29.09.2016, 09:10 Uhr

Euthanasie-Opfer: Mehr Vergangenheitsbewältigung nötig

Die "Erich-Lederle-Brücke" mit der Gedenktafel für das Pianner Euthansie-Opfer.

Pianner Alt-Bürgermeister Peter Rauchegger will für die Euthanasie-Opfer der NS-Zeit eine Erinnerungskultur etablieren.

BEZIRK/PIANS (otko). In vielen Fällen stößt man auch noch in der heutigen Zeit in Zusammenhang mit den Euthanasie-Opfern der NS-Zeit auf einem Mantel des Schweigens. Dem Pianner Alt-Bgm. Peter Rauchegger ist die Auseinandersetzung und die Aufarbeitung ein großes Anliegen. Während seiner Amtszeit als Dorfchef wurde 2007 in Pians die "Erich-Lederle-Brücke" als ein besonderes Denkmal an der Sanna eröffnet.
Der Pianner Erich Lederle (1909 – 1940) war eines von 32 bekannten Euthanasie-Opfern aus dem Bezirk, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden. Lederle arbeitete als Buchhalter in der Schweiz und Tirol und war begeisterter und talentierter Maler und Zeichner. "Am Ende der 1930er Jahre wurde er unschuldig Opfer einer gesellschaftspolitischen Intrige. Er musste mehrere Wochen in qualvoller Dunkelhaft verbringen und wurde dann in die Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke in Hall abgeschoben. Im Dezember 1940 wurde Erich Lederle zur Euthanasie freigegeben, mit anderen nach Schloss Hartheim in Oberösterreich transportiert und dort als 'unwertes Leben' getötet", schreibt Heimatforscher Robert Klien in dem Info-Folder zur Erich-Lederle-Brücke.

An die Schulen bringen

Beim Chronistentag in See berichtete Rauchegger über das Thema Euthanasie: "Obwohl aus fast jeder Gemeinde im Bezirk Opfer stammen, hält sich die Auseinandersetzung damit in Grenzen. Für mich ist es wichtig, dass die heimischen Euthanasie-Opfer nie vergessen werden. Gerade in unsere Zeit ist wieder eine Verrohung in der Politik festzustellen. Darum müssen wir auch an die Jugend in den Schulen herantreten und ich habe bereits mit dem Pflichtschulinspektor Kontakt aufgenommen", so der Alt-Bürgermeister. Gerade die SchülerInnen sollen aus der Vergangenheit lernen und einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung leisten. In diesem Sinne trat er mit der Bitte an die Chronisten heran, mehr über die 32 bekannten Opfer herauszufinden.
Bezirkschronist Rudolf Juen sagte Unterstützung zu und meinte, dass dies immer noch ein "heißes Thema" sei: "Die Grenzen zwischen Tätern und Opfern sind hier fließend. Oft wurden Behinderte weggesperrt und die Angehörigen waren teilweise froh wenn diese dann weg waren. Natürlich gibt es aber auch Beispiele wo jemand versteckt wurde." Mit der Zeit sei das Negative verdrängt worden. "Viele wollen das nicht mehr aufwärmen", so Juen.
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