Aberglaube
Katzenkult

Die Katze in der Mythologie: 
Eine Archäologin fand in Ägypten ein Königsgrab, das seit 6000 Jahren bestand. Es handelt sich um eine quadratische Anlage in deren Mitte der Körper des Toten lag. In mehreren umgebenden Vierecken sind eine Menge tote Tiere, wie Paviane, Krokodile usw. platziert. Die alten Ägypter sahen sich zwei abstrakten Systemen ausgesetzt: der Ordnung und dem Chaos. Die irdische Ordnung regelte das Leben, das Chaos war eine übernatürliche Herausforderung, dessen Vertreter Tiere symbolisierten. So war das Flusspferd der Vertreter des chaotischen Seth, während der Falke das Gegenteil, den Gott Horus, darstellte. Um das Chaos in den Griff zu kriegen, legten die Priester Tiergärten mit bis zu 130 verschiedenen Arten an, die sie sich durch Rituale nutzbar machten. An diese Tiere als Vermittler zu der höchsten Gottheit wendeten sich die Gebete der Männer um Klugheit und die der Frauen um Zeugungskraft.
In Unterägypten verehrte man die Katze Bast in der nach ihr benannten Stadt Bubastis. Dargestellt wurde Bast als Frau mit Katzenkopf und Sonnenscheibe darüber, in den Händen hielt sie einen Korb und ein Sistrum [Musikinstrument] oder das von den Göttinnen bevorzugte Blumenzepter. Bei den alten Ägyptern war Bast die Göttin der Freude und die Katze wohl das heiligste aller Tiere. In Bubastis stand der berühmte ihr gewidmete Tempel. Dort wurde ihr alljährlich ein große Fest gegeben, zu welchem Hunderttausende Menschen zusammenströmten. Auch alle toten Katzen wurden in dieser Stadt beigesetzt. Bei den Griechen hatte Artemis die Rolle der Bast übernommen.
Wer eine Katze tötete wurde gnadenlos mit dem Tod bestraft. Im Osten wird die Katze das Lieblingstier Mohammeds. Im 4. Jahrhundert nach Christus taucht die Katze in Italien auf. Palladius nennt sie „catus“. Von dort verbreitet sie sich in ganz Europa. In Deutschland erhielt das Tier im Mittelalter den praxisnahen Namen : Maushund.

Die Katze im Volksglauben: 
Wohl gegen wenige Tiere ist die Einstellung des Menschen so zwiespältig, wie gegen die Katze. Einerseits der Liebling ganzer Völker, bei den Ägyptern vergöttert im buchstäblichen Sinne des Wortes, heute auch von vielen gehätschelt, wird sie andererseits als Symbol der Falschheit, der Treulosigkeit bewertet, von ebenso vielen Menschen als Vogelmörderin , als tückisch egoistisches Wesen gehasst. Als beide dieser gegensätzlichen Auffassungen spiegeln sich im Volksglauben wieder.
Bei den Germanen galt die wilde Katze als Lieblingstier der Göttin Freya, deren Wagen mit zwei Katzen bespannt war. Im 10. Jahrhundert wird die Katze in der Gesetzessammlung von Wales als ein offenbar kostbares Tier erwähnt. Die Hauskatze, das Tier des Orients, hat in den nordischen Ländern Beziehungen zu Freia - vielleicht noch mehr zu Thor, dem Gewittergott, erhalten. Das schwarze elektrisierende Tier, mit funkensprühendem Fell und glühenden Augen – ist es nicht der Gewitterwolke vergleichbar? Und wo immer diese Auffassung vorherrschte, da finden wir die Katze als Hexenwesen, mit Zauberkraft ausgestattet. Wieder im doppelten Sinn: in Schlesien, Böhmen, der Pfalz schützt eine dreifärbige Katze vor Gewitter und Fieber; Feuer kann man löschen, wenn man sie hineinwirft. Aber auf Rügen gilt sie als Unglücksbote. Katzen darf man nicht schlagen, heißt es in Österreich; tut man es aber doch, muss es nur rückwärts geschehen – fügen die Slowenen hinzu. Die Thüringer schlagen keine Katze tot. Sie ertränken sie, sonst hätte man kein Glück. Letzteres verneint man in Böhmen und dem Erzgebirge: es brächte Unheil für sieben Jahre. Und will man dort jemand Unglück wünschen, vergräbt man eine tote Katze unter seiner Schwelle.

Auch in der Volksmedizin spielt die Katze eine doppelsichtige Rolle. In Böhmen, Tirol, Schlesien ist allgemeiner Glaube, dass Katzenfleisch die Schwindsucht heilt. Wer aber ein Katzenhaar verschluckt, bekommt diese Erkrankung und ein Kind wächst nicht mehr. Besonders schwarze Kater sind voller geheimer Kräfte. Wenn sie neun Jahre alt werden, fangen sie an unterirdische Schätze zu bewachen.

Allgemein in Süddeutschland und weiterhin ist die Meinung, ein Mädchen, das eine glückliche Ehe führen will, muss die Katzen gut füttern. Freia war ja die Eheschützerin. Aber ebenso allgemein heißt es, dass eine über den Weg laufende Katze ein Unglückszeichen ist. Ihr Putzen und Buckelmachen zeigt Gäste an. Im Vogtland mit der Variante, dass, wenn sie sich über die Ohren fährt, vornehmer Besuch, wenn sie aber über die Hinterbeine, jemand mit einem Stock kommt. Wer ihr beim Waschen zusieht, bekommt noch am selben Tag Prügel – sagt man in Böhmen – und wenn sie Brot liegen lässt, dann wird das Korn billig. In Norddeutschland legt man den Schrei einer Katze vor einem Haus Todes- oder Unglücksbedeutung bei. Im Aargau hält man dies besonders gefährlich in einer Freitagnacht. Das soll Unfrieden und Zank bringen. Besonders unheilverkündend wird es in Schwaben angesehen, vor der Trauung eine Katze auf dem Altar sitzt. In Oldenburg hat sie die etwas harmlosere Bedeutung des Wetterpropheten. Aus jener Richtung, in welcher die Katze kratzt und scharrt, kommt am anderen Tag der Wind, und wenn sie ihr Hinterteil dem Feuer zukehrt, wird es Frost geben. Aber wo ein Kater geprügelt worden ist, da ist allemal eine Unglücksstätte.

Die bekannte Redensart: „Die Katze im Sack kaufen“ stammt aus einem besonders im Mittelalter geübten Aberglauben, von den noch heute in Brandenburg, Pommern und Oldenburg Spuren finden. Man wollte vom Teufel den Hecktaler, jene Münze, die den Geldbeutel niemals leer werden lässt, erhalten, versuchte aber den Bösen zu betrügen, indem man einen schwarzen Kater in einen Sack steckte, mit 99 Knoten zuband, damit in der Silvesternacht dreimal um die Kirche ging und nach dem Mesner rief. Dann kam der Teufel. Man bot ihm den Kater als einen Hasen an, bekam den bewussten Taler dafür und hieß es Hals über Kopf heim zu rennen. Denn war man noch unterwegs, als der Teufel mit dem Aufknüpfen der Knoten fertig war, so ging es einem an den Kragen. Hörte man bei dieser Prozedur den Kater aufschreien, so wurde man taub. Dies ist der Ursprung dieser Redensart.

Die Verbindung der Katze mit den dämonischen Mächten zeigt sich noch mannigfach. Sie muss auch einmal Opfertier gewesen sein. Darauf deutet folgendes: In ganz Süddeutschland, im Aargau, aber auch in Ostpreußen, besteht der Glaube, dass derjenige, der zuerst ein neu erbautes Haus betritt, sterben müsse. Daher schickt man in diesen Ländern zuerst eine Katze hinein.

Auch unsichtbar machende Kräfte werden den Katzen zugeschrieben. In Tirol trägt man zu diesem Zweck einen Handschuhfinger aus ganz schwarzem Katzenfell am linken Daumen. Denselben Dienst tut in Böhmen ein Knochen von einem schwarzen Kater, den man am Christabend erstickt und dann gesotten hat. Auch das getrocknete, in der Milch einer ganz schwarzen Kuh gekochte Herz einer schwarzen Katze soll dafür tauglich sein.

Andere abergläubische Vorstellungen über die Katzen sind z. B. das Vertreiben der Schwindsucht durch sie. In Böhmen badet man die Kinder, um sie zu heilen, zusammen mit einer Katze im Wasser, das aus neun Quellen oder Brunnen zusammengeschöpft worden ist. In Franken steckt der an Nagelgeschwür Leidende seinen erkrankten Finger in das Ohr einer Katze. Arme Katze! Männer, die Katzenfreunde sind, bleiben ledig, sagen sowohl die Tiroler, wie die Schlesier. Hier scheint das Tier in erotischer Symboldeutung an Stelle der Frau zu stehen. Wer allzu viel an Frauenliebe konsumiert, auch der ländlich Don Juan, kommt freilich nicht zur Ehe.

Noch ein paar merkwürdige Proben von Vorstellungen, die mit der Katze in Verbindung stehen. In Ostpreußen lassen missgünstige Feinde eines Brautpaares demselben zwei an den Schwänzen zusammengebundenen Katzen über den Weg laufen. Das gibt eine friedlose Ehe. In Polen duldet man in einem Haus, wo sich ein kleines Kind befindet, keine schwarze Katze mit einem weißen Fleck. Ihr Atem würde das Kleine töten. Und in Mecklenburg und Oldenburg wandet man ein absonderliches Mittel an, um die Katze ans Hus zu gewöhnen. Man steckt sie in einen Sack, schlägt dann dreimal denselben um sich herum, nimmt dann die Katze heraus und lässt sie zuerst in den Rauchfang und dann in den Spiegel hinein schauen. Ob so ein nervöses und reizbares Tier, wie die Katze, nach solcher Behandlung wirklich anhänglich wird und sich an den Menschen gewöhnt, steht freilich billigermaßen in Zweifel.

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