Intensivkoordinator Likar:
"Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet andere"

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Die Infektionszahlen steigen. Intensivkoordinator Rudolf Likar appelliert dringend, sich impfen zu lassen.

KÄRNTEN. Kommt die nächste Covid-19-Welle? Kündigt sich gar schon ein weiterer Lockdown an? Fragt man Rudolf Likar, Intensivkoordinator des Landes Kärnten und Abteilungsleiter in den Landeskrankenhäusern Wolfsberg und Klagenfurt, wird es diesmal nicht so schlimm werden. Der Primar appelliert jedoch auch weiterhin an die Eigenverantwortung der Menschen. 

WOCHE: Herr Dr. Likar, die Infektionszahlen steigen wieder. Rechnen Sie damit, dass es im Herbst auch in den Spitälern wieder zu kritischen Situationen kommt?
RUDOLF LIKAR: Derzeit gibt es noch keinen Anstieg in den Spitälern, weder stationär noch intensiv. Der Grund ist, dass die Menschen mit einem hohen Risiko, einen schweren Verlauf zu erleiden, durchgeimpft sind. Diejenige, die jetzt an der neuen Delta-Variante erkranken, sind großteils zwischen 20 und 40 Jahre alt und haben meist nur geringe Symptome. Im Herbst wird mit Sicherheit auch die Anzahl der Covid-19-Patienten in den Spitälern steigen, aufgrund der Durchimpfungsrate von voraussichtlich etwa 65 Prozent aber nicht mehr in einem so hohen Ausmaß. Die Kärntner Intensivmediziner sind gut vernetzt, wir sind vorbereitet. Ich denke nicht, dass uns der Herbst vor große Probleme stellen wird. Es gehen dann ja auch Motorrad- und andere Freizeitunfälle zurück, sodass es bei den Intensivbetten wieder etwas mehr Spielraum gibt.

Je nach Quelle werden wir eine Durchimpfungsrate von 80 bis 95 Prozent benötigen, was bis zum Herbst unwahrscheinlich ist. Was dann?
Man muss auch einfach einmal nüchtern sagen, wie es ist. Die Totalimmunisierung wird bis zum Herbst vielleicht auf 65 Prozent steigen, danach wird man in Kauf nehmen, dass Menschen sterben. Gegen die Influenza haben sich in Österreich nur acht Prozent der Bevölkerung geimpft und wir nahmen 2.000 bis 4.000 Tote im Jahr in Kauf. So ähnlich wird es auch mit Covid-19 sein. Ich denke nicht, dass es wieder starke Verschärfungen geben wird, schließlich hat jeder die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wer das nicht tut, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch sein Umfeld. Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo er einen anderen schädigt. Es ist Zeit, dass hier in der Bevölkerung ein Umdenken stattfindet.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von einer Impfflicht?
In Berufen, in denen man viel mit Menschen zu tun hat, sollte es eine Impfflicht geben. Aktuell wird ja diskutiert, Neueinstellungen in den Spitälern nur mit Impfung anzunehmen, was keinen Sinn macht. Warum sollte sich die Stammbelegschaft nicht impfen müssen, die Neuen aber schon? Abgesehen vom Gesundheitsbereich wäre eine Impfpflicht zum Beispiel auch bei den Lehrern oder dem Personal in der Gastronomie sinnvoll.

Wie könnte man jene Menschen erreichen, die sich nicht impfen lassen wollen?
Das Problem ist, dass diese Leute die Schwererkrankten auf den Intensivstationen nie gesehen haben. Die Aufklärung bezüglich der Impfung sollte durch alle Gesellschaftsschichten gehen. Jeder trägt die Verantwortung, auch seinen Nachbarn zu erklären, dass Impfen notwendig ist, damit wir die Pandemie unter Kontrolle kriegen. Meinungsbildner aus allen Bereichen sollten die Impfung promoten.

Wie beurteilen sie die neuen Verschärfungen der Regierung – grüner Pass erst ab der 2. Impfung, Nachtgastro nur mit Impfung?
Im Endeffekt ist das nichts anderes als eine Einführung einer Impfflicht, unterlegt duch Argumente. Man traut sich nur nicht, das öffentlich als Impfflicht zu bezeichnen.

Auf der einen Seite wurde gelockert, dann wurden Events wie der Kolomonimarkt oder die Kärntner Wiesenmärkte abgesagt. Agieren die Veranstalter übervorsichtig oder sind die Sorgen berechtigt?
Es gibt genügend Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion. In Kombination mit einer 3G-Regel, die auch wirklich kontrolliert wird, spricht nichts gegen Veranstaltungen. Man muss nicht alles absagen.

Es klingt durch, dass Coronatests im Herbst kostenpflichtig werden sollten. Eine gute Idee?
Das ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn es hilft, dass sich mehr Menschen impfen lassen, dann bin ich dafür. Wenn man damit allerdings Impfgegner weiter in ihrer Haltung stärkt und das Gegenteil erreicht, dann geht der Schuss nach hinten los. Leider kann man vorher nicht wissen, wie sich kostenpflichtige Tests auf das Impfverhalten auswirken werden.

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