Aus der Ortsgeschichte von Retznei
Beginn der Zementproduktion

Die Zementproduktion im Steirischen und Obst- und Weinland, bzw. unter welchen Voraussetzungen sie begann:
Überblickt man in Hinsicht auf die für die Zementindustrie notwendigen Rohstoffe die Steiermark, so kann man feststellen, dass Kalk, Mergel und Lehm an verschiedenen Orten des Landes vorhanden sind. Vielfach bestehen Vorkommen von ansehnlicher Substanz, wie im Kollischberg bei Wildon und im Raum des unteren Murtales zwischen dem Südende des Grazer Feldes und der Staatsgrenze bei Spielfeld. In diesem Gebiet liegen Kalk- und Mergelvorkommen in unmittelbarer Nähe von mächtigen Lehmlagerstätten in verkehrsgünstiger Lage. Die kalkige Komponente erscheint in der Form des Leithakalkes und als poröser Kalksandstein. Dieser Kalksandstein ist das durch kalkige Bindemittel verfestigte Produkt einer Ablagerung zertrümmerter tierischer und pflanzlicher Kalkschalen und hat in der Vergangenheit und Gegenwart in der Steinindustrie für Steiermark und im Besonderen für Graz dieselbe Bedeutung wie der Kalksandstein des Leithagebirges für Wien. Zahlreiche Bauten zeigen seine Verwendung schon in früherer prunkliebender Zeit. Der Leithakalk ist in der Hauptsache aus Kalkalgen aufgebaut, die, ähnlich wie Korallen, riffartig in Küstennähe des vor vielen Millionen Jahren die Gegend bedeckenden Meeres wuchsen, und wie der Kalksandstein hatte auch der Leithakalk als Baustein eine große Bedeutung.

Fabriksbau in der KG.  Retznei :
Ein Zeitungsbericht aus Ehrenhausen, am 6. Juni 1908: "Es geht hier das Gerücht, dass in Retznei nächst Ehrenhausen eine Zementfabrik gebaut werden solle. Schon sind einige Bauerngründe und ein Bauplatz gegenüber dem unteren Wächterhaus (das obere stand 500 Meter südlich der Sulmbrücke, ehemals bewohnt von Familie Marsch) in Retznei angekauft." Hauptunternehmer waren die Herren Franz und Scherbaum aus Marburg.
Von anderer Seite wird über diese Angelegenheit berichtet: "Im benachbarten Retznei soll eine Zementfabrik gebaut werden. Zu diesem Zweck wurden bereits fünf größere Bauernhäuser angekauft, weitere Ankäufe dürften folgen, so dass das einst blühende Bauerndorf in Kürze verschwinden wird. Als Käufer zeichnen Ludwig Franz´ Söhne und Scherbaum & Cie. in Marburg." 
Die Zeitung "Steirerland" berichtete, der Initiator für den Zement-Fabriksbau sei der Kunstmühlenbesitzer Krendl aus Wildon gewesen.

Eine neue Zementfabrik: 
Die Großindustriellen Josef und R. Rudolf Franz, Styria Dampfmühle in Marburg a. d. Drau, Dampfmühle und E-Werk in Gr.-Kanisza und Domenik Menis, sämtliche Marburg, erbauen unter der Firma „Ehrenhausener Portlandzementwerke G. m. b. H.“ in Retznei bei Ehrenhausen an der Südbahn eine Portlandzementfabrik. Gestützt auf die reichhaltigen Lager von sehr reinem, weichem, kreideartigen Kalkstein und vorzüglichem Ton entstand im Jahre 1908 die „Ehrenhausener Portlandzementwerke Ges. m. b. H.“ in dem 2 km von Ehrenhausen entfernten Bauerndorf Retznei. Die Fabrik -Anlage wird auf eine jährliche Produktion von 4000 bis 4500 Waggons eingerichtet. Am 1. März 1910 wurde die Werkanlage in Betrieb genommen und damit das drittgrößte Drehofen-Zementwerk im damaligen Österreich nahm die Produktion auf.
Im Jahre 1910, also noch im ersten Jahre der Inbetriebnahme des Werkes, übernahm die Perlmooser AG. diese Anlagen. Schon die ersten Jahre unter der neuen Leitung brachten eine große Zahl von Änderungen und Erweiterungen. Zu den zwei vorhandenen Drehöfen kam ein dritter hinzu; dadurch erhöhte sich die Kapazität auf 100.000 Tonnen.
Im 600 Meter entfernten Steinbruch in der KG. Unterlupitscheni wurde der Kalkstein händisch gebrochen und von einer Schmalspurbahn, welche auf ihrem Weg die Tongrube bei der sogenannten "Winkelstation"  berührte und auch den Ton aufnahm, in die Rohmaterial-Aufbereitung gebracht. Diese Anlage arbeitete mit 1912 mit zwei Drehöfen. Die zwei Drehöfen mit erweiterter Sinterzone hatten eine Länge von 43 Meter und einen Durchmesser von 2.1 Meter (2.4 Meter) und leisteten in 24 Stunden zusammen zirka 210 Tonnen Klinker, der in einem Klinkerschuppen bis zu 10.000 Tonnen gelagert werden konnte.  Die Zementmühle bestand aus zwei Kugel- und zwei Rohrmühlen und ermahlte in der Stunde 8 Tonnen Zementmehl. Die Lagerung des Zementes erfolgte in 18 Silozellen mit einem Fassungsraum von zusammen 3600 Tonnen. Mit seinen Einrichtungen leistete das Werk 40.000 bis 50.000 Tonnen Portlandzement im Jahr.
Bei der Regulierung der Mur fand Zement als Bindemittel für den Flussschotter zur Herstellung von Betonblöcken  reichlich Verwendung. Die Transporte führten örtliche Bauernfuhrwerker durch, die gut bezahlt waren. 

Quellen:
Sondernummer 80 Jahre Perlmooser Zement 1952.
Grazer Volksblatt vom 10. Juni 1908.
Prager Tagblatt Nr. 280, 11. Oktober 1908.

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