Der „Lehrling“ trifft auf seinen Meister

Lenny bei der Probenarbeit

Zu lange war ich nicht mehr bei einem Konzert des Tonkünstler Orchesters Niederösterreich. Diese Woche war es wieder so weit. Im Musikverein. Sie sind alle da: Die junge, immer freundliche Paukistin, der Blondschopf, diesmal am Schlagzeug, und der von mir sehr geschätzte professionelle Konzertmeister.

Es ist ein Wohlfühlkonzert mit amerikanischem Flair: Es nennt sich „Bernstein & Friends“. Der Dirigent des Abends ist Yutaka Sado - ein „Lehrling“ von Leonard Bernstein. Das müsste er ja hinbringen. Tut er auch. George Gershwins „A Symphonic Picture“ aus der Oper „Porgy and Bess“ ist ein gelungener Start. Flott, die Tempi gut nuanciert. Das Orchester fühlt sich vom ersten Moment an wohl im Sound der 30-er Jahre. Gershwin kommt auch mit „Rhapsody in Blue“ und „An American in Paris“ zu Wort. Für mich ist Letzteres ein wenig zu grob gespielt. Dennoch: Dem Publikum gefällt es, und das Publikum hat immer Recht.

Die Rhapsody in Blue wird durch den Pianisten Wayne Marshall veredelt. Der schwarze Brite ist im Kosmos der Virtualität angesiedelt. Mit seinen Schlägen in die Tasten setzt er sich ein Denkmal im Musikverein. Das Orchester antwortet mit freudiger Harmonie - eine Meisterleistung.

Lenny setzt den Schlusspunkt mit „Symphonische Tänze“ aus dem Musical „West Side Story“. Ich verlasse bald meinen Platz, will mitsingen und laufe bis zur Rampe, um dem Orchester ganz nahe zu sein. Es geht noch einmal bis an die Grenzen und spielt unter anderem „Somewhere“, „Mambo“ und „Cha-Cha“ mit einer unfassbaren Leidenschaft.

Meine ganz besondere Anerkennung verdienen die Holz- und Blechbläser sowie die Schlagwerker. Sie halten das restliche Orchesters auf Trab. Ein Swingen im Jazz-Gerassel. Weniger gut gefällt mir, dass die Pianistin ständig vom Ruhe- zum Konzertsessel wechselt. Die Einheit des Orchesters ist damit erheblich gestört. Aber insgesamt ein Abend, den man in Freude genießen kann.

Noch wichtige Hinweise:

Am 9. und 10. 12. finden in Grafenegg Weihnachtskonzerte statt, die auch den Eintritt zum Grafenegger Advent beinhalten. Alles um 20 % günstiger, wenn man mit der Vorteils-Card bucht.

Next Tonkünstler: Antonín Dvorák, Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104 und Carl Nielsen Symphonie Nr. 3 op. 27 «Sinfonia espansiva» am 26.11. im Musikverein.

www.musikverein.at
www.tickets@tonkünstler.at
www.grafenegg.com

Reinhard Hübl

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