20.03.2017, 10:59 Uhr

Symbolische Orte für Opfer der Naziverbrechen auf Wiens Straßen

Gerhard Burda und Rosy Weiss

Für die jüdischen Opfer der NS-Diktatur sind im Dritten "Steine des Gedenkens" in Gehsteige eingelassen.

LANDSTRASSE. Schlendert man aufmerksam durch die Straßen und Gassen Wiens, so fallen einem vielleicht die quadratischen Messingplatten auf, die mancherorts in den Gehsteigen verankert sind. Im 3. Bezirk gibt es 57 solcher Platten. Diese 20 mal 20 Zentimeter großen Tafeln werden vom Verein „Steine des Gedenkens – Für die Opfer der Shoa“ seit 2009 installiert. Sie sind vor ehemaligen Wohnhäusern oder kulturellen Einrichtungen der jüdischen Bevölkerung Wiens zu Zeiten des NS-Regimes zu finden.

„Die Menschen, die verschleppt und in den KZs ermordet wurden, haben kein Grab. Hinterbliebene der Opfer melden sich bei uns und wir geben den Verfolgten wieder einen symbolischen Ort im 3. Bezirk“, sagt Gerhard Burda, Vorsitzender des Vereins „Steine des Gedenkens“. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rosy Weiss verwaltet er eine Datenbank, in der Informationen von 13.300 jüdischen Bürgern aus dem 3. Bezirk der Jahre 1938 bis 1942 erfasst sind.

Deportation aus dem Dritten

Die Datenbank wurde von Karl Hauer, dem ehemaligen Leiter des Landstraßer Bezirksmuseums, in 25 Jahren Arbeit erstellt. „Diese Sammlung ist einzigartig, weil man neben den Namen und ehemaligen Wohnorten auch die Fluchtschicksale der Menschen nachlesen kann“, so Burda. Über die Website www.steinedesgedenkens.at kann man auf die Datenbank zugreifen und recherchieren, was in den Jahren 1938 bis 1945 in einzelnen Wohnhäusern in der Landstraße passiert ist. „Im Zuge der Enteignung wurden jüdischen Familien auch ihre Wohnungen weggenommen. Die Menschen verfrachtete man dann in Sammelwohnungen, wo bis zu 25 Personen gleichzeitig hausen mussten, bevor sie in die Konzentrationslager deportiert wurden“, sagt die ehemalige Bezirksrätin der Grünen, Rosy Weiss.

Gegen das Vergessen

Gerhard Burda und seine Kollegen vom Verein „Steine des Gedenkens“ arbeiten mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes zusammen. Sie werden auch in Zukunft stetig Daten und Informationen sammeln, um die Schicksale von immer mehr Menschen vor dem Vergessen zu bewahren.
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