19.12.2017, 16:01 Uhr

NS-Devotionalien: Ermittlungen gegen Hochstöger eingestellt

Das Ermittlungsverfahren gegen den Landecker Apotheker wurde eingestellt.

Im September sorgten Bilder, wonach der Apotheker im Besitz von NS-Devotionalien gewesen sei, für Aufregung. Hochstöger wurde aus der FPÖ ausgeschlossen und die Staatsanwaltschaft ermittelte.

LANDECK/INNSBRUCK (otko). Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat nun das Ermittlungsverfahren gegen den Landecker Apotheker Dr. Martin Hochstöger eingestellt. Im September hatte die Veröffentlichung  des Tiroler Bloggers Markus Wilhelm für einen heftigen Wirbel gesorgt. Darin warf er dem hochrangigen FPÖ-Funktionär und ehemaligen Präsidenten der Tiroler Apothekerkammer vor, im Besitz von Nazi-Devotionalien zu sein. Auf seiner Seite dietiwag.org untermauerte Wilhelm dies mit Bildern, auf denen einerseits eine Nazi-Erinnerungstafel aus Marmor an die Volksabstimmung am 10. April 1938 in Landeck, welche mit einem Zitat Adolf Hitlers versehen ist, zu sehen ist. Andererseits werden in einem gläsernen Schaukasten Symbole der Nazi-Herrschaft (Reichsadler und SS-Totenkopf mit Eisernem Kreuz) dargestellt. Laut Wilhelm seien die Nazi-Devotionalien im hinteren Raum von Hochstögers Apotheke in Landeck zur Schau gestellt.
Noch am selben Tag von Wilhelms Veröffentlichung legte Hochstöger sein Amt im FPÖ-Landesparteivorstand zurück. Am Abend folgte dann der Parteiausschluss des blauen Urgesteins.

Marmortafel hing dort seit Jahrzehnten

Auch die Staatsanwaltschaft Innsbruck nahm umgehend die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz auf. Noch am Dienstag gab es eine "freiwillige Nachschau" in der Apotheke Hochstögers durch Beamten des Landesamtes für Verfassungsschutz.
Die Marmortafel wurde dabei sichergestellt. Die Vitrine wurde aber ohne die auf dem Foto abgebildeten NS-Devotionalien vorgefunden. Laut Staatsanwaltschaft gaben Hochstöger und weitere Zeugen an, dass sich in dieser Vitrine keine solche Gegenstände zur Schau gestellt worden seien. Allerdings seien dann bei Renovierungsarbeiten im August, wo das Möbelstück in einem anderem Raum gestanden sei, plötzlich NS-Devotionalien darin gelegen. Gegenüber den Ermittlern gab Höchstöger an, diese auf den Müll geworfen zu haben. Wer diese dort platziert habe, wisse er nicht.
Die Staatsanwaltschaft konnte aber nicht klären, wer die belastenden Fotos angefertigt hat. Nun läuft ein Verfahren gegen Unbekannt wegen Verleumdung.
Die Ermittlungen zur Marmortafel über die Volksabstimmung ergaben, dass diese schon lange Zeit, bevor Martin Hochstöger die Apotheke übernommen hat, dort angebracht wurde. Von Seiten der Staatsanwaltschaft heißt es dazu: "Da die Tafel dort seit mehren Jahrzehnten angebracht war und bislang von niemanden beanstandet wurde, war dem Beschuldigten zu glauben, dass er sich darüber keine Gedanken gemacht hat und nicht etwa die Entfernung der Tafel unterlassen hat, um NS-Ideologie zu propagieren."


Grüne: Fragwürdige Einstellung

Der Landecker Grüne Landtagsabgeordnete und Gemeinderat Ahmet Demir bezeichnetet die Einstellung des Ermittlungsverfahrens als fragwürdig. "Wie kann es sein, dass ein hochrangiger politischer Funktionär eine Tafel in seinem Geschäft hängen hat mit der Unterschrift von Adolf Hitler, und mit der Argumentation davonkommt, dass die schon vor seiner Zeit dort angebracht wurde“, wundert  Demir. Und er fragt sich auch, ob die als NS-Propagdainstrument eingesetzte Marmortafel mit Reichsadler und Hakenkreuz dem FPÖ Landeschef Markus Abwerzger bei seinem Besuch in der Apotheke im Juli nicht aufgefallen ist.
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