12.10.2016, 13:38 Uhr

Perjentunnel: Arbeiten voll im Zeitplan

Ein Blick in die neue Röhre des Perjentunnels zeigt: die Vortriebarbeiten laufen derzeit auf Hochtouren. (Foto: ASFINAG)

Seit Mai 2016 wird an der 2. Röhre des Perjentunnels mit Hochdruck gearbeitet. Sämtlichen Arbeiten liegen im Zeit- und Kostenrahmen.

LANDECK/STANZ/ZAMS (otko). Auf der Tunnelbaustelle im Landecker Talkessel geht es derzeit rund. 150 Arbeiter sprengen parallel zur bestehenden Röhre des Perjentunnels durch den Berg. Über 800 Sprengungen löste der Sprengmeister Peter Ganeider seit Mai 2016 bereits aus. Von beiden Richtungen aus treiben die Mineure den Tunnel voran. Inzwischen ist rund ein Viertel der ca. 3.000 Meter langen neuen Röhre geschafft – im Westen 155 Meter und im Osten 510. Zusätzlich wurden bereits zwei Verbindungstunnels in die Bestandsröhre gegraben, um im Notfall die Arbeiter evakuieren zu können.
Beim einem Lokalaugenschein vergangenen Dienstag zeigten sich Gernot Brandtner, Geschäftsführer der ASFINAG Bau Management GmbH, und ASFINAG-Projektleiter Richard Loidl mit dem Stand der Arbeiten zufrieden. "Wir liegen voll im Zeit- und Kostenplan. Auch hat es auf der Tunnelbaustelle noch keinen schweren Unfall gegeben", so Brandtner. Über 100.000 Kubikmeter Material wurden ausgebrochen und auf der Deponie Finais östlich vom Zams gelagert. Zudem wurden über 15.000 Quadratmeter Spritzbeton aufgebracht.


Schwierige Geologie

"Durch die schwierige Geologie, die man bereits vom Bau der ersten Tunnelröhre kennt, fallen die Vortriebsarbeiten in die Kategorie Herausforderung. Im Ostvortrieb haben wir einen Abschnitt wo die Verformungen punktuell zwischen zwei und 25 Zentimeter betragen. Nach der Sprengung presst der Bergdruck die frische Tunnelröhre an dieser Stelle wieder um bis zu 25 Zentimeter zusammen", erklärt Lodil. Deshalb sei auch ein Sprengvortrieb notwendig gewesen.
Zudem können auch die ausgebrochenen Materialien nicht weiter verwendet werden. "Der Landecker Quarzphyllit zerfällt nach der Sprengung zu feinem Staub und daher muss der gesamte Ausbruch deponiert werden", verweist der Projektleiter. Sämtliche Transporte erfolgen über das hochrangige Straßennetz und auch der Beton wird direkt beim Ostportal hergestellt.

Beweissicherung

Sechs Sprengungen pro Tag stehen auf der Tagesordnung, wobei bisher 63.000 Kilogramm Sprengstoff verwendet wurden. "Ohne Auswirkungen auf die Bevölkerung geht der Sprengvortrieb aber nicht. Es werden immer Lärm und Erschütterungen produziert und wir versuchen diese bestmöglich einzudämmen. Gerade am Westportal sei dies eine temporäre Phase, das es hier nur eine geringe Bergüberdeckung gibt", gesteht Brandtner.
300 Häuser im Nahbereich wurden von der ASFINAG beweisgesichert und werden überwacht, ob sich Risse auftun. "Jeder Schadensfall, auch außerhalb der des beweisgesicherten Areals, wird begutachtet. Ich kann das Versprechen geben, dass sich die ASFINAG um jeden Schaden kümmert und das niemand darauf sitzen bleibt", betont Brandtner.
Aber auch der Lärm auf der Baustelle ist für die Anrainer ein Problem. Die Lüfteranlagen am Westportal wurden Ende September umgestellt. Eine weitere Verbesserung soll es zudem geben, in dem die LKW-Rückfahr-Warnpiepser durch geräuschlose Blitzlicht-Warnungen ersetzt werden.

130 Millionen Euro

Bis Juli 2017 soll der Sprengvortrieb abgeschlossen werden. "Bis Frühjahr 2018 wird der Innenausbau abgeschlossen. Danach erfolgt der Einbau der Sicherheitstechnik. Dann erfolgt Ende 2018 die Umleitung des Verkehrs in die neue Röhre", erläutert Brandtner den weiteren Zeitplan. Danach wird rund ein Jahr lang die Bestandsröhre saniert. "Ab Dezember 2019 stehen dann beide Tunnelröhren zur Verfügung. Ein Ende der Umleitungen durch Landeck und Zams ist damit in Sicht", so Brandtner.
Insgesamt 130 Millionen Euro werden von der ASFINAG in den Vollausbau zwischen den Anschlussstellen Zams und Landeck-West investiert. Bis 2025 wird auch der Lötztunnel und die Lötzgalerie zweispurig ausgebaut.
In die Tunnelsicherheit im Bezirk Landeck werden in den nächsten Jahren insgesamt 300 Millionen Euro investiert – neben dem Bau von Perjen II wird auch der Arlbergtunnel bis 2017 saniert.


Eckdaten Perjentunnel

Gesamtlänge: ca. 3.000 Meter
Investition Neubau Röhre: 104 Mio. Euro
Investition Sanierung: 26 Mio. Euro
Baubeginn: Mai 2016
Freigabe zweite Röhre: Dezember 2018
Gesamtverkehrsfreigabe: Dezember 2019
Anzahl Fluchtwege: 10 (davon zwei befahrbar)
Fluchtwegabstand Endausbau: unter 300 Meter
Ausbruch aktuell: derzeit ca. 100.000 Kubikmeter
Spritzbeton in Röhre: derzeit ca. 15.000 Quadratmeter
Eingebaut Anker: derzeit ca. 20.000 Meter
Kapazität Deponie Finais: ca. 350.000 Kubikmeter
Durchschnittlicher Verkehr: derzeit ca. 14.000 LenkerInnen pro Tag
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