17.08.2016, 08:00 Uhr

Gut gemacht, Mädels und Jungs

Mitglieder des European Union Youth Orchestras (Foto: © Manfred Klimek)
Ein satter Hauch von Jugendlichkeit umweht den Wolkenturm in Grafenegg. Das European Union Youth Orchestra legt ein Gastspiel hin, das schlagzeilentauglich ist. „Mahler Meets Glass“ titelt der Veranstalter das Konzert. Das EUYO ist in Grafenegg Stammgast. Nach dreiwöchiger Probenzeit mit dem jungen Dirigenten Vasily Petrenko am Campus präsentiert es dieser Tage im Wolkenturm ein hochklassisches Programm, mit dem es das Publikum zutiefst erfreut.

Philip Glass‘ Kompositionen zu spielen ist keine einfache Sache. Der zeitgenössische Amerikaner schrieb Partituren, die er dann verwarf und setzte Korrekturen, weil ihn Künstler aus dem indischen Raum beeinflussten. So entstanden Werke, die fern jedes Vergleichs im traditionell-klassischen Oeuvre sind. Konzert für zwei Klaviere und Orchester nennt Glass die junge Schöpfung. Zwischen 2014 und 2015 hat er sie geschrieben - die österreichische Erstaufführung findet in Grafenegg - brillant - statt. Dazu gehören auch die Pianistinnen Katia und Marielle Labeque, die mich erst bei der Zugabe begeistern. Ich hätte für diese Stücke gerne Ferhan & Ferzan Önder, ein türkisches Zwillingspaar, oder die georgischen Schwestern Khatia und Gvantsa Buniatishvili gehört. Aber das ist eine Geschmacksfrage.

Frisch und fröhlich klingt das Jugendwerk Gustav Mahlers. Der damals 28 Jahre alte Komponist war sich seiner Berufung bewusst - früh begann sein Schaffen. Aus jüdischem Haus stammend musste er nach dem Tod der Eltern Schwestern und Brüder versorgen. In dieser Gefühlswelt bewegte sich Mahler. Und da waren noch die Frauen. Die lebenslustige Alma hatte mit seinem Mutterkomplex - wie Sigmund Freud diagnostizierte - ihre liebe Not. Unter all diesen Umständen schuf er Werke, die ihn unsterblich gemacht haben. Das Musik-Spektrum bewegt sich von der Spätromantik bis zur Moderne.

Das EUYO unter Petrenko bringt diese Unbeschwertheit souverän zur Geltung. „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“, sagt der französische Dichter Victor Hugo. Schweigen wollen die Mädels und Jungs nicht. Im Gegenteil: sie musizieren unbeschwert, mit Lust am Tun, sind konzentriert, lächeln dabei, und zum Schluss bekommt der Nebenmann oder die Nebenfrau ein Bussi. Sehr sympathisch, sehr herzlich und sehr professionell. Den Gästen gefällt es, und sie spenden dafür heftige Akklamationen.

Wer den Hörgenuss da capo erleben will, muss am 27.8.2016 nach Grafenegg kommen: Anderes Programm, selbiges Orchester.

Next: Festival-Eröffnung am 19.8.2016 mit namhaften Künstlern wie Camilla Nylund, Elena Zhidkova, Klaus Florian Vogt, René Pape und Wiener Singverein. Es spielt das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter Yutaka Sado.

Reinhard Hübl
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