100 Jahre Eheschließung

Die kirchliche Trauung:
Mit dem Anschlusss Österreichs an das Deutsche Reich begann die Regierung rasch die österreichische Verwaltung an die Bestimmungen der neuen Machthaber anzupassen, was allerdings nicht so ohne Weiteres möglich war. Eheschließungen waren bis 1939 eine Angelegenheiten anerkannter Religionsgemeinschaften. Für Paare ohne Bekenntnis fanden Eheschließungen bei den Bezirkshauptmannschaften statt. Vor zweihundert Jahren noch, war niemand zu finden, der zugab, der keinen Glauben zu haben.

Vom Beginn der standesamtlichen Trauung 1939: 
Von 1939 bis 1945 trat das Phänomen der „Gottgläubigen“ auf, das waren jene Gläubigen, die das Dritte Reich verehrten.
Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 übernahm die Ostmark die reichsgesetzlichen deutschen Vorschriften, wie die Einführung des Personenstandsrechtes und die Einrichtung der Standesämter in bestimmten Orten, wie z. B. in der Marktgemeinde Ehrenhausen. Die rechtsgültige Ehe konnte nur mehr von einem dazu befugten Organ geschlossen werden. Die katholische Kirche durfte zwar weiter Trauungen durchführen, das war aber Privatsache und wurde von den Ortsgruppenleitern der NSDAP kritisch beäugt.

Errichtung eines Standesamtes in Ehrenhausen: 
Mit Verfügung vom 28. Oktober 1938, Zl: 7 Pe 3/6-1938 legt die Bezirkshauptmannschaft Leibnitz, Bezirkshauptmann Dr. Karl Assmann, den Standesamtsbezirk Ehrenhausen fest. Das Amt des Standesbeamten führt Bürgermeister Johann Tatzl, Schlossermeister in Ehrenhausen, Stellvertreter Oberlehrer Josef Cerjak, beide wohnhaft in Ehrenhausen.
Amtswalter Macher wurde darüber informiert, dass bis zum 1. Januar 1939 dem feierlichen Anlass entsprechende Trauungsräume herzurichten sind und ein Merkblatt mit genauen Hinweisen übermittelt.
Für die Möbel hatte ein ortsansässiger Tischler zu sorgen, der den sogenannten Truhentisch anzufertigen hatte. Das galt auch für die Herstellung grober Sitzbänke und des hölzernen Lattenfußbodens. Zur Ausleuchtung des Raumes lieferte die Fa. Schönbauer, Graz den Leuchter Nr. 12287. Vorgesehener Fertigstellungstermin ist 1. Januar 1939. Der Raum soll einfach weiß oder gelb gebrochen ausgemalt sein.
An der Rückwand, den Eintretenden sofort sichtbar, ist das Bild des Führers anzubringen (Lichtbild, dunkel gerahmt).

Angelobungstext für Standesbeamte: 
Namens der Gemeinde nimmt der Bürgermeister die Bestellung und Angelobung der Standesbeamtin oder Standesbeamten vor:
„Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe.“

Ausstellen von standesamtlichen Urkunden: 
Infolge der besonderen Wichtigkeit, der von den Standesämtern auszustellenden Urkunden, ist es notwendig, Urkundentinte und Urkundenfarbbänder (für Dokumente in Maschinenschrift) zu verwenden. Für das Stempelkissen ist Pelikan-Grün zu verwenden.
Die ersten Vordrucke können bei den Strafanstalten in Anrath bei Krefeld oder in Berlin Plötzensee bezogen werden. Später liefert auch die steiermärkische Landesdruckerei.
Ab 1. Januar 1939 sind Standesbeamte auch befugt die Ahnenpässe zu beglaubigen. Während des Krieges finden Ferntrauungen mit Soldaten statt, die an der Front im Kampfeinsatz stehen.

Überreichung der Sonderausgabe von  „Mein Kampf“:
Die Standesbeamte und Bürgermeister waren dazu verhalten anlässlich der Eheschließung Hitlers „Mein Kampf“ zu überreichen. Bestellungen sind an den Südbayrischen Buchversand Ernst Groll, München 15, Bavariaring 41 zu richten:
Sonderausgabe von „Mein Kampf“, für Neuvermählte, zum Preis von RM 7.20 pro Stück, in Halbleder, Goldschnitt und Kassette.
Wussten Sie, dass Adolf Hitler der Autor des Werkes „Mein Kampf“, seiner Schwester nach seinem Tode rund 143 Millionen Reichsmark hinterließ, das sich als Autorenhonorar auf seinem Konto angehäuft hatte?
Eheringe
Ab 15. Jänner 1940 durften Trauringe ohne Anlieferung von Gold nur mit Aufgebotsbestätigung des Standesamtes von den Händlern abgegeben werden. Der Goldgehalt ist mit 333/1000 (8 Karat) recht bescheiden, garantiert aber die Rostfreiheit. Ziselierte oder facettierte Eheringe mit einem höheren Feingehalt als 333/1000 bedürfen der Zustimmung der Reichsstelle für Edelmetalle.

Gewährung von Ehestandsdarlehen: 
Anlässlich der Heirat hatte das frischgebackene Ehepaar die Möglichkeit, um eine Ehestandsdarlehen anzusuchen, das zeitgleich mit der Trauung vom Standesbeamten auszufolgen war. Die Standesbeamten im Landkreis Leibnitz hatten die Eheschließungstermine dem Referenten beim Finanzamt Leibnitz, Herrn Mescher, rechtzeitig bekanntzugeben und den Trauungstag mitzuteilen. Bei verkürzter Aufgebotsfrist hat das Standesamt das Finanzamt ebenfalls zu verständigen.

Rüge des Kreisleiters: 
Am 5. Juli 1943 beklagt der Landrat von Leibnitz mit Schreiben an die Gaufrauenschaftsführung in Graz, Zl. II-350/158-1943, den jämmerlichen Zustand des Trauungsraumes in Ehrenhausen und bittet die Leiterin, ein Eckzimmer im Georgischloss in Ehrenhausen als Feierraum zur Verfügung zu stellen.
Nach Kriegsende übernimmt die wiedererstandene Republik Österreich die meisten deutschen Rechtsvorschriften mit Überleitungsgesetz.

Quelle: Erlässe des Landratsamtes Leibnitz und der Kreisleitung Leibnitz.

Autor:

Friedrich Klementschitz aus Leibnitz

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