Braunkehlchen am Sonnenplateau den Bau dieser wichtigen Infrastruktur. Dafür wurde aber um 4,7 Millionen Euro von der TIWAG ein Fischlift in der Runserau errichtet. „Damit ist er ebenso teuer wie ein komfortabler Sessellift in den Skigebieten“, betont Prantauer und ergänzt: „Das Naturschutzgesetz erschwert uns häufig das Unternehmen. Künftig werden wir wohl nicht nur von der Erde leben, sondern diese wahrscheinlich auch essen müssen“, spricht der Obmann eine weitere Herausforderung für die Zukunft an. Wo gebaut wird, fallen Erdbewegungsarbeiten an. Nur wohin mit dem Aushub? „Genehmigungen für Enddeponien zu erhalten, ist im Bezirk nicht nur schwierig, sondern aufgrund der notwendigen Gutachten auch teuer und zeitaufwendig. Hat man die Nachbarn dann im Boot sind behördliche Bewilligungen aufgrund von K.-o-Kriterien, wie Auwälder, seltensten Tierarten oder bis dato oft unbekannten Pflanzen, schier unmöglich.“

Citymanager für Landeck

Landeck hat sich als attraktive Bezirksstadt einen Namen gemacht. „Konstruktive Gespräche mit dem Bürgermeister werden hoffentlich dazu führen, dass ein Citymanager künftig die Interessen aller (TVB, Leistungsgemeinschaft, Wirtschaftskammer etc.) berücksichtigt und die notwendigen Projekte zeitlich getaktet und entsprechend budgetiert umgesetzt werden. Eine Stadtentwicklung unter Berücksichtigung der vorliegenden EKZ-Projekte benötigt eine professionelle Begleitung“, stellt der Obmann klar.
Die Herausforderungen sind groß. Doch dabei, so Prantauer, dürfe man nicht außer Acht lassen, dass die Wirtschaft ein guter Gradmesser dafür ist, wohin Pessimismus führen kann. „Dann werden Sparpakete geschnürt, Investitionen zurückgestellt, Arbeitsplätze abgebaut. Ist sie erst einmal in Gang gesetzt, dreht sich die Abwärtsspirale immer schneller“, spricht sich der Obmann für ein wenig mehr Optimismus aus.

Bergbahnen als Motor

„Wo es eine wirtschaftlich gesunde Bergbahn gibt, entwickelt sich auch eine prosperierende Region“, betont der WK-Bezirksobmann. Im abgelaufenen Jahr haben die zehn Bergbahnen im Bezirk mit 212 Millionen Euro einen neuen Rekordumsatz erwirtschaftet. Ob das neue Skidepot in Fiss, das neue Seilbahncenter in Nauders, oder die unterirdische Zufahrt zur Pardatschgratbahn in Ischgl, „solche Investitionen in den Komfort für Einheimische und Gäste brauchen weltweit keinen Vergleich zu fürchten. Die Bergbahnen sind wichtige Auftraggeber, verlässliche Arbeitgeber und Abnehmer von regionalen Produkten zugleich“, so Prantauer.
Mit dem positiven Bescheid zum Bau der Verbindung Kappl – St. Anton wäre eine weitere sinnvolle Skiverbindung möglich. „Dass der Alpenverein seinen Einspruch bereits öffentlich bekannt gab, noch bevor die Verantwortlichen diesen überhaupt gelesen hatten, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass uns in den Tälern eine wirtschaftliche Zukunft von Gruppierungen verwehrt wird, die in den Städten wohnen – ausgestattet mit jeglichem Komfort und jeglicher Infrastruktur“, kann der Obmann nur den Kopf schütteln.
Erfreuliche Entwicklungen gibt es allerdings am Reschen. Die Oberländer Gletscherbahn soll im Oktober 2017 in Betrieb gehen. Der Gletscheranschluss wäre der Startschuss für einen sinnvollen Kartenverbund der Tiroler und Südtiroler Skigebiete Nauders, Schöneben, Haideralm, Watles und Maseben. „Der Zeithorizont ist ambitioniert, aber am Beispiel des Wiederaufbaus der Talstation in Nauders kann man sehen, dass Zeit am Reschen offensichtlich keine Rolle spielt“, zeigt sich Prantauer zuversichtlich. „Das benötigte Eigenkapital in Höhe von 500.000 Euro bis Ende Jänner 2016 aufzutreiben, wird für die Bevölkerung der Gemeinde Graun wohl keine allzu große Hürde darstellen. Wir freuen uns jedenfalls jetzt schon auf die Eröffnung des einzigen grenzüberschreitenden Gletscherskigebietes in Europa.“

Autor:

Othmar Kolp aus Landeck

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