Aberglaube und moderne Medizin
Das magische Johanniskraut

Das Johanniskraut (Hybericum) soll aus dem Blute Johannes des Täufers oder aus dem Blut Christie entstanden sein. Es heißt deshalb wohl auch Gottesgnadenkraut und Herrgottsblume, Blutblume, Christi Blut, Herrgotts Wunderkraut und Blutblume. Der harten Stängel wegen wird es Hartheu genannt. Das Kraut soll alle möglichen Krankheiten heilen, ja sogar Unholde verjagen können. Der Schlesier nannte es darum „Jageteufel“ und der Schweizer „Hexenkraut“. Von besonderer Wichtigkeit ist es für das schöne Geschlecht. Wenn die Mädchen es um die Mitte der Nacht pflücken und in das Wasser streuen, so dürfen sie aus dem Aufblühen oder Verwelken der Pflanze mit unfehlbarer Sicherheit schließen, ob sie in dem laufenden Jahre einen Freier haben oder nicht.“ Die schlesischen Mädchen benutzen das Johanniskraut noch auf eine andere Art als Orakelblume. Zuweilen ist der Saft, der aus der verletzten Blume quillt, nicht rot, sondern fast grau, und das wird als günstig oder ungünstig gedeutet, wie das Sprüchlein sagt: „Bist mir gut, gibst mir Blut; bist mir gram, gibst mir Schlamm.“ Der rötliche Saft, der aus der verletzten Blütenknospe herausfließt, wird „Johannisblut“ genannt. Weil dieses gegen den Satan und seine Teufeleien schützt, hat der Böse aus Zorn darüber die Blätter durchbohrt. Man kann hier wieder sehen, wie das Volk bestrebt ist, allen Naturerscheinungen eine Deutung zu geben und diese zum Ausbau einer Weltansicht zu verwenden.

An Wegen und trockenen Stellen fällt dem Spaziergänger Ende Juni eine hohe sperrige Pflanze mit kleinen Blättern und gelben Blüten auf. Sie wird von den Landbewohnerinnen Johanniskraut, auch Frauenkraut genannt. Hält man eines dieser Blättchen gegen das Licht, so erscheint es getüpfelt oder durchlöchert. Der Bevölkerung war in früherer Zeit das Johanniskraut eine seltsame und mit besonderen Kräften begabte Pflanze. Der Teufel, neidisch und voller Missgunst auf die Heilkräfte der Pflanze , kommt des nachts, so erzählt eine alte Sage, und durchsticht mit Nadeln ihre Blätter. Daher kamen viele Löcher in sie. In Wirklichkeit sind es kleine Öldrüsen, die über die Blätter verteilt und sie an diesen Stellen durchsichtig machen., wie ein Ölfleck auf ein Stück Papier. Presst oder verreibt man die Blüten und Blätter der Pflanze , so erhält man einen dunkelroten Saft, das St. Johannisblut. Diesem wurde einst eine starke Wirkung gegen Hexerei und Zauberwesen zugeschrieben. Darum gab man den Saft vor der Tortour den der Hexerei angeklagten Frauen ein, damit sie der Teufel nicht mehr beschützen könne. In Tirol pflückte man sich, wenn man einen langen Weg vor sich hatte, Johanniskraut vor Sonnenaufgang oder vor dem Abendläuten und legte es in die Schuhe. Man wurde dann vermeintlich nicht müde. Interessant ist übrigens, dass bereits Plinius erwähnt, wer Beifuß an sich hänge, werde auf der Reise nicht müde. Auch Grimm schreibt in seiner Mythologie dem Beifuß Kräfte zu, die nach anderen Quellen dem Johanniskraut eignen sollen, namentlich Schutz vor dem Teufel, vor bösen Geistern, vor dem Feuer. Beim Tanz um die Sonnwendfeuer musste man einen Kranz aus Johanniskraut tragen und am Niederrhein flochten die Kinder Johanniskränze und warfen sie auf die Dächer, damit sie dem Haus Segen bringen sollen. Es ist selbstverständlich, dass auch am „Kräutleintag“, an Maria-Himmelfahrt, in dem Kräuterbuschen , der in der Nähe der Kirche an diesem Tag geweiht wird, das Johanniskraut nicht fehlen durfte.

Das Johanniskraut wird wegen seiner heilenden und beruhigenden Wirkung geschätzt, aber es kann in Verbindung mit Medikamenten auch Schaden verursachen. Man sollte sich in den Apotheken erkundigen, was bei seiner Anwendung zu beachten ist. Dort erhältlich sind medizinische Zubereitungen, sodass man sich das Sammeln in der freien Natur und das Herumklecksen im Haushalt sparen kann.

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