06.01.2018, 09:46 Uhr

Freude, Frieden, Musik

Philippe Jordan im Kanalsystem, doch im Dirigat ein Spitzenmann
Thomas Hengelbrock, der das Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie mit Beethovens Symphonie Nr. 9 grandios geleitet hatte, scheidet im Streit mit dem NDR vorzeitig als Chefdirigent des Orchesters aus. Statt wie geplant 2019 werde er schon im Sommer 2018 das Orchester verlassen, teilt der „Spiegel“ mit. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er und „sein“ Orchester mit Herzblut an das Werk herangegangen sind. Die perfekte Akustik leistete einen hohen Beitrag für die Aufführung. Mitte Jänner bin ich in Hamburg. Von dort kann ich Ihnen authentisch berichten, wie sich die Elbphilharmonie anfühlt.

Die Einleitung finde ich notwendig, um ein Konzert in Wien zu beurteilen. Ausgeruht, ohne Silvester-Kater, erscheinen die Wiener Symphoniker mit ihrem Chefdirigenten Philippe Jordan im Wiener Konzerthaus, um einen Beethoven-Zyklus zu beginnen. Von Reihe 12 aus lässt sich das Konzert vorzüglich genießen. Neben mir sitzt ein französischer Kollege aus Nizza, der für eine Pariser Zeitung schreibt. Nach Beethovens Symphonie Nr. 2 pflegen wir einen regen Gedankenaustausch, vor allen über den Dirigierstil von Philippe Jordan, der derzeit noch musikalischer Direktor der Opéra National de Paris ist und ab September 2020 Musikdirektor der Wiener Staatsoper sein wird. Er kennt ihn natürlich, findet seine Gestikulation etwas ausladend und übertrieben.

Dem muss ich heftig widersprechen, Jordan leitet Beethovens Symphonie Nr. 9 souverän. Er hat alle Mitglieder des Konzerts im Blickfeld und ist mit den Symphonikern auf Du auf Du - hervorragende Orchesterarbeit. Er hat aus dem „gemütlichen“ Kollektiv ein Top-Ensemble geformt. Das merkt man besonders bei diesem Monsterwerk Beethovens. Mit Emily Magee (Sopran), Anke Vondung (Alt), Andreas Schager (Tenor) und der Debütant Dimitry Ivashchenko (Bass) sind vier exquisite Solisten am Werk. Eines Sinnes mit dem Dirigenten ist auch der Wiener Singverein, wenn auch die Damenstimmen etwas schrill klingen.

Es ist ein Fest, aufregend, stilvoll. Mein Kollege aus Frankreich ist verstummt, der mächtige und prächtige Soundteppich hat ihn überzeugt. Und auch mich. Selbst meine Begleitung, die eher ins Museum geht, statt in einen Konzertsaal, ist sehr angetan und aufgeregt.
Der Widerhall zwischen Wien und Hamburg ist freilich ein anderer, muss auch so sein, hier das 105 Jahre alte ehrwürdige Konzerthaus, dort ein 2017 eröffnetes Super-Musik-Bauwerk, dass alle Stückeln spielt. Was beiden anheim ist: Er wird auf höchstem Niveau musiziert.
In Wien zum Jahresbeginn wollte der Jubel kein Ende nehmen.

Jubeln dürfen auch die Besucher der weiteren Beethoven-Symphonien, und zwar am 11. 1.: Nr. 6 & 7; 14. 1.: Nr. 1 & 3; 21. 1.: Nr. 4, 5 & 8.

Infos und Tickets: www.konzerthaus.at

Reinhard Hübl
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