Anfänge der Lawinenrettung

Am 6. März 1838 begaben sich die zwei Geschwister Anselm und Anna Grandegger in der an der Südseite von St. Jakob in Tirol gelegenen Kaiserwald, um Kleinholz zu ziehen. Die Witterung war, nach dem es am Vortag geschneit, teils geregnet hatte, heiter, die Atmospähre ruhig und windstill. Sie arbeiteten sorglos, ohne die geringste Gefahr zu ahnen, als sich plötzlich oben an der hohen und steilen Bergspitze eine Windlawine losriss, pfeilgeschwind unter heftigem Brausen, übe die waldlose Seite des Gebirges niederstürzte, und die zwei Geschwister, die man auf der Flucht begriffen sah, mit sich fort nahm. Furchtbar waren die von der Luft fortgewirbelten Schneemassen und bedeckten das gesamte Dorf so, dass die von der Ferne Zuschauenden selbst für das nächstsehende Futterhaus und Sägemühle besorgt waren. Augenblicklich erklang nun der Ruf zur Rettung dieser Verunglückten, und in der Zeit von fünf Minuten war der dortige Seelsorger mit den Ersten an der Unglücksstelle. Doch, wo sollte man suchen? Die Lawine lag an manchen Orten 15 Fuß tief und hatte eine Breite von 300 Schritten. Zum Glück befanden sich unter den Herbeigeeilten einige, welche die Stelle wussten, wo sie von den Schneemassen fortgerissen wurden. Man beschloss daher, mit Beachtung der nötigen Vorsicht den Ort in gerader Richtung von obiger Stelle mit langen Latten zu untersuchen, um Zeit zu ersparen, weil noch wenige Arbeiter beisammen waren und selbst von diesen die meisten die Hoffnung auf Rettung aufgaben. Von ungefähr war auch ein Jagdhund mitgelaufen, wodurch der Seelsorger auf den Gedanken kam, denselben als Suchhund zu verwenden, und man schickte auch noch um einen zweiten. Indes bot man durch Lärmzeichen mit der Glocke auch die Entfernteren zur Hilfe auf. Nach einer Stunde entdeckte der Jagdhund wirklich den 22jährigen Mann; dessen Schuhe er von einer leichten Schneehülle losgescharrt hatte, als man auf sein emsiges Graben herbeieilte. Er war noch am Leben und hatte außer einer leichten Kontusion am Kopf keinen bedeutenden Schaden genommen. Aufgemuntert durch diesen glücklichen Erfolg, arbeitete man mit doppeltem Einsatz, um, wenn möglich, auch dessen 28jährige Schwester zu retten, und man war so erfolgreich, sie um halb zwölf noch lebend aufzufinden. Doch sie lag mit dem Kopf sehr tief, war schwer verletzt und blutete stark. Nach einer Viertelstunde verlor sie alle Lebenszeichen. Es wurden zwar unter Anleitung und Ansporn des dortigen Seelsorgers bis in den späten Nachmittag alle zur Verfügung sehenden
Rettungsmittel versucht, doch vergebens, die Unglückliche erwachte nicht wieder.
Dank allen, die zur Rettung beigetragen haben, besonders dem Johann, Andrä und Simon Bergmann, dem Pater Stemberger und Jakob KLeinlercher, welche die Ersten waren. Möchten alle von diesem Unglücksfall lernen. Vaterländischer Pilger 1839.

Autor:

Friedrich Klementschitz aus Leibnitz

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