Heimatkunde
Das Fleisch des Waldes

Was wir als Schwämme oder Pilze bezeichnen, sind größtenteils Kinder der Wälder. Sie lieben den feuchten Boden unserer dunklen Forste. Von den steirischen Schwämmen ist ein großer Teil essbar. Sie enthalten unter allen Gewächsen die meisten stickstoffhaltigen Bestandteile und sind äußerst nahrhaft.
Die höfische Kochkunst verstand es, aus Pilzen delikate Gerichte zu bereiten. Der Kaiserling (Amanita Caesarea), schon den römischen Cäsaren bekannt, gilt heute noch als exotischer Leckerbissen. Allerdings kennen nur wenige Experten diesen Pilz und seinen Fundort. Die „Pilzwaberln“ des Kleingrabens wussten, wo solche „Raritäten“ wuchsen. Sie pflückten die Kaiserlinge und verhökerten sie um teures Geld einem Kaufmann in Gleinstätten. Im Gasthaus „Rollthomerl“ in Fresing zubereitet, fand dann mit den Honoratioren der „Kaiserlingschmaus“ statt.

Pilze sichern das Überleben der Bevölkerung:
Von den ärmeren Volksschichten waren früher die Pilze als „Fleisch des Waldes“ sehr gesucht. Das Hauptnahrungsmittel der Mittelsteiermark, der türkische Sterz, mit Schwammerlsuppe serviert, ist heute noch ein sehr beliebtes Gericht.
1787 schildert ein landschaftlicher Arzt die Essgewohnheiten des Landvolkes in Soboth: „Das Landvolk ist stets gewohnt, täglich den unvollkommen ausgekochten Sterz ungeschmalzen oder mit Essig und Schwämmen zubereitet zu verspeisen oder es nimmt einen dicken Mehlpapp (Koch) zur alltäglichen Speise. Die Hülsenfrüchte machen die übrige Kost aus“.
Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges und den folgenden Hungerjahren, erfuhren die Schwämme eine große Wertschätzung. Als die deutschen Kolonialtruppen in Deutsch-Ostafrika 1918 eingeschlossen waren, gelang es ihnen nur mit Hilfe der Schwämme dem Feind mehrere Monate standzuhalten. Tausende steirische Kriegsgefangene, die in sibirischen Lagern hungerten, überlebten nur durch das Wissen über die Schwämme und ihre Zubereitung.
Vorsicht: Seit dem in der Sowjetunion die Atomruine von Tschernobyl vor sich hin strahlt, sind unsere Schwämme - besonders in den höheren Lagen - radioaktiv verseucht und sollten nicht bedenkenlos gegessen werden.

Autor:

Friedrich Klementschitz aus Leibnitz

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.