29.06.2017, 13:10 Uhr

Kaunertal-Langtaufers: Wegweisendes Projekt vor Entscheidung

Aktionärsversammlung der Oberländer Gletscherbahn AG am 28. Juni 2017 (Foto: Oberländer Gletscherbahn A.G.)

Vor rund einem Jahr wurde das Projekt zum Zusammenschluss der beiden Skizonen Langtaufers (ITA) und Kaunertal (AUT) bei den zuständigen Behörden eingereicht. Mehr als 26 Mio. Euro sollen in die Skiverbindung im Obervinschgau investiert werden. Im Juli 2017 möchte die Südtiroler Landesregierung eine Entscheidung treffen. Jedoch sind noch einige offene Fragen zu klären.

KAUNERTAL/GRAUN. Die Entscheidung über die Seilbahnverbindung zwischen den Skizonen Langtaufers (I) und Kaunertal (A) steht unmittelbar bevor. Realisiert werden soll der Zusammenschluss mit zwei Kabinenbahnen, die von der Talsohle in Langtaufers über eine Länge von 4.500 Metern und einer Höhe von 1.200 Metern hinauf zum Karlesjoch am Kaunertaler Gletscher führen. Die Bergstation ist auf italienischer Seite in unmittelbarer Nähe zur Karlesjoch-Bergstation des Kaunertaler Gletschers geplant. Zudem ist eine Abfahrt vom Weißseejoch nach Langtaufers vorgesehen. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf 26,38 Mio Euro.

Projektverlauf bisher

Im Februar 2016 wurde die Oberländer Gletscherbahn AG gegründet. Bisher haben 200 Aktionäre Anteile gezeichnet, der Großteil davon stammt aus Graun. 80 Prozent der Bevölkerung aus Langtaufers sind Aktionäre der Oberländer Gletscherbahn AG. Ende Mai 2016 fasste die Gemeinde Graun einen historischen Beschluss: Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit wurde das Projekt genehmigt und von der Gemeinde an die zuständigen Stellen der Landesverwaltung weitergeleitet.


Offene Fragen

Mittlerweile liegen ein negatives Umweltgutachten vom Februar 2017 und ein negatives Vorgutachten der Raumordnung vor, welches sich vorwiegend auf das negative Umweltgutachten stützt. Die Oberländer Gletscherbahn AG hat nun bis 8. Juli 2017 Zeit, zu den negativ bewerteten Punkten Stellung zu nehmen.


Zuversicht bei der Oberländer Gletscherbahn

„Wir können alle negativ bewerteten Punkte entkräften und werden dies auch mit aller Gewissenhaftigkeit tun“, erklärt Paul Jakomet, Geschäftsführer der Oberländer Gletscherbahn AG. „Uns ist es wichtig, dass in der Gesamtbewertung des Projektes alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden. So wie es im Fachplan für Aufstiegsanlagen und Skipisten vorgesehen ist, geht es darum, neben den Umweltaspekten auch die wirtschaftliche Entwicklung im Sinne der Bevölkerung vor Ort zu berücksichtigen. Und hier gibt es noch einige Fragen zu klären.“

Umwelt

Im Wesentlichen geht es bei den negativen Bewertungen um die drei Themenbereiche Umwelt, Landesplanung und Wertschöpfung. Das Umweltgutachten vom Februar 2017 und das kürzlich eingegangene Vorgutachten der Raumordnung bewerten vor allem die Skipistenvariante vom Karlesjoch durch das Melagtal negativ. Diese Variante wurde jedoch von der Oberländer Gletscherbahn AG im Dezember 2016 zurückgezogen, folglich ist nur mehr jene vom Weißseejoch nach Langtaufers vorhanden. In beiden Gutachten wird die Weißseejochvariante nur am Rande erwähnt. Die Weißseejochvariante unterscheidet sich aber wesentlich von der zurückgezogenen Karlesjochvariante und wird auch vom Umweltbeirat als eindeutig umweltschonender bewertet. Dennoch beziehen sich die wesentlichen negativen Bewertungen vor allem auf die zurückgezogene Pistenvariante.

Landesplanung

Ein weiterer Ablehnungsgrund, der im Bericht der Landesplanung dargelegt wird, sind eventuelle negative Auswirkungen auf die anderen Skigebiete im Obervinschgau. In der Machbarkeitsstudie wurde dieser Aspekt detailliert begutachtet. Aufgrund der Studie von Michael Alexander Strauß („Investitionen der Seilbahnwirtschaft“ – VDM Verlag Dr. Müller) und eines konkretes Fallbeispiels aus dem Fleimstal (Predazzo-Gardonè – Bellamonte) kann davon ausgegangen werden, dass es zu einer gegenseitigen Befruchtung der Skigebiete und somit zu einem Wachstum aller Skigebiete kommen wird. „Mit der Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal schaffen wir ein einzigartiges Angebot, von dem der gesamte Obervinschgau profitieren wird“, so Jakomet. „Insbesondere durch die bessere Auslastung der Betriebe in der Vor- und der Nachsaison besteht durch den Gletscheranschluss für die bestehenden Winterskigebiete die Möglichkeit der Saison-Verlängerung.“
Zur Analyse dieses Aspektes und weiterer wirtschaftlicher Aspekte wurde der international anerkannte Seilbahnexperte Roland Zegg beauftragt, ein entsprechendes Gutachten zu erstellen. „Roland Zegg kennt die Situation vor Ort, da er bereits im Jahre 1999 ein Gutachten im Auftrag der Gemeinde erstellt hat. Dieses Gutachten wird auch im Vorbericht des Amtes für Landesplanung erwähnt.“


Wertschöpfung

Wenig Raum haben im Vorgutachten die Bereiche Wertschöpfungssteigerung und sozio-ökonomische Auswirkungen erhalten. Bei der Gemeinde Graun i.V. handelt es sich um eine der strukturschwächsten Gemeinden in Südtirol. Das Langtauferer Tal im Besonderen ist sehr stark von Abwanderung betroffen. Umso wichtiger ist es, dass neben den Umweltaspekten vor allem auch die Interessen der örtlichen Bevölkerung berücksichtigt werden“, erklärt Jakomet. „Der gesamte Obervinschgau lebt von Tourismus. Im Zusammenhang mit der Wertschöpfungsteigerung ist dieses Projekt wirtschaftlich absolut sinnvoll.“


Gespräch mit Landesregierung

Bis zum 8. Juli 2017 wird die Oberländer Gletscherbahn die im Umweltgutachten und Vorgutachten zur Raumordnung negativ bewerteten Punkte Stellung nehmen und weitere Unterlagen nachreichen. Zudem wurde, wie es im Genehmigungsverfahren vorgesehen ist, ein persönliches Gespräch mit den Entscheidungsträgern beantragt, um die offenen Themen zu klären. Nach aktuellem Stand ist mit einer Entscheidung über das Projekt noch im Juli zu rechnen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.