19.11.2016, 04:11 Uhr

„Jesus for President“ oder Christus, der andere König

CHRISTUS SIEGER, CHRISTUS KÖNIG, CHRISTUS HERR IN EWIGKEIT Im Heiligen Jahr 1925 hat Papst Pius XI. durch die Enzyklika "Quas primas" das Fest vom Königtum Christi unter die Herrenfeste des Kirchenjahres eingereiht. Das Weltrundschreiben trägt das Datum vom 11. Dezember. Ein Jahr darauf, seinerzeit am letzten Oktobersonntag, wurde das Fest erstmals in der Weltkirche begangen, seit der Liturgiereform am letzten Sonntag des Kirchenjahres.

Über ein Königsfest in der Republik

„Jesus for President“, so lautet der Titel eines Buches, das natürlich nur aus Amerika kommen kann. Wenn man sich näher mit der Vorlage beschäftigt, stellt man fest, dass hinter dem Werk eine Gruppe christlicher Frauen und Männer am Werk ist, die sich für Gott und die Menschen engagieren. Das wird allein schon dadurch deutlich, dass sie kritisieren, wie sehr sich „die Kirche (nicht nur in den USA) in den Staat verliebt hat und dass diese Liebesaffäre die Vorstellungskraft der Kirche zerstört.“ Die Kirche ist ja nicht für die Mächtigen und nicht für die Politik gemacht, sondern für die Menschen.
Jesus, unser König. Das ist das Thema dieses Sonntags.
1925 wurde das Christkönigsfest eingeführt. Mit der Liturgiereform sollte es immer am letzten Sonntag des Kirchenjahres gefeiert werden. In der Zeit des Nationalsozialismus bekam dieses Fest eine besondere Bedeutung, das vor allem die Jugend ansprach, die wenigstens auf geistliche Weise Widerstand leisten wollte: Nicht der Führer, sondern Christus der König, sollte das letzte Wort haben.
Dieser König sagt: „Niemand kann zwei Herren dienen.“ Entweder dem Evangelium oder alledem, was unsere Welt so zu bieten hat. Und Jesus sagt auch: „Was gewinnt ein Mensch, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er aber an seiner Seele Schaden nimmt?“ Im Königtum Jesu brauchen wir eine andere Politik, als eine, die auf Gewalt und Geld setzt; auch eine andere Politik, wie sie die Volksparteien hierzulande vertreten. Schließlich waren es Christen, die für die Gewalt und den Terror im Irak und Afghanistan zumindest mitverantwortlich sind. Schlimmer wird es nur noch, wenn behauptet wird, der Glaube fordere geradezu zu solchen Taten auf.
Die Verwirklichung des Königsreichs Jesu ist das nicht.
Es segnet keine Kriege, billigt keine Gewalt. Deswegen steht er mit der Führungsschicht seiner Zeit, auch mit König Herodes, im tödlichen Konflikt. Er stellt sich auf die Seite der Menschen, die auch heute noch und wieder im Schatten stehen.
Sein Königreich ist unsere reale Welt. Hier soll es sich zeigen, ob das Evangelium angekommen ist. Wenn Jesus sagt, „mein Reich ist nicht von dieser Welt“ heißt das noch lange nicht, dass es keine Auswirkungen auf diese Welt habe. Gelungene Beispiele dafür gibt es zum Glück genug. Denken wir nur einmal an das Engagement so vieler Christen im caritativen Bereich oder in der Entwicklungshilfe. Das ist eben nicht „von dieser Welt“, das musste diese Welt erst einmal lernen.
Ich bin mir sicher, dass es ohne den Einfluss des Evangeliums weder das Rote Kreuz gäbe, noch ‚Ärzte ohne Grenzen’, noch Amnesty international, noch die Arbeiter-Samariter, auch wenn das keine kirchlichen Organisationen sind.
„Nicht von dieser Welt“, bedeutet auch, dass das Reich Gottes unter uns kein Verteidigungsministerium nötig hat. Es ist eben anders. Es sorgt dafür, dass die Liebe gelebt wird. In einer Welt, in der die Wahrheit unterdrückt wird, jeden Tag erfahren wir davon, in einer Zeit, in der unsere Politiker nicht einmal mehr zu wissen scheinen, was sie unter Wahrheit verstehen sollen, steht Jesus für eine Wahrheit, die befreit. Bodenständiger kann eine Welt gar nicht sein, wie die Welt Jesu.
Aber da ist ja noch die Sache mit dem Joch, mit jenem Holzkragen, mit dem die Ochsen schwere Lasten ziehen: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir …“ (Mt 11,29). Das Joch wurde in biblischen Zeiten auch für die Annahme der Lehre eines jüdischen Rabbis gebraucht. Es hat vor allem mit Sklaverei zu tun. Und schließlich ist aus der Sicht Jesu an das „Joch Roms“ zu denken, das die Menschen in den Kolonien unterdrückte.
Im Unterschied zu all diesen Belastungen nennt Jesus sein Joch, das die Menschen freiwillig annehmen können „gut“. „Denn mein Joch ist sanft“ ist eine dünne, falsche Übersetzung. So wie der freundliche Friede Gottes nicht dem gewaltsamen Frieden Roms entspricht, so ist das Joch Gottes nicht wie das Joch der Sklaverei. Im Gegenteil: Es entspricht der Freiheit, von der Jesus oft spricht und die sein Königreich auszeichnet. Sein Joch ist gut und freundlich.
Jesus trägt keine Krone. Ganz anders als Heinrich IV. von sich sagen muss: „Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt.“ Jesus will von einer unterdrückenden Lebensweise befreien. Auch der viel gepriesene Wohlstand kann eine solche Last sein, wie die unbarmherzigen Bestimmungen einer Kirche, wie sie immer noch von manchen Kardinälen verteidigt werden. In ihrer Anfrage an den Papst, die sie ausgerechbet zum Abschluss des Jubiläumsjahres veröffentlicht haben, sind sie davon überzeugt, dass die Barmherzigkeit Gottes ihre Grenze habe.
Jesus, unser König, verkündigt dagegen die grenzenlose Liebe seines Vaters.
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