Andreas Kos
Was Sie einen Bestatter schon immer fragen wollten

Andreas Kos mit seiner Lebenspartnerin Sabrina Broman, die ebenfalls im Bestattungsunternehmen tätig ist.
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  • Andreas Kos mit seiner Lebenspartnerin Sabrina Broman, die ebenfalls im Bestattungsunternehmen tätig ist.
  • Foto: Privat
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Wir haben mit Andreas Kos über makabre Scherzanrufe, ausgefallene Begräbnismusik und das Leben nach dem Tod gesprochen.

WOLFSBERG. Nachdem er beim Quelle-Konzern in Klagenfurt eine kaufmännische Lehre abgeschlossen und ein Jahr beim ehemaligen Niedermeyer-Geschäft in Wolfsberg gearbeitet hatte, entschied sich Andreas Kos mit 19 Jahren, in das Bestattungsunternehmen seines Vaters einzusteigen. Heute, 17 Jahre später, leitet er Standorte in Wolfsberg, St. Andrä und Griffen und beschäftigt 20 Mitarbeiter.

Andreas, wie haben deine Freunde reagiert, als du dich dazu entschlossen hast, Bestattungsunternehmer zu werden?
Sie waren sehr skeptisch und haben es nicht verstanden. Weil man als Bestatter ja immer erreichbar sein muss und bei einem Todesfall auch mal einen Besuch abbrechen muss, wurde da die eine oder andere Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Hast du deine Berufswahl jemals bereut?
Nein, allerdings gab es Situationen, die mich an meine Grenzen gebracht haben und wo ich mich gefragt habe, ob ich diesen Beruf weiter ausüben kann. Beispielsweise hat sich einer meiner besten Freunde das Leben genommen und ich habe seine Bestattung abgewickelt. Im Nachhinein sehe ich es als Ehre, das für diesen Menschen gemacht haben zu dürfen. Hinzu kommt natürlich der persönliche Leistungsdruck, den man ständig aushalten muss. Denn eine Bestattung kann man nicht einfach wiederholen, wenn etwas nicht perfekt läuft.

Hat sich deine persönliche Sichtweise auf den Tod bzw. das Leben nach dem Tod verändert?
Ja, ich bin noch gläubiger geworden. Ich bete oft, was mir in gewisser Weise Kraft gibt. Meiner persönlichen Ansicht nach erwartet uns nach dem Tod etwas Schönes, vor dem man sich nicht zu fürchten braucht. Prägend für diese Vorstellung war auch meine Zusammenarbeit mit dem bekannten Sterbeforscher Bernhard Jakoby, der intensiv mit Menschen nach Nahtoderfahrungen gearbeitet hat. Diese Menschen haben oft keine Angst mehr vor dem Tod. Durch ihre Berichte zieht sich ein roter Faden: Sie alle sprechen von Licht und Wärme.

Gibt es in deinem Beruf auch heitere Momente?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin der festen Überzeugung, dass man seine Fröhlichkeit nie verlieren darf. In der Familie sorgen meine Partnerin Sabrina Broman, mein Vater Josef und meine drei Töchter für jede Menge Spaß. Im Unternehmen erwarte ich von allen Mitarbeitern Qualität und genaues Arbeiten, aber wenn die Situation passt, dann können und dürfen wir auch gemeinsam lachen.

Welche kuriosen Begebenheiten hast du bisher in deinem Beruf erlebt?
Einmal wurden wir angerufen, um einen Verstorbenen abzuholen. Allerdings machte uns dieser vermeintlich Verstorbene im Bademantel die Haustüre auf. Jemand hatte sich einen makabren Scherz erlaubt. Ein anderes Mal läutete mitten in der Nacht das Handy und jemand wollte einen Bestattungswagen bestellen – für sich selbst! Derjenige hat es sich dann aber glücklicherweise doch noch anders überlegt. Bei den Wunsch-Locations für das Verstreuen von Asche war schon alles dabei, von der Koralpe bis hin zum Fußballstadion, wobei das gesetzlich nur auf gewidmeten Flächen möglich ist.

Was war die außergewöhnlichste Musik, die sich jemand auf einer Beerdigung gewünscht hat?
Eine Familie wollte den Song „Nothing else matters“ von Metallica gespielt haben. Allerdings war für das Begräbnis ein sehr streng katholischer Pfarrer zuständig, den ich erst seelisch darauf vorbereiten musste, dass wir ein Lied einer Heavy Metal-Band zu hören bekommen würden. Ein anderer sehr außergewöhnlicher Wunsch war das Lied „I woa a Leben lang a Kasperl“ von Alf Poier. Da war allerdings nur die engste Familie anwesend, daher war das kein Problem.

Kennst du die Serie „Six Feet Under – Gestorben wird immer“, die auf tragisch-komische Weise eine Bestatterfamilie portraitiert?
Ja, ich habe eine oder zwei Folgen gesehen und fand das ehrlich gesagt gar nicht schlecht. Meine Leidenschaft ist aber „Game of Thrones“. Diese Serie hat mich richtiggehend gefesselt und ich habe alle 72 Folgen gesehen.

Was wäre deine zweite Berufswahl gewesen?
Eigentlich wollte ich immer in einem Reisebüro arbeiten. Aus heutiger Sicht habe ich aber doch die bessere Berufswahl getroffen.

Andreas Kos mit seiner Lebenspartnerin Sabrina Broman, die ebenfalls im Bestattungsunternehmen tätig ist.
Andreas Kos entschied sich mit 19 Jahren dafür, Bestatter zu werden.

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