Te Deum für einen Toten

Adam Plachetka: Ein mächtiger Bassbariton
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Es ist der 11.07.2006. Ich liege im Spital in einer schwierigen Krebsphase. Man gibt mir nicht mehr viel Zeit. Da stirbt mein Freund, der Wiener Bischofsvikar Anton Berger. Jeden Sonntag hat er mich besucht. Vor „seinem“ Dom stirbt er den plötzlichen Herztod. Es ist eine zusätzliche Belastung für mich. Dem Requiem kann ich nicht beiwohnen. Er glaubte an die Auferstehung. Darum widme ich ihm das Te Deum von Antonín Dvořák.

Wir sind im Wiener Konzerthaus. Die Wiener Symphoniker, die Wiener Singakademie, Simona Šaturová, Sopran, und Adam Plachetka, Bassbariton, singen und spielen Dvořák unter Maestro Tomáš Netopil. Plachetka hat eine mächtige Stimme und der Chor ist gut eingestimmt. Gerade bei diesem Stück zeigt sich, dass der im Konzerthaus debütierende Dirigent ein Stürmer, aber kein Hitzkopf ist.

Die Widmung für das Te Deum op. 103 war 1892 eine andere. Der böhmische Komponist Antonín Dvořák bekam in New York anlässlich der 400-Jahr-Feier von Christoph Kolumbus' Entdeckung Amerikas einen Kompositions-auftrag. Noch dazu erhielt er eine Einladung, für zwei Jahre die Leitung des National Conservatory of Music zu übernehmen. Da Dvořák ohnehin nicht auf die finanzielle Butterseite gefallen war, nahm er den Auftrag an.

Im Programm des Musikabends steht noch Johannes Brahms Ouverture op. 81. Sie wird auch „Die Tragische“ genannt. Brahms war ein Mentor von Dvořák – eine glückliche Programmierung. Die Ouverture ist so anders als z.B. seine 3. und 4. Symphonie. Nach dem Konzert fahre ich nach Hause und hole mir die Bestätigung meiner Sichtweise. Die CD der Tonkünstler hilft mir dabei. Ich gestehe, dem Werk etwas ratlos dem Werk gegenüber zu stehen und entsage mir daher jegliche Beurteilung.

Erfrischend, dennoch verhalten, beginnt Dvořáks 6. Symphonie. Sie ist dem österreich-ungarischen Kapellmeister Hans (János) Richter gewidmet, der Dvořák dazu angeregt hat und zu seiner Zeit das Maß aller Dinge war. Es ist ein Werk, dessen Wurzeln seine böhmisch-mährische Herkunft deutlich widerspielt. Dem einem zu nationalistisch, dem anderen zu wenig. Tänze, Volksmusik, hymnischer Abschluss – Dvořák ist im Konzerthaus in guten Händen.

Die Wiener Symphoniker bereiten den künstlerischen Emotionen des Komponisten ein Spektrum satter Klangfarben. Dem Publikum gefällt es, wenn auch erst zum Schluss nachhaltiger Applaus einsetzt.

Next: 24.10.2017, Wiener Symphoniker, Julian Rachlin/Violine, François-Xavier Roth/ Dirigent

Programm:
Johannes Brahms - Violinkonzert D-Dur op. 77
Johannes Maria Staud - Stromab (EA)
Robert Schumann – Symphonie Nr. 2 C-Dur op.61

Infos und Tickets: www.konzerthaus.at

Reinhard Hübl

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Anton Berger: ihm widme das Te Deum

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