"In der Liebe bleiben" Kulinarische Diplomatie zum Abschied
Nachhaltige Ernährung & Diversität – Schörl-Perlen und Traubenkernmehlbrötchen

Kulinarische Diplomatie ist eine Art der Kulturdiplomatie, in der sich die Akteure mit Vermittlungsformen von Werten, Traditionen und anderen nationalen Besonderheiten mittels kulinarischer Kreationen im Bereich internationaler Beziehungen, befassen.
Diese Kreationen werden meistens nach traditionellen Rezepturen und aus regionalen Ressourcen zubereitet.
Mittels kulinarischer Kreationen werden Botschaften vermittelt, welche unausgesprochen verstanden, oder auch missverstanden werden können, daher ist die höchste Sensibilität für Details gefragt, damit die Begegnungen und die Verhandlungsgespräche mit positiven Erlebnissen durch die "Gaumenfreude" besiegelt werden können.

Wie es der Experte für kulinarische Diplomatie jüngerer Generation Sam Chapple Sokol meinte,
„die Kulinarik ist die erweiterte Form der Diplomatie …“.

Bei meinen Recherchen in diesem Feld, fand ich ein interessantes Beitrag vom ehem. Schweizer Botschafter für die Vereinigten Staaten, H.E. Dr. Martin Dahinden, der in seinem Vortrag an der Universität Zürich „Kulinarische Diplomatie und Schweizer Küchengeheimnisse“, die wesentliche Rolle des informellen Rahmens, welches die Kulinarik für diplomatische Gespräche bietet, unterstreicht.
Insbesondere ist die Atmosphäre beim Dessert weniger angespannt, so verlaufen die Gespräche meistens etwas lockerer und die Aussicht auf die gute Verhandlungsergebnisse ist zumindest gefühlsmäßig, höher.
Desserts im kleinen Format finde ich sehr praktisch für die feierliche Anlässe, da die „kleinen Gaben“ elegant wirken, meistens unkompliziert genossen werden können, kaum Flecken an der Kleidung hinterlassen und kaum, oder wenig Abfall, im Raum verursachen.

Zu historischen Entwicklungen kulinarischer Diplomatie Österreichs konnte ich wenig Literatur finden, so werde ich gerne in diesem Gebiet weiter forschen. 
Einfacher zu finden scheinen mir die Informationen, welche über diversen Webseiten für internationales Publikum und Touristen, bereitgestellt wurden.
Über solchen Webseiten werden altbekannten und wiedererkennbaren "Austrian Brends und Trends " promoviert. So dominieren die Wienerschnitzel und die Sachertorte unter anderen "üppigen Speisen" im Bereich der Gastrodiplomatie. (Hier möchte ich anmerken, dass diese Angabe nicht gegen die Sachertorte und der Wienerschnitzel gerichtet sind, die hervorragend schmecken. Es geht mir darum, auf die Aspekte der Kulinarik hinzuweisen, welche der nachhaltigen Ernährungskultur mehr entsprechen.)

Als Teilnehmerin an diplomatischen Veranstaltungen im Bereich der Bildung und Kulturaustausch, konnte ich dennoch in den letzten Jahren auch beobachten, dass die weniger kalorischen,Tier-schonenden Speisen und Dessert-Kreationen immer mehr an der Bedeutung gewinnen. 

Die gesundheitsbewusste Ernährung findet die Wertschätzung in der österreichischen Diplomatie.
So wurde u.a. in der österreichischen Botschaft in Vereinigten Staaten im Jahr 2018 die in Wien geborene Nora Pouillon, bekannt als „Mother of organic food“ für ihre Verdienste mit der Goldene Verdienstmedaille beim österreichischen Präsidenten Aleksander Van der Bellen ausgezeichnet.

Wodurch verändert sich die individuelle, bzw. die globale Ernährungskultur und wie kann die gesundheitsförderndes Verhalten weitere Aspekte des sozialen Zusammenlebens positiv beeinflußen? 

In den letzten Jahren wurde im Begriff der nachhaltige Ernährungskultur ein neues Lebenskonzept  entwickelt. Die Vereinbarkeit von Werten und Werthaltungen geht hier über individuellem Wohl und Bedürfnissen in den globalen Kontext hinaus. Aus dem Erkennen des Bedarfs nach Verantwortungsbewusster Handlungen im Bereich sozialer Beziehungen, wie auch dem Umwelt-gegenüber, wurden bereits weltweit neue Richtlinien entwickelt und Maßnahmen gesetzt. In meinem beruflichen Umfeld konnte ich die erfolgreich umgesetzte Initiative aus NÖ "Tut gut" kennenlernen.

Sowohl bei staatlichen Festivitäten als auch bei zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen geht es nicht mehr darum, die Mengen an "Fleisch und Zucker" zu servieren um die Gäste mit alten Statussymbolen zu beeindrucken. Statt dessen wird eher auf die bewusste Ernährung, den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen sowie auf die Vermeidung vom Abfall geachtet und damit wird gepunktet.
Gesundheitsfordernde Naturprodukte konkurrieren den üppigen Menüs gegenüber
mit anderen Attributen. 

Auch Diversitätsaspekte spielen eine, immer mehr bedeutsamere Rolle in der Kulinarik, sowie in allen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Kulinarik bietet dazu eine Vielfalt an Möglichkeiten, die Menschen und ihre diverse Lebensarten, zusammenzubringen. Unter dem Aspekt der Gesundheitskultur, können die Gemeinsamkeiten und die Anknüpfungspunkte einfacher gefunden werden. Der Begriff "Kultur" kann somit als Vielfalt an Praktiken in einem gemeinsamen regionalen und globalen Kontext gedacht werden.  

Die 17 Nachhaltigkeitsziele Vereinter Nationen bieten dazu einen Werte-und Aktionsrahmen in welchem  die Menschheit eine gemeinsame Kultur denken und pflegen können.
Der Verein ACD-Agency for Cutural Diplomacy den ich leite, hat in diesem Zusammenhang mit regionalen und internationalen Kooperationspartner diverse Initiativen gestartet.  

Es wurden bereits auch zahlreiche zivilgesellschaftliche Projekte in Österreich in diesem Zusammenhang entwickelt. Beispielsweise, wird von der Caritas die „Community Cooking“ angeboten, um den interkulturellen Austausch zu fördern, Jugend am Werk ZOBAeck beteiligt sich am internationalen Gastronomie-Event „Good France“, bei welchem die innovative Köche in ganz Österreich, ihr französisches Menu mit österreichischen Zutaten gestalten, usw.

Die, auf Nachhaltigkeit und Gesundheit aufgebaute kulinarische Kulturdiplomatie umfasst die Diversitätsaspekte und kann sowohl in diplomatischer, als auch in zivilgesellschaftlichen Bereichen mit weniger umwelt- und gesundheitsschädigenden „Gaben“, die gegenseitigen Sympathien wecken. Die kulinarische Gesundheitskulturvermittlung, welche interkulturell-sensible Diversitätsaspekte umschließt und auf die nachhaltigen Ziele aufbaut, kann diverse regionale und internationale Zielgruppen zusammenbringen. In meinem professionellen Umfeld konnte ich diese Ansätze bereits erfolgreich umsetzen und werde an diese positive Ergebnisse weiterhin anknüpfen. 

"In der Liebe bleiben"
Dass „die Liebe durch den Magen geht“ ist ein altbekannter Spruch, doch mich hat es hier interessiert, wie es gelingen kann, „in der Liebe (zu) bleiben“?
Damit knüpfe ich an den Gedanken österreichischer Pädagogin Mater Margarethe Schörl, die es im Kontext ihrer Erziehung zur Mitmenschlichkeit so meinte.

(Erziehung) Bildung und Diplomatie sind zwei Bereiche, in welchen die Werte zur Entwicklung von Kompetenzen für die Gestaltung von gegenwärtigen Beziehungen und zur Aufbau von  zukunftsweisenden Möglichkeiten vermittelt werden. 
An die Ansätze aus dem Bereich der (Kulinarischen) Diplomatie wird im Bildungsbereich angeknüpft, wenn bei diversen Anlässen, über die feinen Details zum zeremoniellen Rahmen, zur Symbolik von Speisen und Tischdekoration, sowie über die Sitzordnung und Protokoll, u.a. überlegt wird.
Bereits im Elementarbereich lernen die Kinder ihre Beziehungen zu meistern und setzten auch oft ihr "diplomatisches Geschick" ein, wenn es etwas zum Verhandeln gibt, sei es eine bessere Note, oder der Sitzplatz neben bester Freundin, usw. Die Umgangsformen und die Mitteilungsarten werden durch die Vereinbarungen geregelt, interkulturelle Sensibilität wird gefördert.
Es ist dabei immer wesentlich darauf zu achten, dass "alle Kinder" die gemeinschaftlichen Vereinbarungen verstehen und einhalten, einander helfen und respektvoll miteinander begegnen und kommunizieren. Kulinarischer Diversität und die gesundheitsfördernder Maßnahmen sind in Bildungseinrichtungen ein hoch aktuelles Thema. Interkulturelle Vielfalt sowie die Unverträglichkeiten gegenüber diversen Lebensmittelprodukten sind u.a. zwei wesentliche Aspekte, auf welche vermehrt geachtet wird. 

Mit einer kurze Beschreibung meiner Dessert-Kreationen zum Anlass einer Abschiedsfeier, versuche ich die, hier geteilten Überlegungen über die nachhaltige Ernährungskultur, kulinarischer Diplomatie und Diversität, zu illustrieren. 

Schörl-Perlen und Martha´'s Traubenkernmehlbrötchen zum Abschied

Vor einigen Tagen, wurde ich aus familiären Gründen nach 27 Jahren kontinuierlicher Tätigkeit, von meiner Berufsgruppe im Feld der interkulturelle Pädagogik, verabschiedet.
Zu diesem Anlass überlegte ich, welche kulinarischen Gaben kann ich für eine Gruppe von ca. 160 Menschen aus 24 Länder, zubereiten.
Eine Herausforderung mit vielen Fragen, die ich mir zur Aufgabe stellte und mit Freude und Zuversicht daran, dass sich die bisherigen kreativen Unternehmungen mit dem neuerworbenem Wissen durch die Teilnahme an akademischen Kursen zur gesunder Ernährung gut abrunden werden und dass es gelingt.

Die Gedanken über meiner Abschiedsveranstaltung umkreisten mich bereits seit einigen Monaten, so konnte ich einige Ideen und auch Erfahrungen dazu nützen, diese kulinarische Mission zu starten.

Was soll sein? Wie soll es schmecken?

Es sollte etwas sein, was persönliche Note enthält, auch Diversitätsaspekte und Lebensarten der Gäste umschließt, etwas zum Abschied und rückblickend, was auch perspektivblickend, zum Wiedersehen passt. Die Gaben sollten in ihrer Symbolik und Qualität, den Anlass und die Gäste würdigen. Dem Personenanzahl entsprechend müssten diese Gaben sorgfältig zubereitet, transportiert und serviert werden. Der Geschmacksvarietät soll abgerundet werden. Es soll mit persönlichen Vorlieben und auch mit beruflichen Leben, die Verbindungen enthalten.

Eine Dessert-Kreation hatte ich bereits im letzten Sommer überlegt, als ich im Auftrag der NÖ Kulturabteilung im Rahmen eines Projekts zum Europäischen Tag der Sprachen 2019 in meiner Heimat Kroatien die Werke aus NÖ Edition und mit Autorin und Elternbildnerin von der Fachstelle der Pastorale Dienste (BEF) der Diözese St. Pölten Dr.Doris Kloimstein, die Ansätze österreichische Pädagogin Mater Martha Schörl, in der Österreichische Bibliothek in Osijek, vorstellte.
Zu dem Anlass kreierte ich zum Empfang, nach einem literarischen Werk kroatischer Autorin und Pädagogin Jagoda Truhelka, ein Dessert. 

So bekamen auch die Dessert-Kreationen für mein Abschiedsfeier wieder den Namen, welches mit einer Pädagogin in Verbindung steht: Schörl-Perlen und Marthas Traubenkernmehlbrötchen.

Der Gedanke von M. Schörl, „In der Liebe bleiben“ inspirierte mich dazu, in diesem Sinne, meine Gaben zuzubereiten und der Schörl- Gedanke, als meine Botschaft zum Abschied zu teilen.
Somit soll „die Liebe durch den Magen gehen“ und die Menschen beim Abschied, mögen "in der Liebe bleiben."

Ein Bündel aus Erinnerungen und Emotionen umschloss die Zeit von zwei Tagen, die ich noch für die Vollendung der Kreation zur Verfügung hatte.
Ich überlegte, nach welchen Kriterien soll der Auswahl von Zutaten erfolgen.
Einige wesentliche Aspekte fielen mir dazu ein:
es soll etwas herkömmliches mit diversen anderen Zutaten gemischt werden, eine Bindungssubstanz soll es enthalten; es soll anlassbezogen symbolisch entsprechen und gesundheitsfördernd wirken.
Die zwei Dessert-Kreationen wurden aus rein pflanzlichen Zutaten kreiert.

Die Verbindung zwischen M. Schörl´´'s Gedanke „In der Liebe bleiben“ mit kulinarischen Kreationen aus rein pflanzlichen Zutaten wurde aus der Überlegung unternommen, zum Abschied von Teilnehmern, Gästen und sonstigen anwesenden und beteiligten, solche Gaben zuzubereiten, welche unabhängig von Lebensstil, kultureller Herkunft, religiöser Zugehörigkeit, oder sonstiger Aspekte, eingenommen werden können.
Die Zutaten wurden letztendlich nach ihrer Symbolik und nach ihren gesundheitsfördernden Werten gewählt. Sie wachsen in diversen Ländern, sind auch in Österreich angebaut, sind Tier-schonend, haben eine rein-pflanzliche Bindung und sind mit einem „SchutzMantel“ symbolisch ausgerüstet für das Neu, was im Leben nach dem Abschied kommen mag.

Schörl-Perlen
sind kugelförmig und bestehen aus gehackten, ungesüßten Trockenpflaumen, getrockneten Kornelkirschen (Dirndl), Moosbeeren und gemahlenen Mandeln. Die Zutaten sind mit pflanzlichen Thea gebunden, und anschließend wurden die Perl-Kugeln mit gemahlenem Mohn, gehackten oder mit gemahlenen Mandeln, ummantelt.

Marthas Traubenkernmehlbrötchen
sind rundförmige Mini-Brötchen. Der Teig wurde aus Traubenkernmehl, Dinkelvollkornmehl, gemahlenem Mohn, ungesüßten Rosinen, Salz und Wasser gemischt. In der Mitte jedes Mini-Brötchen wurde ein Mandelkern-Pünckthen zur Dekoration gelegt. Die Bezeichnung "Traubenkernmehlbrötchen"  stellt auch eine Besonderheit der deutschen Sprache dar, nämlich die Wörterverkettung, was zum kreativen Sprachspiel bewegt und hier auch in symbolischer Form, für die Zusammenhalt steht.

Serviert wurden die Schörl-Perlen und die Martha's Traubenkernmehlbrötchen in kleinen Papierrosetten (der zum Zeitpunkt möglichst minimalster Aufwand um den Abfall zu vermeiden) auf runden, großen Tellern mit einem Papierkärtchen die, die Beschreibung von meinen Dessert-Kreationen und der Gedanke von M. Schörl „In der Liebe bleiben“ enthielte. 
Dazu gab es ein Mindmarker (Lesezeichen) für alle anwesenden Gästen mit Symbolen aus meinem pädagogischen Modell-IkuBi und meiner Kontaktadresse darauf.

So wurde alles gut abgerundet: der Abschied, sowie Dessert-Kreationen, kugelrund und gesund!

Ich bin am 27. September geboren, am gleichen Tag wie die Martha Schörl.
Diese Entdeckung hat auch mein Interesse für die Schörl-Ansätze zur humanistische Bildung geweckt.
Ich hoffe somit, dass meine bisherigen und auch meine künftigen Beiträge im Sinne Schörl's Gedanken, einige Bausteine für die Brücke in die gegenwärtige Zeit und Kultur, insbesondere die nachhaltige Bildungskultur einbringen.
Im Begriff der Nachhaltigkeit wurzelt die Nächstenliebe,
die ich auch als Fähigkeit dazu verstehe, das Wohlsein ohne den Schaden für den Nächsten zu erlangen, die Chancengerechtigkeit durch geteilter Mit-Verantwortungsmöglichkeiten zu erhöhen. 
Mit diesen Gedanken verbinde ich der Gedanke von Martha Schörl: "In der Liebe bleiben".

Tatjana Christelbauer

01. 03. 2020

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