21.07.2017, 09:10 Uhr

Die Erde heizt das Quellalpin

Die Wärmepumpen laufen zur vollsten Zufriedenheit - das freut (v.li.) Gerhard Larcher (GF Quellalpin), Bgm. Pepi Raich, Thomas Gasser (Vorstandsdirektor TIWAG), LHStv Josef Geisler und Rupert Ebenbichler (GF Wasser Tirol).

Das Kaunertal setzt beim neuen Freizeitzentrum auf ein innovatives Energieversorgungskonzept mit Eigenversorgung. In Feichten ist das aktuell größte kommunale Erdwärmefeld Tirols mit 50 Erdwäremsonden entstanden.

KAUNERTAL (otko). Nach knapp einjähriger Umbauzeit öffnete die neue Freizeitanlage Quellalpin Kaunertal in Feichten vergangenen Oktober die Pforten für die Gäste. Die Gesamtkosten für die Modernisierung des ehemaligen Kaunertal Centers samt wegweisendem Energiekonzept belaufen sich auf rund 5,4 Millionen Euro. Der Energiebedarf wir nunmehr fast zur Gänze aus lokalen, erneuerbaren Ressourcen deckt. Eine Wärmepumpe mit 50 Erdwärmesonden heizt dem neuen Freizeitzentrum mit Hallenbad und Sauna nunmehr ein. Im Kaunertal ist das aktuell größte kommunale Erdwärmefeld Tirols mit 50 Erdwäremsonden entstanden. Die Energiekosten werden halbiert, 80.000 Liter Heizöl durch saubere Erdwärme ersetzt.


Meilenstein gesetzt

Im Rahmen eines Lokalaugenscheins überzeugte sich vergangenen Donnerstag auch Energiereferent LHStv. Josef Geisler von der Pionierarbeit und er weitsichtigen Entscheidung. "Im Kleinen wurde hier die Energiestrategie des Landes Tirol bis 2050 energieunabhängig zu sein vollzogen. Die Ressourcen vor Ort werden bestmöglich genutzt und das Quellalpin zeigt, das es geht. Mit dem Betrieb eines Freizeitzentrums mit Geothermie hat die die Gemeinde einen Meilenstein gesetzt."
Lob für das Projekt gab es auch von Thomas Grasser, Vorstandsdirektor der TIWAG: "Uns ist es auch ein Anliegen das Wärmepumpen-System in einem Großprojekt zu unterstützen. Im Rahmen unseres Energieeffizienspakets geben wir jährlich 4 Millionen Euro für Förderungen aus."

Wasserkraft und Erdwärme

Beim Umbau des 1974 erbauten Kaunertal Centers war vor allem die Energiefrage ein wichtiges Thema. "Ursprünglich heizten wir mit Schwechat 2000, was auch für Kritik sorgte. 1995 wurde ein Zubau errichtet und die alten Kessel ausgetauscht sowie auf Heizöl leicht umgestellt", erinnert sich der Quellalpin-Geschäftsführer Gerhard Larcher. Wichtig war es nun neben dem Umbau auch ein nachhaltiges Energiekonzept als Teil der Naturparkregion Kaunergrat zu erstellen.
Die Wasser Tirol erstelle für die Gemeinde Kaunertal ein Ressourcenbewirtschaftungskonzept. Dabei wurden der Energiebedarf aller öffentlichen Gebäude sowie die Ressourcen der Gemeinde erhoben und Energielösungen auf Basis der vorhanden Ressourcen erarbeitet. Anstatt den Überschussstrom aus dem gemeindeeigenen Trinkwasserkraftwerk ins öffentliche Netz einzuspeisen, fließt er nun in die Wärmeversorgung des Quellalpin. "Aus einer Kilowattstunde Überschussstrom werden über die Erdwärmepumpe vier Kilowattstunden Wärme erzeugt. Damit decken wir die Grundlast ab, nur noch bei Spitzenlasten läuft der Ölkessel", erläutert Rupert Ebenbichler, GF der Wasser Tirol.

Probleme bei den Bohrungen

Allerdings gab es bei der Bohrung der Erdsonden einige Probleme. Im unmittelbaren Bereich des Hallenbades wurden 50 Bohrungen gemacht, die 100 Meter in die Tiefe reichen. Die Rohrlänge beträgt 20.000 Meter und jene der Sonden fünf Kilometer. "Das extrem harte Gestein, das typisch für die Gegend ist, hat der ostösterreichischen Firma Probleme bereitet und es kam zur einer einvermehmlichen Vertragsauflösung. Die Bohrköpfe waren extrem schnell abgenutzt und es gab nur ein langsames Vorankommen. Eine Tiroler Firma hat den Auftrag dann doch nach Plan erfüllt", berichtete Bgm. Pepi Raich. Durch die unberechenbare Geologie sind Mehrkosten von rund 100.000 Euro entstanden. LHStv. Geisler stellte bei den Kostenüberschreitungen weitere Hilfe in Aussicht. Aufgrund der Verzögerung wurde die Erdwärmeanlage Anfang Mai in Betrieb genommen. "Am Anfang waren wir skeptisch und haben aber den Experten vertraut. Der Dank gilt dem Gemeinderat und dem TVB für die Umsetzung des Projekts. Ohne die tatkräftige Unterstützung durch das Land Tirol und die TIWAG hätten wir uns dies Investition nicht leisten können", so der Kaunertaler Dorfchef.

Energiekosten halbiert

Im laufenden Betrieb bringt die innovative Wärmeversorgung erhebliche Einsparungen bei den jährlichen Betriebskosten. "Die Anlage hat rund 400.000 Euro mehr gekostet als eine Ölheizung, wobei sie sich aber aufgrund der Einsparungen in rund zehn Jahren amortisieren dürfte", so Larcher. In den zwei Monaten sind zur Freude des Geschäftsführers die Ölbrenner nur selten gelaufen. "Bei der Revision im Juni wurden nach dem vorgeschrieben Tausch 350.000 Kubikmeter Wasser in nur vier Tagen nahezu ohne Öl aufgeheizt."
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