Tanz in der Krisenzeit. Die Weltordnung der Tanzkunst und der Spitzenmanufaktur
inTalk mit kroatische Choreographin Maša Kolar: "čipka”- Kulturerbe im Zeitgeist

Tanzproduktion "Čipka" Fotographien : Fanni Tutek Hajnal
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Anleitend zum "Weltordnung nach einer Spitzenbesatzmanufaktur"

Tanzkunst in all ihrer Varietät wurde als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes unter dem Banner des immateriellen Kulturerbes anerkannt. Diverse Tanzstiele, Traditionen, Fähigkeiten sowie materielle Elemente, die mit diesen Praktiken und Menschen verbunden sind, wurden dabei berücksichtigt.
Die Initiative der UNESCO verbindet die traditionelle nationale Kultur und das Erbe als gemeinsamen Wert, im globalen Kontext. Ein solcher Ansatz kann die Grenzen zwischen Menschen, Praktiken und Ländern verschieben und die Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Vertrauensbildung und Verständnis erweitern. Hierzu bietet die Tanzkunst ein breites Spektrum an Vermittlungsformen.

Auf nationaler Ebene kann das immaterielle Kulturerbe das Zugehörigkeitsgefühl zwischen den Menschen und ihrem Heimatland stärken. Darüber hinaus kann die Anerkennung durch die UNESCO die Interessen der neuen Generation für ihre Traditionen und ihr Erbe wecken, um mehr darüber zu erfahren, Inspiration zu erhalten und Ressourcen für neue Kreationen und Innovationen zu schaffen, die Vergangenheit mit zukünftigen Perspektiven zu verbinden, ihre Lebensqualität und ihren Fortschritt zu verbessern, indem sie von ihren Vorfahren lernen.

Weit über nationalen, bzw. geo-politischen Grenzen hinaus, wurde die Wirksamkeit der Tanzkunst im Bereich internationaler Beziehungen erkannt und als Form von Kulturdiplomatie, zur Aufbau von Begegnungsräumen und Beziehungen mittels universeller Sprache in vielfältiger Expressionsformen, angewendet.

Tanzausbildung und -praxis umfassen die ganzheitliche Bildung-und Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Technisches Können gehört zum Teilkompetenz der Tanzkunstschaffenden, während die Konzentrations-und Kommunikationsfähigkeiten, Teamarbeit, sowie die Kenntnisse im Bereich der (Tanz)Kunstgeschichte, Medienpräsenz, Ernährungswissenschaften, Tanzmedizin, u.a. zum wesentlichen Bestandteil der lebenslange Lernpraxis gehören. Darüber hinaus trägt die Tanzbildung und -praxis dazu bei, das individuelle Selbstwertgefühl und die allgemeine persönliche Integrität (physisch-gedanklich-spirituell) gestärkt wird, und die Fähigkeiten wie (Selbst-) Disziplin, Selbstvertrauen, Selbstführung, gefördert werden. Tanz auf Gemeinschaftsebene kann Menschen zusammenbringen und gleichzeitig Respekt, Toleranz und Zusammenarbeit fördern.

Im Rahmen der Initiative ArtImpact2030 des internationalen Kulturvereins ACD-Agentur für Kulturdiplomatie wurden zahlreiche Projekte gestartet, in welchen auch die Tanzkunst- und- Kulturschaffende in ihre Praxis die nachhaltigen Entwicklung thematisieren und mit ihren innovativen und kreativen Methoden im Feld der Kulturdiplomatie zum interkulturellen Wissenstransfer und zur Förderung von sektorenübergreifenden Partnerschaften auf der regionaler und auf internationaler Ebene, engagiert sind.

Wie kann die Tanzkunstproduktion zu aktuellen globalen Diskursen zur nachhaltigen Bildung und Entwicklung in aktueller Krisenzeitbeitragen und welche Hindernisse, bzw. welche Möglichkeiten sind gegenwärtig dazu vorhanden?

Im Gespräch mit Maša Kolar, Ballettdirektorin am kroatischer Nationaltheater Ivan pl. Zajc in Rijeka und die Choreographin der Ballettaufführung „Čipka“ zur Musik von Tena Novak, wurden die Verbindungen zwischen Tanzkunst als Form kultureller Diplomatie zur Vermitltung des traditionellen Kulturerbes der Spitzenmanufaktur, näher erforscht. Aus ihrem Tanz-ouvre, teilt die Künstlerin auch ihre Gedanken zur Tanzkunst in der Krisenzeit und nachhaltige Entwicklung.

Maša, wie relevant ist Tradition heutzutage, insbesondere in Ihrer Arbeit als Choreografin im Bereich der zeitgenössischen Tanzkunst? Wie erklären Sie Ihre persönliche und berufliche Beziehung zum traditionellen kroatischen Erbe?

Wir leben in der Zeit mit extrem schneller wissenschaftlicher, technologischer, wirtschaftlicher, aber auch kultureller und künstlerischer Entwicklung, mit dem unvermeidlichen Einfluss auf Innovation, Authentizität und Originalität, sodass die Suche nach neuen Themen heute eine äußerst anspruchsvolle, fast unmögliche Aufgabe geworden ist. So scheint es mir sehr nützlich, von unserer bestehenden Tradition und unserem kulturellen Erbe, mich choreographisch inspirieren zu lassen.
Während der Arbeit an der Tanzproduktion „Čipka“ folgte ich vor allem der Frage darüber nach, wie ich das kroatische Kulturerbe in die Sprache des Tanzes übersetzen konnte und welche neuen Erkenntnisse ich in meiner Tätigkeit als Künstlerin und als Choreographin mit einem solchen Transkriptionsversuch erwerben kann. Die Thematik des nationalen Kulturerbes bedeutet auch eine andere Herangehensweise an das eigene Arbeitsfeld. mit der Beziehnung „andere“ meinte ich  den neuen Zugang zum Denken und Schaffen von choreografischer Struktur, Tanzbewegung, musikalischer Komposition und szenographischer Designlösungen, sodass eine neue Tanzform entsteht und eine neue, extrahierte, extraterritorialisierte und hybride Version des kulturellen Erbes präsentiert wird. Die Tanzproduktion „Čipka“ eröffnet neue Perspektiven und Zugänge zum künstlerischen Schaffen für Kunstschaffende sowie für das Publikum und stärkt persönliche Beziehungen zu unserem traditionellen Erbe. Aus diesen Gründen habe ich mich entschlossen, neben dem bereits weltweit bekannten Phänomen der Pag-Spitze und einigen anderen, unbekannten oder weniger bekannten Spitzenelementen, auf unser kulturelles Erbe zurückzugreifen und an das künstlerischer Wert darin anzuknüpfen.

Wie haben Sie die Tradition der Spitzen- und Spitzenherstellung erforscht?
Welche Informationsquellen haben sie dazu genützt und
was war für Sie in Ihrer Forschung am interessantesten?

Meine Annäherung an die „Čipka“ als Kunstwerk und als Manufaktur, sowie die Forschung über dieses Phänomen, wurde mit dem Gedanken unternommen, aus der Schatztruhe der Tradition zu schöpfen und dabei das Konzept der Spitze, welches in seiner ethnografischen, kulturellen und allgemein sehr traditionellen Form thematisiert ist, zu modernisieren und zu abstrahieren. Unter diesem Gesichtspunkt startete ich meine Forschung. Zunächst besuchte ich das ethnografische Museum in Zagreb und das Spitzenmuseum auf der Insel Pag. Weiteres, habe ich die Informationen über die Produktion und Geschichte von „Čipka“ in Kroatien aus diversen Studienarbeiten bei meinen Recherchen angewendet, wie die von Vjera Bonifačič und Nerina Echel. Auch kritische Ansichten zu den Themen des kulturellen Erbes der Autoren Rodney Harrison und Fiona Macmillan habe ich in meinen Recherchen berücksichtigt, um somit zu einem breiteren Denkspektrum in dieser Thematik zu gelangen.

Was mich bei meiner Forschung über die Spitzenmanufaktur zur tiefst beeindruckte war die Erkennung von Zusammenhängen zwischen Subjekt und Objekt, die in dieser Tradition eins sind und durch den Schöpfungsakt untrennbar miteinander verwoben werden: Frauen, die jahrhundertelang durch sorgfältige Selbstdisziplin und Hingabe diese anspruchsvolle Techniken beherrschten und die Spitzen-Handwerk zum Kunstwerk erarbeiteten.

Welche Verbindungen finden Sie zwischen Spitzenmanufaktur und der Tanzchoreographie?

Pag-Spitze und andere Spitzen als Dekoration und Kunstwerk sind ein weltweit bekanntes Phänomen des kroatischen Kulturerbes, während die Spitzenmanufaktur ein wenig bekanntes Element des kroatischen immateriellen Kulturerbes ist. Das Spitzen-Werk ist ein erschöpfendes, körperlich mühsames Werk, sowie die Tanzpraxis. Weitere Aspekte des Spitzenhandwerks wie der Fokus, Wiederholbarkeit, Langlebigkeit und akribisches Engagement, gehören zu wesentlichen Aspekten in der Arbeit eines Tanzensembles.
Die „Er-Schöpfung“ als Gemeinschaftserlebnis wurde als emotional-soziales Leitmotiv bei der Kreation von Tanzproduktion genommen: die intensive psycho-physische Herausforderungen, welchen die Tanzschaffenden sowohl individuell, als auch als Gruppe beim Training und bei der Entwicklung von Tanzproduktion täglich begegnen, wurden mit der Spitzenmanufaktur konnotiert und in einer „Körper-Raum-Grammatik“ übertragen. In der Kreisformation wurden die Proben mit allen, an der „Čipka“- Produktion beteiligten, abgehalten.

Im „kolo“ (traditionelle, Folks- Kreistanzformation) wurden die Variationen von Rhythmus- und Tanzmotiven erprobt, wodurch die Er-Schöpfung als Gemeinschaftserlebnis gestärkt wurde. In “kolo“-Kreisform“ schwingt alles mit: die Einzelnen werden mit-getragen, alles Tanzt und webt, ohne Unterbrechung, bis zum letzten Schritt und Ton. Die Energie wird dabei er-schöpft und zugleich gemeinsam aufgeladen. Die er-schöpfung schildern sie hierzu  in doppel-deutiger Wirksamkeit.

Was kann die Menschen dazu bewegen, solche Energien bewusst frei zu lassen, bzw. welche Gründe und Hintergrunde finden sie dazu in der Geschichte der Spitzenmanufaktur?

Folgendes Zitat von „Spitzen-Frauen“ drückt einige wesentliche Elemente aus,
auf welchen wir die Choreografie „Čipka“ aufgebaut haben, wie die Zusammengehörigkeit, Armut, Müdigkeit, Kreativität:

Zit.: „Nach einem Arbeitstag im Haus oder am Feld, versammelten wir uns nachts, um Lampenöl zu sparen. Wir haben die Spitze bis spät in die Nacht bearbeitet, bevor wir sie am nächsten frühen Morgen in den Laden brachten, um sie gegen Essen einzutauschen.“

Die meisten Mitglieder unserer homogenen Rijeka-Ballettgemeinschaft sind ausländische Staatsbürger und bleiben in Rijeka wegen Tanz, Karriere und wegen ihrem kreativen Eifer. Der Tanz verbindet Menschen über allen Differenzen und Grenzen hinaus. Die Hingabe, mit welche diese künstlerische Praxis ausgeführt wird, sowie die Bereitschaft der Tanzkunstschaffenden, sich täglich den anspruchsvollen Anforderungen zu stellen und mit extremen körperlichen und auch mentalen Anstrengungen ihren Werk auszuüben, kann fast als einer Form der Berufung verstanden werden. Der Verzicht gehört zum Alltag, sowie die Trainingspraxis.

Eine sakrale form der Lebenspraxi konnte man sagen, denn das Tanzen als Ausdrucksform, wurzelt im sakralen, rituellen Lebensbereich.

Wie ist die „Čipka“-Produktion in Bezug auf die Formationen, Hauptmotive
und Segmente zusammengesetzt?

Diese Ballettproduktion besteht aus drei Teilen, die jeweils von einer unterschiedlichen Infragestellung der Elemente der Spitzenkunst und ihrer Übersetzung in ein anderes Tanzmedium inspiriert sind. Er-Schöpfung als gemeinschaftliches Erlebnis war das Thema des vorletzten Teils, den wir die Dritte Spitze nannten. Die Segmente der „Čipka“-Produktion wurden mit Ordinalzahlen betitelt, wodurch eine “hierarchische Ordnung“ auf der Ebene der Spitzen-Entstehung im Prozess der Tanzproduktion übertragen wurde. Im ersten Teil, der Ersten Spitze, ließen wir uns von der Idee einer Spitzenschablone inspirieren. Eine solche Vorlage dient einerseits als Netzwerk räumlicher Richtungen, in denen sich die Tänzer bewegen, andererseits wirkt diese Vorlage zwischen DarstellerInnen als interaktive Begegnung-und Beziehungsfläche. Die Struktur mit dem Zentrum, aus dem “alles entspringt“, schafft eine hierarchische zwischenmenschliche Ordnung. Ausgangspunkt für die Zweite Spitze war Reticella, ein sehr bekanntes geometrisches Motiv, das sowohl bei der Spitzenmanufaktur an der kroatischen Küste als auch in ganz Europa verbreitet ist. Seine charakteristische quadratische Form diente uns als räumliche Struktur, in der Tänzer durch Transposition und Rotation ihren Platz wechseln. Diese einfache Struktur stellt eine horizontale Beziehung zwischen den Darstellern her und gleicht sie an Bedeutung aus, aber es gibt auch ein Spiel der Gleichberechtigten im Kampf um ihre eigene Position, in der wie bei einem Wettbewerb, die Gegner aus dem Raum geworfen werden. Hierzu wurde mit der Spitzenmanufaktur als Überlebenskunst konnotiert: das “Auswerfen von Gegnern aus dem Raum“ wurde als Akt der Selbstbeherrschung dargelegt, indem die DarstellerInnen wie die Spitzenwerkerinnen ihre Schwäche-Anfälle, wie die Müdigkeit, Hunger, Erschöpfung, gemeinsam besiegten und selbstmotiviert, mit Hingabe zum Werk, weiter tun.

Tanz als nonverbale Sprach- und Kommunikationsform betrachtet,
hat das eigene Vokabular und die „Grammatik“.
Wie ist die Tanzsprache in der „Čipka“- Produktion grammatikalisch geordnet, bzw. welche Konnotationen bestehen zwischen Spitzen- und Tanzmanufaktur, betreffend der Verarbeitung, Struktur und Ihre nspiration?

Ich habe die “Spitze“ und die Spitzenmanufaktur als Thematik für mein Tanzproduktion nicht zufällig gewählt. Diese Manufaktur ist eines der Hauptmerkmale des immateriellen Kulturerbes Kroatiens und wird in der Gegenwart soweit lebendig erhalten, solange ihr Wert im Bewusstsein von alter und neuer Generationen verankert bleibt. Somit hoffe ich, dass ich mit meiner Herangehensweise an dieses Kulturerbe dazu beitragen kann, dass hinter dem dekorativen Produkt auch das Wert von dessen Entstehungsgeschichte erkennbar wird und dass im Dialog der Künste mit der Tradition neue Denk-und Begegnugsräume kreiert und somit neue, gemeinsame Kontexte geschaffen werden. Die Anknüpfungen sollen zu neuen Entwicklungen anregen.
Ich entschied mich bewusst dafür, den Tanz aus einem anderen Blickwinkel und aus einer anderen Perspektive zu betrachten, um meine Praxis zu verändern, bzw. zu erneuern und zu bereichern. In der Struktur und dem Rhythmus der Spitze fand ich eine reiche Quelle an Inspirationen, um eine neue choreografische Struktur zu schaffen und ihre Hauptelemente, wie räumliche Pfade, Tanzvokabular, Tanzrhythmus in der Choreografie, sowie auch die Entwicklung von Beziehungen zwischen Darstellern, neu zu formen.

„Čipka“ ist für mich eine Tanzgeschichte, in welcher der Tanz im wechselseitigen Dialog der DarstellerInnen und dem Raum entsteht. Demnach kann die Struktur der Spitze und ihre Übertragung in die Tanzkunst als "Tanz im Raum" und zugleich als "Raum im Tanz" betrachtet werden. Der Raum durch seine räumlichen Pfade, welche ich aus der Struktur der Pag-Spitze in die choreographische Struktur übertragen habe, “greift“ in die bewegte Körper und in die Blicke der BetrachterInnen ein: als eine lebendige, organische Substanz, die bei der Entstehung von Choreographie mitwirkte.

Wie ist Ihr persönlicher Eindruck vom Entwicklungsprozess in Bezug auf menschliche Beziehungen, Gruppendynamik, Interessen und Engagement von Tänzern,
insbesondere unter Berücksichtigung der aktuellen Krise
durch die C-19-Pandemie und deren Auswirkungen auf die künstlerische Praxis, durch die Restriktionen von öffentlichen Auftritten?

Es ist an der Zeit, uns in der Unsicherheit einzuüben.
Die Tanzkunstschaffende sind an die Ausübung von Disziplin und Kontrolle gewöhnt, denn, die Tanzkunstpraxis verlangt die Ausübung von Geduld gegenüber dem eigenen Körper, dem Tanzpartner, gegenüber der Gemeinschaft. Ich bin der Meinung, dass wir diese “ausgedehnt- unsichere Situation“ gemeinsam, in Bewegung, überwinden werden. Auch während der, durch die C-19-Pandemie verursachten lockdown- hat das Rijeka Ballett Ensemble nicht aufgehört, zusammenzuarbeiten.
Die Pause dauerte nur eine Woche, als wir die Türen auf der Ebene des gesamten Theaters schlossen, den Vorhang senkten und unser Ensemble in der „erzwungene“ kollektive Urlaubspause ruhte. Eine solche Entscheidung ist angesichts der Umstände und der Verlängerung unserer Sommersaison sicherlich gerechtfertigt. Von zu Hause aus zu arbeiten ist keine übliche Arbeitsweise für Ballettkünstler, aber die Existenz unserer Kunst wurde dabei in keinem Moment in Frage gestellt. Deshalb haben wir unser Engagement und unsere künstlerische Tätigkeit durch eine Online-Präsenz in den Projekten Zajc uz Vas* und Zajc uz Vas 2, sichtbar gemacht.

Während der Pause, hielten sich die Tänzerinnen und Tänzer in Form mit Hilfe von Online-Kursen, nützten auch beim Bedarf die Zeit zuhause für die Heilung und Genesung von diversen Verletzungen, lernten u.a. einige neue Tanz- / Aufführungspraktiken, für welche beim gewöhnlichen Theaterbetrieb nicht die Zeit vorhanden ist. Im Gespräch mit den Mitgliedern des Ensembles erfuhr ich, dass viele von denen auch in einer Art des autoreflexiven Dialogs mit ihrem Körper eintraten, wodurch das Körperbewusstsein gestärkt wurde und was dazu führte, dass es uns innerhalb von nur zwei Wochen gelang, das Stück „Čipka“ zu erneuern und für die Premiere, welche am 5.Juni 2020 stattgefunden hat, zu vervollständigen. Ermutigt durch die Erfahrung von „Čipka“ haben wir uns dem nächsten Projekt gewidmet.
Räumliche Isolation in Theaterräumen, sind die Tanzschaffende mit voller Hingabe beim Tanz-werken gewohnt. Dennoch lebt diese Gemeinschaft ihre Arbeit homogen als ein Körper, der die tägliche kreative Eschöpfung des einzelnen in einem pulsierenden Ganzen lebendig hält.

Welche Reaktionen wurden bei der Premiere von „Čipka“ hervorgerufen
und wie war das Medienecho?

Nach der lockdown war das Publikum gespannt auf das Programm, die Aufführung und den Tanz, während die Tänzer jede Aufführung tanzten, als wäre es ihre letzte. Das Publikum hat bei der Premiere, sowie bei Wiederholungen dieses Ballettprogramms nicht gefehlt. Weitere Tickets waren erforderlich. Kroatisches National Theater in Rijeka (HNK) Ivan pl. Zajc verfolgte aufmerksam die Entwicklungen der durch die Coronavirus-Pandemie verursachten Situation und die Anweisungen des Katastrophenschutzhauptquartiers der Republik Kroatien. Im Erdgeschoss des Theaters haben wir das sogenannte de luxe Auditorium eingerichtet und an die vorgeschriebene physische Entfernung angepasst, während wir die Lodges mit Plexiglas trennten. Das Theatergebäude wurde regelmäßig gereinigt und desinfiziert.
Alles in allem haben wir das Ambiente der Show vor der eigentlichen Show geschaffen und auf diese Weise wurde eine solide Teilnahme sichergestellt.

„Čipka“ ist ein sehr günstiges Marketing-Titel, der die Aufmerksamkeit eines sehr vielfältigen Publikums auf sich zieht. Das. Traditionelle Publikum kommentiert diese Tanzproduktion als eine traditionellere Aufführung von ausgereifter und ruhiger Verkettung von Bewegungen, die subtil im Erbe der Folklore verankert sind, während sich die jüngere Generation darauf freut, dass das Stück unabhängig vom Thema seinen zeitgenössischen Eindruck nicht verliert.

Haben Sie die „Čipka“ – Produktion international beworben und Gastauftritte in anderen Ländern geplant?

Natürlich ist es unsere Absicht, das Stück international zu fördern. Unabhängig vom Inhalt dieses Stücks in Bezug auf Tanz- und Ballettaufführungen und in Bezug auf Ballett als künstlerischen Zweig innerhalb der Institution des kroatischen Nationaltheaters Ivan pl. Zajc hat die Produktion großes Potenzial für Internationalisierung. Wir planen, an einem intensiveren Branding des Rijeka-Balletts und unseres Repertoires zu arbeiten. Mit der Tanzproduktion „Čipka“ werden wir am 22. September beim Belgrader Tanzfestival zu Gast sein (Madlenianum Theater) und bereits 23.9. in Novi Sad (kleine Bühne des serbischen Nationaltheaters). Die Gastauftritte sind für uns äußerst wichtig, da wir uns nicht nur auf dem europäischen Tanzmarkt positionieren, sondern auch unser lokales Publikum ermutigen, zu verstehen, dass es in ihrer Stadt Rijeka eine europäische Tanz- und Ballettgruppe gibt.

Viel Glück und Erfolg in Serbien! Ich hoffe, dass wir die Gelegenheit haben werden, diese Produktion auch auf den Bühnen in Wien/Österreich und darüber hinaus, in ganz Europa und der Welt zu sehen! Derzeit ist es zumindest über digitalen Medien möglich den Trailer zu sehen und so die ersten Eindrücke über die einzigartige "Spitze" in der Sprache des zeitgenössischen Tanzes zu gewinnen!

Noch eine letzte Frage: mit welchen Schlüsselwörtern würden Sie Ihre persönlichen Erfahrungen bei der Erstellung der „Čipka“ -Produktion verbinden?

„Frauenhände, Kreis, Spirale, Verflechtung, Gemeinschaft, tanzende Hände, Mandala“

Ihre "Tanzmanufaktur" hat einige neue Denkräume und Verbindungen zur kreativen Arbeit geöffnet, die Bedeutung der Tanzkunst als Form der Kulturdiplomatie näher beleuchtet. 
Hvala Maša,
Vielen Dank, und viel Glück bei weiteren Entwicklungen der Tanzspitzenmanufaktur!

* “Zajc“ bezieht sich auf den Namen des Rijeka Stadttheaters, die nach dem bekannten Kroatischen Komponisten und Dirigenten Ivan Zajc pl. Benannt wurde. „pl“ bedeutet „edel“ und wurde dem Ivan Zajc als Ehrentitel verliehen. Anm. der Verf.
Weblinks, Literatur:

Trailer "Čipka": https://youtu.be/yZ_A-xeNVnk

Vjera Bonifačić, „Lace production in Pag, Croatia, from 1900 to the present” (Department of Human Ecology, University of Alberta, Edmonton, AB, Canada, T6G 2M8 1994.)

https://www.acdvienna.org/artimpact2030-initiative/
https://en.wikipedia.org/wiki/Pag_lace

Tanzproduktion "Čipka" Fotographien : Fanni Tutek Hajnal

Verfasst von (orig.in Kroatisch) und ins Deutsche übersetzt: Tatjana Christelbauer
09. September 2020

InTalk in kroatischer Sprache: "Narrative manufaktur der Tanzspitze"

Kontakt:
t.christelbauer@gmail.com
https://www.tatjana-christelbauer.com/kulturdiplomatie-cultural-diplomacy

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