26.11.2016, 03:26 Uhr

Schwerter zu Pflugscharen

Gedanken zum ersten Advent

Am Ende der Tage wird es geschehen:
Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet
als höchster der Berge;
er überragt alle Hügel.
Zu ihm strömen alle Völker.
Viele Nationen machen sich auf den Weg.
Sie sagen:
Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn
und zum Haus des Gottes Jakobs.
Er zeige uns seine Wege,
auf seinen Pfaden wollen wir gehen.
Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn,
aus Jerusalem sein Wort.
Er spricht Recht im Streit der Völker,
er weist viele Nationen zurecht.
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern
und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk,
und übt nicht mehr für den Krieg.
Ihr vom Haus Jakob, kommt,
wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.
Jesaja 2,1-5
Vor über 70 Jahren segnete ein katholischer Militärgeistlicher jene Soldaten, die kurz darauf die beiden Atombomben ‚litle boy und fat boy’ auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen und hunderttausendfachen Tod über die beiden Städte brachten. Es dauerte vier Jahrzehnte bis der Priester, wenige Jahre vor seinem Tod, bekannte: „Es ist mir nie in den Sinn gekommen, öffentlich gegen die Folgen dieses Krieges zu protestieren. Keine einzige Predigt habe ich gegen den Krieg gehalten.“
Wo Reich Gottes drauf steht, muss Jesus drin sein,
sonst wäre das Reich Gottes eine Mogelpackung.
Schließlich hat Jesus gesagt: „Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen“ (Lk 6,27). Es wollte damit sagen: Nur wenn wir Gutes tun, lässt sich die Welt verwandeln. Das ist der einzige Weg zum Frieden. Auch der Blick in die Geschichte beweist es: Nie haben Kriege letztlich etwas Gutes bewirkt. Mit friedfertiger Geduld wäre auf gewaltfreiem Weg weit mehr erreicht worden und zwar mit nachhaltiger Wirkung. Es bleibt bei dieser Erfahrung ein Rätsel, warum der Krieg immer noch das letzte Mittel der Politik ist und nicht der Frieden.
Zu alledem müssen wir feststellen: In gut 1700 Jahren hat die Kirche nicht nur Kriege gefördert, weil sie von ‚gerechten’, gar ‚heiligen’ Kriegen sprach. Sie hat auch die Soldaten in diesen schrecklichen Geschehen glauben gemacht, sie übten im Krieg einen ehrbaren, christlichen Beruf aus und könnten damit Gott einen Dienst tun. Der schreckliche Aufruf für die Kreuzzüge ‚Gott will es’ hallt noch bis in unsere Gegenwart.
Ganz anders war es in den ersten 300 Jahren. Die christlichen Gemeinden verstanden sich als gewaltlos. Sogar gegen die Liquidation ihrer Mitglieder in der Zeit der römischen Herrschaft wehrten sie sich weder mit Hass noch mit Gewalt. Jesus, so sagten sie, hat Petrus entwaffnet als es bei ihm um Leben und Tod ging; er hat damit auch alle Christen entwaffnet.
Ihre einzige Sicherheit und ihr großes Vertrauen war Jesus Christus.
Ihm wollten sie in Freud wie im Leid und auf alle Fälle gewaltlos folgen.
Christsein und töten, morden,
und wäre es zur Selbstverteidigung - kam für sie nicht in Frage.
Diese grundsätzliche Einstellung machte die Frohe Botschaft Jesu vom anderen Reich Gottes groß, anziehend, einladend. Ein Grund, warum sich im 4. Jahrhundert das Christentum rasant in der damals bekannten Welt ausbreiten konnte.
Jesus Christus war für sie der Gesandte Gottes, ihm wollten sie folgen und nicht dem Mars, dem römischen Kriegsgott. Der heilige Martin, dessen Festtag wir gerade erst begangen haben ist das leuchtendste Beispiel aus dieser Zeit. Von seinem Vater dem Kriegsgott Mars (Mar-tinus) namentlich anvertraut, entwickelt sich der junge Soldat zu einem überzeugten Christen, der den Waffenrock ablegt und fortan überzeugter Pazifist ist.
Wie sieht es heute aus? Wenn auch in versteckter Form dient das Christentum immer noch als Werkzeug, um in einem fragwürdigen Missionseifer die Schrecken der Gewalt und des Krieges über Menschen zu bringen, die anders leben und anders leben wollen, als es der Westen vorgeben möchte.
Noch heute, Jahre nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak, gehören dort Blut und Tränen zum Alltag. Was wurde durch den Militäreinsatz wirklich gewonnen?
Ganz zu schweigen von den ungeheuren Kosten für die Rüstung und die Kriegsfolgen, mit denen man die ganze Menschheit sozusagen mit der linken Hand ernähren könnte.
Es ist an der Zeit, dass wir Christen uns an die alttestamentlichen Propheten halten und Schwerter zu Pflugscharen, Panzer zu Traktoren, Raketen zu Freudenfeuerwerken umrüsten.
Das bedeutet, dass wir selber zu Propheten werden müssen, die sich ohne Wenn und Aber vom Stammtisch bis in die große Politik radikal für den Frieden einsetzen.
Mit Papst Franziskus sage ich: Eine Kirche, die solcher Art in die Knie geht, zunächst ihre Schuld, ihr eigenes Versagen einzugestehen, wird mit der Botschaft des Friedens in der Welt und von den Menschen eher gehört und verstanden werden, als eine Kirche, die die Macht heiliggesprochen
und sich damit auf die Seite der Gewalt gestellt hat.
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