09.08.2018, 18:35 Uhr

Kunstvermittlung DunkelBunt: eine Exkursion zum Hundertwasserhaus Wien mit blinden und sehbehinderten SchülerInnen

Mobileupload by Tatjana Christelbauer; Hundertwasserhaus Dunkelbunt Exkursion mit blinden SchülerInnen
Wien: Hundertwasserhaus | Zu blinden Menschen habe ich persönlichen Bezug seit meiner Kindheit. Meine Klavierlehrerin war blind und von ihr lernte ich  "das Sehen im dunkeln und das empfinden von Farben und von Düften mit sanften berührungen,  wie beim Spielen von Sonaten ... "  Eine "Blau" die geschmeidig ist wie der Seidenschal meiner Großmutter und eine "Braun" die wie Schokolade an den Handflächen smilzt, sind zwei besondere Farbenerlebnisse die ich während meiner Klavierstunden vermittelt bekam. Blau ist die weite Landchaft des Himmels, braun ist auch die Baumrinde die wir vor dem Haus meiner Lehrerin sanft über die rauhe Oberfläche berührten und uns unter der Baumkronne als Prinzessinnen aufrichteten ... "So sollte das Sitzen beim Klavier sein", meinte meine Lehrerin.
Achtsam gehen, achtsam hören, achtsam die Klaviertasten berühren, achtsam sprechen und achtsam leben, lernte ich zwischen gespielten Etüden vom H.Lemoine und Menuetten vom J.S.Bach ...
Diese Zeit und Erfahrungen und die nahe Verbindung zu einem Menschen der "anders sehen" kann, hatten etwas magisches, etwas besonderes, geheimnisvolles, was ich auf meinen weiteren Lebenswegen als besonderen "Schatz" mitgenommen habe.

Neulich habe ich im Rahmen meiner Ausbildung zur Kulturvermittlerin einen Praxistag mit blinden und sehbehinderten SchülerInnen aus eine Wiener Schule verbracht.
Die Initiative kam meinerseits im Rahmen der von UNESCO ins Lebengerufennen KUBI -Tage an welchen die kulturelle Bildung mit besonde Aufmerksamkeit und mit zahlreichen Aktivitäten gestaltet wird.
Die kulturelle Bildung verstehe ich unter anderem als wesentlichen Teil des lebenslangen Lernens und als Wissensvermittlung mittels kreativer und künstlerischer Praxis, die Menschen für unterschiedliche Wahrnehmungen und Achtsamkeit sensibilisiert.
In meiner schriftlichen Arbeit habe ich interkulturellen und mehrsprachigen Landschaften im Werk vom Hundertwasser thematisiert und sein Nachlass als Referenzbeispiel im Nachhaltigkeitsdiskurs dargelegt.
Die Vielfalt an organischen Formen, Farben und Strukturen, Sprachen, Kulturen und Landschaften in Werken vom  Hundertwasser erlebe ich als verwobene Welt, die mit allen Sinnen erlebbar ist und eine Komposition aus Stimmungen, Gedanken und Gefühlen vermittelt.
Diese Wahrnehmung wollte ich mit SchülerInnen teilen, die ihre Eindrücke nicht auf die visuelle reduzieren und habe aus diesem Grund zunächst für SchülerInnenn mit eingeschränkten visuellen Pezeption und für blinden einen Workshop kreiert und mit ihnen über die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Natur, Landschaft und Sprachen ausgetauscht.

Zur Einführung wurde in der Schule über persönlichen Verbindungen zur Natur und Kunst gesprochen. Darauf folgend habe ich einige Details aus der Biographie vom Hundertwasser erzählt. Angefangen mit der Entwicklung seiner Künstlernamen- Komposition, über organischen Farben und Formen in seinen Werken, wurden die Geschichten erzählt, Spiralformen in einer Bewegungsformation kennengelernt und auch ein Lied in der Maorisprahce aus Hundertwassers zweiten Heimat Neuseeland gesungen.
Die Neuigerde und Interesse aller SchülerInnen (im Alter zw.9-11 Jahre) wurde geweckt und sie erzehlten auch über ihren persönlichen Zugängen zur Naturlandschaften, über Lieblingsdüften und Wetterlagen, über Umgängen mit Naturerscheinungen und auch damit verbundenen Gefahren, über Kunst und Sprachen die sie sprechen, über ihren Namen und deren Bedeutung ... über ihren Beziehungen zueinander ...  Die Namenkomposition vom Hundertwasser wurde auch mittels Braille-Schrift geschrieben.

Anschließend wurde die Exkursion zum Hundertwasser unternommen. Ein Spaziergang über Strassen und Brücken führte letztendlich zum Mosaik aus Steinchen und Fließen, die SchülerInnen unter ihren Füßen gespürt und dann auch gewusst haben, dass wir zum Ziel angekommen sind.
Viele Eindrücke konnten mitgenommen werden, mit viel Freude wurde das Rauschen vom Wasser im Brunnen entdeckt, die glatten und die rauen Oberflächen  an den Säulen abgetastet, über Spiraltreppen und über hügeligen Boden aus Ziegelsteinen und Fließen im Village wurde ein Spaziergang unternommen, diversen Sprachen und Stimmen von zahlreichen Touristen und Vogelgesang vom Dachgarten am Hundertwasserhaus, haben zum vielfältigen Erlebnis beigetragen.

Ich freue mich auf die weitere Entdeckungsreisen mit Schülerinnen und Schülern und mit allen anderen interessierten, ab Herbst im Kunst Haus Wien und anderswo.

Als Präsidentin und Gründerin der ACD- Agency for Cultural Diplomacy habe ich mit unserem Team auch weitere Bildungseinheiten konzipiet welche über KulturKontakt angefordert werden können.  Darüber hinaus werden Spezialvermittlungsformate im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe "Artimpact 2030" angeboten. Die Kunst- und Kulturvermittlung soll auf dieser Weise zu einem breiteren Verständnis vom Hundertwasserswerk im Nachhaltigkeitsdiskurs und zur Sensibilisierung für  interkulturelle und mehrsprachige Landschaften im sozialen Zusammenleben beitragen.

"Dunkelbunt" hat Hundertwasser als letzte Komponente in seiner Namenkomposition zugefügt in 1978, in Neuseeland, wo derzeit auch ein Kulturzentrum nach seinen Bauplänen gebaut wird, in Whangarei.  ACD-Verein startet im Herbst eine Kooperation mit der Botschaft Neuseeland und wird in diesem Rahmen eine Kulturbrücke aufbauen.

Mehr Information über dieser Kooperation werden wir demnächst über ACD-sozialen Medien vermitteln. 
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