03.11.2016, 16:40 Uhr

Bewässerung: Altes Kulturwissen in Gefahr

Buchpräsentation in Zams: Seppl Haueis, Ernst Fleischhacker, Ingeborg Vonderstrass, Christian Leibundgut und Bgm. Thomas Lutz (v.l.).

Die jahrhundertealte Bewässerungsanlagen und das dazugehörige Wissen sollen bewahrt werden. Publikation wurde präsentiert.

ZAMS (otko). Der Planungsverband Landeck und Umgebung mit Obmann Bgm. Thomas Lutz lud vergangenen Montag zu einer besonderen Buchpräsentation in den Postgasthof Gemse nach Zams. Der Schweizer Hydrologe Christian Leibundgut und dessen Gattin Ingeborg Vonderstrass stellten ihr zweibändiges Werk "Traditionelle Bewässerung in Europa – ein Kulturerbe" vor. Erschienen sind die beiden Bände im Verlag Merkur Druck AG.
Rund 25 Jahre haben die beiden Experten zum Thema Rieselbewässerung in ganz Europa geforscht. Insgesamt 160 solcher Beispiele wurden dokumentiert. Auch die Region Landeck ist mit ihren Bewässerungsanlagen bzw. Waalen in Perjen, Grins und Stanz, die im 14. Jahrundert entstanden sind, in der Publikation enthalten. Bereits 7.000 v. Chr. wurde in Europa mit der Bewässerung begonnen. "Nach einer Hochblüte ist die traditionelle Bewässerung Mitte des 20. Jahrhunderts aufgelassen worden. 10.000 Jahre lang hat die Bewässerung mit der menschlichen Arbeitskraft und mit der Ausnutzung der Schwerkraft funktioniert. Die Leute haben dabei viel Gespür für die Natur gehabt und mit viel Wissen und Gespür gearbeitet. Auch die soziale Kooperation war wichtig", erläuterte Vonderstrass.
In der Zwischenzeit seien laut Leibundgut die Anlagen bzw. das jahrhundertealte Kulturgut aber in Gefahr. Auch das Wissen drohe unwiederbringlich verloren zu gehen. Als Fernziel schwebt dem Schweizer Wissenschaftler vor, dass das traditionelle Bewässerung ein Weltkulturerbe werden soll. Bis zu einer Aufnahme in das UNESCO-Verzeichnis gebe es aber noch eine Menge zu tun.

Bewusstsein schaffen

"In der modernen Landwirtschaft hat die traditionelle Bewässerung keinen Platz mehr", konstatiert Leibundgut. Dem stimmte auch Stefan Nothdurfter aus Stanz zu: "Ohne Nutzer sind diese Dinge akut gefährdet. Immer weniger Betriebe sind nicht in der Lage, das Verteilersystem aufrechterhalten. Allerdings sollte gerade für schulische Zwecke die traditionelle Bewässerung erhlaten bleiben." Seppl Haueis fügte hinzu, dass wir solche Dinge schneller wieder brauchen könnten als es uns leib sei.
Für den Tiroler Wasserexperten Ernst Fleichhacker ist vor allem die Politik am Zug: "Damit dieses Kulturgut nicht verloren geht, müssen sich die Gemeinden und die Planungsverbände darum kümmern. Wir müssen hier ein Bewusstsein schaffen. Es gilt touristische Projekte zu initiieren, um die Waale zu retten." Günther Zimmermann, Leiter des Landschaftsdienstes, betonte, dass man mit derartigen Projekten beim Land auf offene Ohren stoße, wobei aber in den Regionen das Fundament geschaffen werden müsse. Planungsverbandobmann Lutz verwies auf das erfolgreiche touristische Projekt am Stanzer Waal. "Wir haben es bewusst erschlossen. Allerdings muss das Bewusstsein und der Idealismus gelebt werden", so Lutz.
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