02.05.2016, 09:36 Uhr

Kehrt der Postfuchs Prutz den Rücken?

Filialschließung: Auch in Prutz könnte bald ein Postpartner die Post-Geschäfte erledigen.

Die Österreichische Post AG möchte ihre Filiale in Prutz schließen. Parlamentarische Petition für den Erhalt wurde eingebracht.

PRUTZ (otko). Nach der großen Schließungswelle von Postfilialen in den vergangenen Jahren sind nur mehr jene in Landeck, Ischgl, St. Anton a. A., Prutz und Flirsch übriggeblieben. In einigen Orten erledigen nun Postpartner die Post-Geschäfte.
Nun soll auch mit Prutz die einzige Postfiliale im Oberen Gericht geschlossen werden. Bürgermeister Heinz Kofler ist von der Österreichischen Post AG informiert worden, dass die Post-Filiale nicht kostendeckend zu führen sei und man sie daher bis zum Sommer beabsichtigt zu schließen.
Das Delikate an der Sache ist, dass die Gemeinde hier kein Mitspracherecht bzw. keine Parteistellung hat. "Wir haben es schriftlich mitgeteilt bekommen, aber wir bekommen keine Zahlen von Seiten der Post AG. Man kann als Gemeinde nicht einmal einen Einspruch machen, das sind ja Zustände wie in Russland", ärgert sich Kofler. Das Postamt wird auch von den Regionsgemeinden Faggen, Kauns, Kaunerberg, Kaunertal, Fendels, Ried, Ladis, und Fiss mitgenutzt. Neben einigen größeren Betrieben ist die Gemeinde auch Standort vieler mittlerer und kleinerer Gewerbebetriebe. "Unsere Idee, dass die Gemeinden etwas dazu zahlen, wurde abgelehnt.
"Die Post hat daran kein Interesse und will einfach die Filiale schließen", so Kofler. Zusammen mit den Bürgermeistern des Planungsverbandes Oberes und Oberstes Gericht will der Prutzer Dorfchef nun alle Hebel in Bewegung setzen: "Wir protestieren dagegen und wollen die Unvernunft aufzeigen. Für den ländlichen Raum sind solche Schließungen eine schlechte Entwicklung." Kofler und seine Bürgermeisterkollegen haben zudem die Nationalräte Liesi Pfurtscheller und Hermann Gahr um Hilfe ersucht. Zudem laufen im Hintergrund bereits Gespräche mit möglichen Postpartnern: "Unser Ziel ist es, dass sich für die Leute nichts ändert", betont Kofler.

Gegen Zahlenspielereien

Neben Prutz steht auch die Post-Filiale in Zell am Ziller auf dem Schließungsplan. „Gerade im ländlichen Raum sind Postfilialen wichtige Einrichtungen der Grundinfrastruktur. Zudem haben beide Postämter ein großes Einzugsgebiet und werden dementsprechend stark frequentiert“, sind für die beiden VP-Abgeordneten Hermann Gahr und Elisabeth Pfurtscheller die geplanten Schließungen nicht nachvollziehbar.
Für Gahr sind vor allem die von der Post vorgeschobenen Geschäftszahlen oft nicht mehr nachvollziehbar: „Hervorragend laufende Filialen werden von der Postführung bewusst schlechtgerechnet, Overhead-Kosten von einem Amt aufs nächste übertragen, nur um eine Schließung und die Auslagerung an einen Postpartner zu rechtfertigen.“ Die Post scheine ihrem gesetzlichen Grundversorgungsauftrag keine große Bedeutung mehr beizumessen, sind sich Gahr und Pfurtscheller einig. Die Schließung der Postfilialen im ländlichen Raum bedeute zusätzliche Wege und ein weiteres Ausdünnen der Infrastruktur im ländlichen Raum.
Auch wenn es schwierig werde, die Post von ihrer Entscheidung nochmals abzubringen, wolle man es gemeinsam mit der Bevölkerung versuchen, geben sich Gahr und Pfurtscheller kämpferisch.
Die beiden Abgeordneten haben deshalb kürzlich parlamentarische Petitionen für den Erhalt der Postfilialen in Prutz und in Zell am Ziller eingebracht.
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