18.11.2016, 20:16 Uhr

Gegen Lüge und Hass...

Die Kirche ist in ihren Zeugen besser als ihr Ruf.

In diesen Tagen blickt Tirol noch einmal auf Otto Neururer, Jakob Gapp und Carl Lampert. Diese drei Priester waren wie unsere Heimat: Klar wie ein Bergsee, erhaben wie unsere höchsten Bergesgipfel und felsenfest in der Treue zu Glaube und persönlichem Versprechen. In einer Welt, in der das Versprechen immer weniger zählt, weil die Laune und die Lust sich in den Vordergrund spielen, sind solche Gallionsfiguren der Treue freilich eine Herausforderung. Wer weiß, ob die Erinnerung an sie nicht der Oberflächlichkeit und dem Verlust des Glaubens zum Opfer fallen werden. Der Nationalsozialismus war angetreten, den Glauben an den Gott der Juden und Christen zu vernichten und an seine Stelle den Glauben an Führer, Reich und Rasse zu setzen. An den großen gläubigen Persönlichkeiten des Judentums und der Christenheit und im Blutzoll des Krieges mussten die Fantastereien des Faschismus schließlich zerschellen.

Das unerschrockene Zeugnis von Otto Neururer und Carl Lampert

Die innere Stärke eines Otto Neururer, der sich nicht scheute eine junge Frau zum Nachdenken anzuregen, bevor sie einen geschiedenen, älteren Nazifunktionär zum Mann nehmen wollte ist eine Randnotiz der Geschichte. Sie bekommt mit dem katechetischen Unterricht, den der Götzener Pfarrer im KZ Buchenwald einem Mithäftling und Kollaborateur der Gestapo gab und der grausamen Folge eine geschichtliche Dimension. Otto Neururer, der unauffällige und unaufdringliche Priester und einfühlsame Religionslehrer Reinhold Stechers wird der erste priesterliche Blutzeuge wider die Nazis. Die Idee einen Menschen mit dem Kopf nach unten aufzuhängen und die Knöchel mit Lammfell umwickelt (um die Spuren der mörderischen Ketten zu vertuschen) elendiglich krepieren zu lassen – darauf muss ein Mensch erst kommen.
Neururers Leiche wurde verbrannt und seine Urne wurde am 30. Juni 1940 in Götzens bestattet. Die Todesanzeige für den seligen Pfarrer Otto Neururer, formuliert von seinem Vorgesetzten, dem seligen Carl Lampert, Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch, war der letzte Auslöser für dessen Verhaftung. In ihr war der Sterbeort erwähnt und mit den Worten …sein Ster-ben werden wir nie vergessen, sein Martyrium angedeutet.

Der mutige Prediger und Zeuge der Wahrheit Jakob Gapp

Im Nationalsozialismus sah Pater Gapp von Beginn an eine große Gefahr und beschäftigte sich intensiv mit ideologischen Fragen. Er kam zu der Erkenntnis, dass die nationalsozialistische Ideologie in keinster Weise mit dem Christentum vereinbar sei; „aber ich sagte mir, dass es meine Pflicht wäre, als Priester der katholischen Kirche die Wahrheit zu lehren und den Irrtum zu bekämpfen“, so Pater Gapp am 27. Januar 1943.
Pater Gapp, der gebürtige Wattener Marianist, predigte öffentlich gegen den Nationalsozialismus. Im Urteil des Volkgerichtshofs heißt es dazu in der Begründung: „Denn er hielt den Nationalsozialismus für einen Todfeind der Religion und der katholischen Kirche. So konnte er weder als Theologieprofessor noch als Priester in den verschiedenen Ämtern, die er innehatte, bleiben. Denn die Kinder, die ihm anvertraut waren, ihre Eltern, die Gemeindemitglieder, die er seelsorgerisch zu betreuen hatte, und die Öffentlichkeit waren mit seiner Einstellung, die er bei jeder Gelegenheit äußerte, nicht einverstanden.“
Sein Amt als Kaplan, das er in der Pfarrei Breitenwang-Reutte bekleidet hatte, musste er niederlegen und nach Wattens fliehen. Hier hielt er am 11. Dezember 1938 eine Predigt, in der er sich so eindeutig gegen den Nationalsozialismus aussprach, dass er am 21. Januar 1939 aus Österreich ausreisen musste, zunächst nach Bordeaux, dann nach Spanien. Auch hier musste er mehrfach den Wohnort und die Anstellung an verschiedenen Instituten des Ordens und bei Privatleuten wechseln.
Am 9. November 1942 wurde er von der Gestapo, die seine Spur stets weiter verfolgt hatte, mit einer List überführt und nach Frankreich verschleppt. Von dort wurde er nach Berlin gebracht, wo er neun Monate inhaftiert war. Am 2. Juli 1943 wurde Pater Gapp vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt; das Todesurteil durch Enthauptung wurde am 13. August vollstreckt. Sein Leichnam wurde dem anatomischen Institut übergeben, „unter der konfessionell gebundenen Bevölkerung würde Gapp als Märtyrer seines Glaubens gelten“, so der Chef des Reichssicherheitsdienstes, SS-Mann Johann Rattenhuber, in einem Schreiben vom 13. Juli 1943.
Vor der Hinrichtung schrieb Jakob Gapp an seine Eltern: „Heute wird das Urteil vollstreckt. Um 7 Uhr abends gehe ich zum lieben Heiland, den ich immer innig geliebt habe. … Ich werde im Himmel aller gedenken. … Alles geht vorüber, nur der Himmel nicht! Wir kommen wieder zusammen. Dann gibt es keine Trennung mehr!“ Heinrich Himmler, der den Fall Gapp persönlich verfolgt hatte, äußerte: „Wenn solche Leute wie Gapp bei der Partei wären, stünde es besser um uns.“
Pater Jakob Gapp wurde mit Pfarrer Otto Neururer am 24. November 1996 vom heiligen Johannes Paul II. seliggesprochen, der auf die bis heute wichtige Vorbildfunktion des Seligen hinwies: „Pater Jakob Gapp wird uns ein bleibendes Vorbild für das unerschrockene Zeugnis der Wahrheit sein. Sein Leben hat etwas von Johannes dem Täufer, der unerschrocken zum Tyrannen sagte: ‚Es ist dir nicht erlaubt‘ und dafür in den Tod ging.“
Am Samstag, den 26. November 2016,
um 15:30 Uhr in der Barbarakirche in Fließ:
Heilige Messe
im Gedenken an die Seligsprechung
von Pfarrer Otto Neururer und Pater Jakob Gapp im November 1996
und zu Ehren des heiligen Papstes Johannes Paul II.

Zur Teilnahme sind alle Gläubigen
von nah und fern herzlich eingeladen.
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