„Die Wildente“ oder wie sich eine Familie zerstört

Es geht nichts mehr: Stiegensteigen im Familien-Chaos
  • Es geht nichts mehr: Stiegensteigen im Familien-Chaos
  • Foto: Astrid Knie
  • hochgeladen von Reinhard Hübl

Trepp auf, Trepp ab (Bühnenbild: Raimund Orfeo Voigt), das ist der erste, was man wahrnimmt. Das Stück „Die Wildente“ von Henrik Ibsen, wird in der Josefstadt von einem ursprünglichen Fünfakter auf 80 Minuten zusammen gestrichen. Verantwortlich dafür ist Regisseurin Mateja Koleznik.
Extrem verdichtet wird der Wahnsinn der Familie Ekdals sichtbar. Im freudlosen Stiegenhaus spielt sich ein Sozial- und Psychodrama ab, das Beklemmung auslöst. Der alte Ekdal (Siegfried Walther), Teilhaber einer Firma, wurde in den Ruin getrieben. Er lebt im Dachfirst, umgeben von einer Wildente, die der Großhändler Werle bei der Jagd schlecht getroffen hat. Doch, es treibt ihn immer wieder auf die Treppen, unruhig, verdrießlich, düster. Am Leben der vertrocknende Familie will er teilhaben, wenn er auch nicht alles versteht, was sich um ihn abspielt. Fakt ist: Die einst mal Reichen sind verarmt. Gina Edkal (Gerti Drassel) ist frauenklassisch für Haushalt zuständig, putzt und putzt, die Stiegen müssen schon durchgewetzt sein, vom ständigen reinigen. Sie ist eine stumme Dulderin, mit ein paar abgehakten Sätzen reift sie dennoch ins dramatischen Geschehen bedeutungslos ein. Ihr Schrei ist lautlos.

Der Sohn des alten Ektal, Hjalmar, geriert sich als Fotograf, der von einen Erfindung spricht, die aber nie fertig werden wird. Dadurch hätte er sich einen regen Geldzufluss erhofft. Es ist alles Chimäre. Der Loser ist ein hoffnungsloser Blender, der nicht ist, was er zu scheinen glaubt. Die Tochter, Hedvig (Maresi Riegners), taumelt zwischen der immer schlimmer werdenden Situation. Mal ist altklug, mal kindlich, hängt an den Lippen des vermeintlichen Vater. Ein Radio hilft ihr im Chaos der Verständnislosigkeit.

Als der junge Gregers Werle (Raphael von Bargen) sich bei den Ektals einmietet, was nicht auf Zustimmung aller stößt, beginnt ein neuer Reigen von Dissonanzen ohne Klarsicht. Er will der Familie, die durch seinen Vater, dem Großhändler, ins Verderben geführt hat, unter die Arme greifen und endlich klarstellen, wer der wirkliche Vater von Hedvig ist. Die Kleinwelt bricht endgültig zusammen. Die lahme Wildente ist Symbol für eine entmenschlichte Mottenkiste ohne Lichtblick auf Verbesserung.

Ein Top-Ensemble spielt das Stück Henrik grandios. Der Zuseher kann nur dem atemlos zu schauen und vielleicht Lehren daraus ziehen. Wobei es schon hilfreich wäre, Frieden in den eigenen Wänden zu halten.

Next „Die Wildente“: 23.6.2017

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Ab sofort unterstützt das Theater in der Josefstadt & Kammerspiele den Hunger auf Kunst & Kultur von Menschen, die die Vorstellungen besuchen möchten, es sich aber nicht leisten können. Bedingungen sind im Theater ersichtlich.

Infos und Tickets: www.josefstadt.org

Reinhard Hübl

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