Konzerthaus
Wenn es gut werden muss

Lorenzo Viotti: Nachwuchs-Dirigent mit hohem Potenzial
  • Lorenzo Viotti: Nachwuchs-Dirigent mit hohem Potenzial
  • Foto: Der Standard
  • hochgeladen von Reinhard Hübl

Drei Neuheiten für mich: Schumann noch nie in einem Konzert gehört; Lorenzo Viotti und Yuja Wang erst jetzt kennengelernt. Wahrlich ein Skandal.

Im Wiener Konzerthaus wurde ich aufgeklärt, und zwar mit einem ansteckenden Lächeln. Robert Schumanns „Klavierkonzert in a-moll“ beginnt mit einem kräftigen Forteschlag. Yuja Wang macht ihn und spielt traumwandlerisch, mit Empathie, Verve und Innigkeit den Klavierpart, der ihr zugewiesen ist. Es ist ein schönes Wechselspiel mit den Wiener Symphonikern. Der 28-jährige Maestro ist kein Akrobat am Dirigentenpult. Ruhig führt er mit dem Stab das Orchester. Noch deutlicher kommt das im zweiten Werk bei Dmirti Schostakowitschs zehnter Symphonie zum Ausdruck. Mal klingt es martialisch, mal mit leiser Sinnlichkeit, mal berührend – Eleganz ohne Schnörkeln. Es ist die Ausgewogenheit zwischen den Instrumentengruppen, die diese Aufführung prägt.

Lorenzo Viotti stammt aus einer Musikerfamilie - man erinnert sich mit großer Hochachtung an seinen Vater. Schon früh interessierte sich Lorenzo Viotti für Klavier, Gesang und Schlagzeug. Als Perkussionist spielte er einige Zeit in mehreren Orchestern, unter anderem bei den Wiener Philharmonikern, eher er sich als Dirigent ausbilden lässt. In dieser Funktion tritt er u.a. bei der Salzburger Festspielen auf. Philipp Jordan weiß, wen er an das Pult seiner Symphoniker treten lässt. Es mag eine zufällige Fügung sein: beide sind Schweizer. Man braucht sich keine Sorgen über den Dirigentennachwuchs machen (S. Zobl, Kurier).

Anhaltender Jubel des Publikums ehrt die Werke und die Protagonisten. Auch Juan Diego Flórez, der dem ersten Teil des Konzertes folgt, war von der Leistung sichtlich angetan. Lorenzo Viotti muss noch eines lernen: den Erfolg zu genießen.

Abseits des Spielbetriebs muss das Konzerthaus für den liebevollen Umgang mit Behinderten gelobt werden. Es ist außergewöhnlich, dass eine Blinde mit ihrem Hund das Konzert erleben darf. Und noch etwas ist mir aufgefallen. Es gibt einen vermutlich einsamen Mann, der jedes Mal, wenn ich im Konzerthaus bin, auch da ist. Er könnte ein ausgemusterter Musiker sein, der vielleicht nicht loslassen kann oder will. Ich nenne ihn das Faktotum des Konzerthauses.

Demnächst: »Berlioz: La damnation de Faust am 15.2.19.

Infos und Tickets: www.konzerthaus.at

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen