Eurogate auf der Landstraße
Grünflächen contra Aufheizung

Genetiker Johannes Söllner übergab Bezirkschef Erich Hohenberger und Gemeinderätin Patricia Anderle die Petition für das Supergrätzel. Aber auch eine Holunderstaude: "Holunder hat im Volksglauben den Ruf, gegen böse Geister und anderes Ungemach zu schützen", so Söllner, "wir fanden das wäre ein gutes symbolisches Geschenk für den Bezirksvorsteher."
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  • Genetiker Johannes Söllner übergab Bezirkschef Erich Hohenberger und Gemeinderätin Patricia Anderle die Petition für das Supergrätzel. Aber auch eine Holunderstaude: "Holunder hat im Volksglauben den Ruf, gegen böse Geister und anderes Ungemach zu schützen", so Söllner, "wir fanden das wäre ein gutes symbolisches Geschenk für den Bezirksvorsteher."
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Am Eurogate wird in den nächsten Jahren viel gebaut. Anrainer befürchten dort einen neuen Hitze-Hotspot.

WIEN/LANDSTRASSE. Rund um das Eurogate, die ehemaligen Aspanggründe, wird gebaut: Damit das geplante Wohnviertel "Village im Dritten" gut mit dem Rad erreicht werden kann, wurde entlang der Bahntrasse mit dem Bau eines Radwegs begonnen. "Dazu wird die Otto-Preminger-Straße verkehrsberuhigt und fahrradfreundlich. Für Fußgänger bauen wir breite Gehsteige und pflanzen 20 Bäume zwecks Abkühlung und Klimaschutz", freut sich Bezirkschef Erich Hohenberger (SPÖ).

Klimaschutz, den sich Anrainer und Genetiker Johannes Söllner nicht nur rundherum, sondern auch im rund 22 Hektar großen Eurogate zwischen Rennweg und Gürtel wünscht: Gemeinsam mit anderen Bewohnern hat er die Petition "Zukunftssicher, gesund, urban und leistbar leben" eingebracht, die nun erfolgreich zu Ende ging.

"Die Anrainer haben sie noch in guter Erinnerung: die riesige Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die Jung und Alt begeistern konnte. Am Gelände des 1977 aufgelassenen Aspangbahnhofs hatte sich seit damals eine kleine Stadtwildnis etabliert. Ein Rückbau der sonst Millionen Euro gekostet hätte, passierte in einigen Jahrzenten der Unberührtheit ganz von selbst", weiß Söllner. "Zu beobachten gab es Waldohreulen, Feldhamster, Füchse, Turmfalken, Neuntöter, Zauneidechsen, Fledermäuse in Baumhöhlen, diverse Wildbienen und Wespen, Österreichische Königskerze und mehr, mitten bei uns in der Stadt!" sagt Söllner, der beruflich Genetiker ist.

Genetiker Johannes Söllner sammelte mit vielen Anrainern Unterschrifte, damit sich das Eurogate mit Fassadenbegrünungen und Grünflächen nicht so stark aufheizt.
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Die Petition wurde von 539 Wienern unterschrieben, davon 437 aus Wien Landstraße, 60 Prozent (262) deklarierten sich als unmittelbar selber betroffen. Hunderte Kommentare, speziell zum Bedarf nach Grünraum, weniger Versiegelung und klimabewusstem Bau wurden abgegeben. "Wenn man betrachtet, wie viele Einwohner das Eurogate derzeit überhaupt hat und wie viele davon über 18 Jahre alt sind, lässt sich von einem enormen Problembewusstsein der Anrainer ausgehen", so Söllner. "Angeregt durch diese Unterstützung, haben sich sich Herr Bezirksvorsteher Erich Hohenberger und Frau Landtagsabgeordnete Patricia Anderle erfolgreich dafür eingesetzt, einen Teil des Altbaumbestandes zu erhalten und einen Teil der wilden Grünstreifen ebenso."

Überhitzung am Eurogate?

"Eurogate zählt schon jetzt zu den vier am meisten von Überhitzung betroffenen Gebieten Wiens", so der Wissenschafter, "Versiegeln von Grünflächen und zusätzliche Gebäude werden die Aufheizung verstärken. Statt eines Hitze-Hotspots mit bis zu acht Grad Erwärmung bis 2050 fordern wir ein Supergrätzel mit maximal acht Stockwerken, Fassadenbegrünung und breiten Grünflächen."

Geplant ist freilich ganz anderes: Entgegen den ursprünglichen Plänen (den ersten 2011 eingezogenen Bewohnern wurde erzählt, dass es im Endausbau insgesamt 1.600 Wohnungen geben soll) werden demnächst 2.000 neue Wohnungen errichtet – allein im "Village im Dritten".

Elf Geschoße, 35 Meter hoch

Die Wohnblocks werden 35 Meter und elf Stockwerke hoch, im Vergleich zu den früheren Plänen wurde deutlich verdichtet. "Es hat sich insgesamt viel verändert", kommentiert Hans-Peter Weiss von der ARE, einer Tochterfirma der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die 60 Prozent der Wohnungen frei finanziert.

Die Umweltanwaltschaft empfahl zwar Gebäudebegrünungen – vorgeschrieben sind diese aber nur für einen Teil der restlichen 40 Prozent, die als sozialer Wohnbau gefördert sind: "Die Interpretation von ‚Fassadenbegrünung‘ ist allerdings recht subjektiv", so Söllner, "die Wiener Umweltanwaltschaft ist zwar offensichtlich bemüht und es wurden Fassaden- und Dachbegrünungen empfohlen und auch erstmals für einen Teil der wohnbaugeförderten Baufelder verpflichtend vorgeschrieben.“ Anders formuliert: für den größeren Teil wird die Fassadenbegrünung lediglich empfohlen und nur für den Anteil, welcher wohnbaugefördert wird, gibt es Verpflichtungen.

Leistbares Wohnen und klimafreundliches Bauen vs. Gewinn?

„Die BIG gehört dem Staat, also allen Bürgern. Daher hat sie den Auftrag zu leistbarem Wohnen, 40 Prozent sind da reichlich wenig", so Söllner, "Gewinn steht bei der BIG allerdings im Mittelpunkt. Finanzieller Erfolg wird an den Staat als Dividende ausgeschüttet, und hat generell die Eigentümerinteressen, also des Bundes, also eigentlich aller österreichischen Bürger, wahrzunehmen."

Wissenschafter Söllner erklärt, "dass der Klimawandel zu hohen gesamtgesellschaftlichen Kosten führen wird: höhere Gesundheitskosten für Ältere und Kinder, höhere Sterblichkeit. Und es tut sich die Frage auf, wie man gesellschaftlichen Zusammenhalt erreichen kann, wenn alle, die es sich leisten können, die heißen Regionen der Stadt verlassen."

Denn: "Ohne Supergrätzel kommt es durch die Aufheizung zu Wertverlust: nicht nur durch Energiekosten für Klimaanlagen, sondern auch durch höhere Gesundheitskosten und unzumutbares Homeoffice", so Söllner, "wer zahlt das alles? Die BIG sollte als Staatsbetrieb für das Gemeinwohl sorgen, erzeugt durch die Aufheizung aber gesamtgesellschaftlichen Schaden."

Wer zahlt die Klimakosten?

Söllner meint, dass "die sehr realen, unmittelbaren Kosten im Gesundheitssystem, Energiekosten durch Kühlung durch nachgerüstete Klimaanlagen, Reduktion der schulischen Leistungen, unzumutbares Homeoffice aber wohl gesamtgesellschaftlich getragen oder an die Mieter privatisiert werden."

Söllner: "Das 'Village im Dritten'  - die BIG ist auch Eigentümerin vieler Uni-Einrichtungen ist - sollte sich als technisch-gesellschaftliches Testprojekt dazu eignen, um neue ökologisierende und bautechnische Methoden anzuwenden und laufend weiter zu optimieren und die Stadtökosysteme laufend zu erheben und zu erforschen." Er betont die Bedeutung vertikaler Ökosysteme, also die Vielfalt an Insekten und Vögeln. Solche Technologien zu entwickeln, liegt an den dazu geförderten Hochschulen, das Village im Dritten als sogenantes (verkehrsberuhigtes) Super-Grätzel.

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