Heimatkunde
Medizinhistorischer Rückblick

Es ist die Ära von Erzherzog Johann, in der die Steiermark bereits über ein öffentliches Sanitätswesen verfügt. Verlässliche Protokolle und aufschlussreiche Statistiken  bis zum Jahre 1860 beschreiben die Devianzen aus dieser Zeit.

Die Steiermärkische Medizinal-Verwaltung stellte bereits im 16. Jahrhundert für Quarantänemaßnahmen einen „Magister Sanitatis“ an. Durch das Sanität-Haupt-Normativ vom 2. Jänner 1770 wurde in Graz eine Sanitäts-Kommission eingesetzt. Der Sanitäts-Kommission war das gesamte Sanitätswesen des Landes anvertraut. Das änderte sich und die Behörde und nicht die Medizin traf die Entscheidungen. Am 4. Jänner 1776 wurde die Sanitäts-Kommission der Landesverwaltung unterstellt und seine Tätigkeit am 23. Oktober 1806 umfassend geregelt. Bei der k. k. Statthalterei in Graz ist ab 7. Februar 1854 ein Arzt als Sanitätsfachmann angestellt, der die Bezeichnung „Landes-Medizinalrat“ führen darf und nur mehr eine beratende Funktion hatte. Das gesamte Zivil-Sanitäts-Personal betrug nach Dr. Macher im Jahr 1858 1.237 Bedienstete und darunter waren 141 Doktoren der Medizin oder Chirurgie, die übrigen sind Wundärzte. Die Zahl der Hebammen beträgt 535. Unter den 375 Patronen der Chirurgie gibt es 337 Gewerbs-Chirurgen und bloß 38 Wundärzte.

Historische Aufschreibungen und Chroniken berichten über stationäre Krankheiten und zeitweise auftretende Seuchen. Besonders die Pest ist häufiger Gast in den steirischen Siedlungen. Die Berichte über diese schreckliche Zeit beginnen ab dem Jahr 1350 und gehen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts, wo dann die Ansteckung (Kontagion) sich abschwächt. Die orientalische Pest hat mehrmals in Graz gewütet. Die Geschichte hat uns nur die Jahre 1572, 1606, 1634, 1644 und 1680 aufgezeichnet. Die große Sterblichkeitsrate wie zur Pestzeit geht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, weil sich gegen die meisten Krankheiten in der Bevölkerung eine lebenslange Immunität entwickelt hatte.

Während und nach den napoleonischen Kriegen, ungefähr um das Jahr 1800, werden von französischen Soldaten neue Seuchen verbreitet. Der Fleck-Typhus brach im Franzosenkrieg 1809 aus, verbreitete sich besonders 1810 bis 1811, und hörte in den folgenden Kriegsjahren nie ganz auf.
Die medizinhistorische Betrachtung der steiermärkischen Seuchengeschichte lässt eine gewisse Resilienz der Bevölkerung erahnen. 

Krankheitsbilder:
Stationäre Erkrankungen:
1. Das Wechselfieber: (Malaria): Graz und in den Sümpfen der Oststeiermark. Tritt auch im Kainachtal, Murtal, an der Raab und den Flusstälern der Untersteiermark regelmäßig auf. Es wird auch kaltes Fieber oder Sumpffieber genannt.
2. Wurmsucht und Skrofeln: Kommt vereinzelt örtlich vor.
3. Alpengicht, Herzfehler, Wassersucht: In Pöllau, Vorau, Weiz, Voitsberg. Stainz.

Verschiedene epidemische Krankheiten:
1. Schnupfen (Strauchen).
2. Grippe (Influenza).
3. Ruhr
4. Keuchhusten
5. Nervenfieber (Katharrfieber)
6. Typhus
7. Masern, Scharlach
8. Blattern (Pocken)
9. Pest
10. Cholera

Die Pocken:
Auch Kinderblattern oder Urschlechten genannt. Die Griechen und Römer scheinen sie nicht gekannt zu haben. Sie seien in Ägypten entstanden. Seit dem Jahr 572 n. Chr. sind sie in Arabien bekannt gewesen. Die Sarazenen brachten die Pocken im 11. und 12. Jahrhundert nach Europa. Im Jahre 1270 waren die Pocken in England schon allgemein bekannt, von wo aus sie sich in Europa verbreiteten. 1578 erreicht die Ansteckung Schweden. Ein Holländer brachte sie aus dem Vorgebirge der guten Hoffnung. Im Jahre 1733 bringen die Dänen die Pocken nach Grönland. Einige Jahre später erreichen die Pocken Island und treten in Deutschland um 1770 periodisch auf. Um 1800 waren die Pocken in Graz mörderisch. Sie töteten sehr viele Kinder. 2000 Menschen rettete die Kuhpockenimpfung vor der Ansteckung. 1806 starben noch über 60 Kinder in Graz an den Blattern.

Die Grippe (Influenza):
Die Bezeichnung Influenza (ital.) deutet wahrscheinlich auf einen atmospährischen Einfluss hin. Schon 1358 und 1387 ist in Italien die Rede von Influenza freddo und Influenza d´una tosso d´un freddo. Dieser Begriff wird erst wieder für die Epidemie von 1743 gebraucht. 1742 trat die Influenza neuerlich in Mitteleuropa auf und erhielt damals zuerst in Frankreich den Namen „la grippe“ (von gripper „greifen“) , der sich später überall einbürgerte.
In den Jahren 1729/30 herrschte in ganz Europa nasskaltes Wetter. Der Winter 1729 dauerte sehr lange und war streng. Der Winter hatte lange gedauert, dass in den meisten Wirtschaften das Futter ausging und viel Vieh verhungerte. Durch Nebel, Tau und Reif verdarben die Weiden. Im Sommer wehten austrocknende, kalte Winde. Die Quellen und Brunnen versiegten. In Österreich wütete eine Grippeepidemie.
1733 ungesunde Witterung in der Steiermark; die Influenza von 1732 tritt bis 1734 im Raabtal wieder auf.

Die Pest:
Von lateinisch Pestis, neugriechisch Pestilentia (von pedĕre-verderben). Pest hieß im Mittelalter jede epidemische Krankheit mit großer Mortalität. Heute versteht man darunter die sogenannte Beulenpest. In Westeuropa trat sie 1720 zum letzten Mal auf. In Europa wird sie in den 1840er Jahren zum letzten Mal beobachtet. 1878/79 zeigt sie sich in Epidemien in Oporto und Glasgow. Sie ist eine spezifische akute Infektionskrankheit, welche durch hohes Fieber, schlechten Allgemeinzustand, Schwellungen der Lymphdrüsen besteht. Ursache ist der 1894 entdeckte Pestbazillus.

Die Ruhr, Dysenterie:
Entzündung des Dickdarms und des Dünndarms. Die Dysenterie epidemica verbreitet sich durch direkte Kontagion, besonders in heißen Spätsommern epidemisch vorkommende spezifische Form, die je nach Entzündung der Dickdarmhaut verschiedene Erscheinungen zeigt. Die chronische Ruhr hat ihren Grund in längerem Bestehen einzelner Geschwüre mit fistulösen Bildungen in der Submucosa und verursacht gewöhnlich hochgradige Abmagerung und Anämie. Die Ruhr steckt zwar nicht von Person zu Person an; dagegen ist es möglich, dass durch den Stuhl der Ruhrkranken, bzw. durch von ihnen verschmutzte Wäsche und dergleichen die Krankheit übertragen werden kann. Sehr begünstigt die Anhäufung vieler Menschen auf verhältnismäßig engem Raum das Entstehen verheerender Ruhrepidemien.

Typhus, Nervenfieber:
Das Fleckfieber soll erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts erstmals in Europa aufgetreten sein. Es befiel niedere, morastige, feuchte Gegenden. In Ägypten und Zypern, und dort abgeschlossene Räume, wie Werkhäuser, Schiffe, Spitäler, Lagerräume, die engen Hütten der Armen. Aber manche Epidemien verschonen auch die gesündesten Gegenden und Orte, auf Bergen usw. nicht, während niederliegende und sumpfige Distrikte verschont bleiben.
Typhus von griechisch Dunst, Brennen, Umnebelung der Sinne: Der Ausdruck ist von einem Symptomentnommen, dem betäubten, apathischen Zustand, in den die meisten Typhuskranken verfallen. Der Typhus pechtialis, der eigentliche Typhus, das Fleckfieber, der Kriegs- oder Hungertyphus, ist eine kontagiöse, im Nordosten Deutschlands im 19. Jahrhundert häufig vorkommende Krankheit, in prekären Zustand lebender Bevölkerungsschichten. Zu hohen Fiebererscheinungen treten nach einigen Tagen rosafarbene Flecken, die gruppenweise in rascher Weise zum Vorschein kommen. Der Typhus abdomnalis oder Nervenfieber, ist die gewöhnliche sehr verbreitete Typusform.

Die orientalische Cholera:
Die Cholera indica epidemica eine ursprünglich aus Indien importierte, dort endemische, in Europa epidemische, selten sporadisch auftretende , sehr gefährliche kontagiöse Infektionskrankheit. Der von Koch entdeckte Kommabazillus, ein spezifischer Pilz, siedelt sich auf der Darmschleimhaut an und erzeugt hier einen intensiven Katarrh. In den Cholera sicca Fällen, in denen die Kranken unter großem Leiden schnell kollabieren, abkühlen und nach wenigen Stunden ohne Durchfall sterben.

Der Friesel:
Miliaria crystallina (Hautgries) oder Friesel (von Fries) genannt, der eigentlich Frieselausschlag, eine eigene, fieberhafte oder fieberlose, besonders Typhöse und pymäische Krankheiten begleitende der für sich bestehende und nicht mit Schweißbildung zusammenhängende Ausschlagsform ohne besondere klinische Bedeutung. Während des Verlaufes dieser Krankheit entstehen plötzlich am Körper zahlreiche isolierte Bläschen von der Farbe der Haut mit wasserklarem Inhalt und verschiedenlanger Dauer. Der Friesel selbst ist ein durchaus einfacher Hautausschlag, dem nicht die Bedeutung einer selbständigen Krankheit zukommt, der vielmehr nur als eine begleitende Erscheinung der verschiedensten fieberhaften Krankheiten, z. B. des Typhus, des Nervenfiebers, des Kindbettfiebers, des Gelenkrheumatismus, des Scharlachs, der Pocken, Masern usw. zu sehen ist. Der Friesel zeigte sich in zwei Erscheinungsformen. Den weißen und den roten Friesel. Der weiße Friesel, auch Porzellanfriesel, Schweißfriesel bezeichnet, besteht mit klarer Flüssigkeit gefüllten Bläschen auf vollkommen gesunder Haut. Als roten Friesel bezeichnet man einen Bläschenausschlag, der auf geröteter Haut steht und durch starkes Schwitzen eintritt.
Noch um das Jahr 1800 hielt man den Friesel für eine selbständige Krankheit, und vermutete, dass er vielleicht schon den Ärzten des Altertums bekannt gewesen sei. In Leipzig zeigte sich 1652 eine von Welsch beschriebene Epidemie, die schon vier Jahre früher in Lübeck geherrscht hatte. Scharlachfriesel nannte, wenn erst Scharlachflecken herauskommen, und nachher die Frieselbläschen. Beides konnte zugleich geschehen. Die Scharlachflecken konnten vergehen, und der Friesel bleiben.
Der Friesel konnte jedes Alter und Geschlecht befallen. Es gibt einen hitzigen und chronischen Friesel, auch ein Frieselfieber ohne Friesel. Flüchtige öfters wiederkehrende Schauder, Kältegefühl; so dass den Patienten bei der geringsten Entblößung friert. Bei einer Erkrankung wagten die Ärzte keine Prognose über den Verlauf, der trügerischer sein konnte, als bei allen anderen Leiden. Sie waren bei keiner Krankheit so besorgt und unsicher. Die schlimmsten Erkrankten, selbst schwache, erschöpfte und betagte Personen, kamen oft durch, während die stärksten starben. Die Krankheit veränderte sich oft ohne erkennbare Ursachen. In Wien starb am 5. Dezember 1791 der Komponist Wolfgang Amade Mozart am Frieselfieber. Die begleitende Grunderkrankung ist nicht überliefert.

Ausbreitung und Dynamik von Infektionskrankheiten im Herzogtum Steiermark von 1800 bis 1860:
Grippe und Nervenfieber:
1824 in der Gegend von Videm und Kostreinitz, 1827 Reichenburg und Lichtenwald, 1828 Kapellen an der kroatischen Grenze, 1837 in Ratten und Rettenegg, 1839 in Talberg, 1841 in Pöllau, 1837 und 1840 Nervenfieber in Ratten und Rettenegg,

Ruhr:
1791 bis 1800 Graz, 1825 östlich von Cilli, 1826 Rann, Wisell, 1826, 1827 und 1828 Rann, Lichtenwald, 1830 Hartberg, Neudau, Neuberg, 1834 Windischgraz, Lichtenwald, 1837 Neudau, 1849 Grazer Kreis, Windischgraz, 1850 Petersdorf bei Feldbach, 1851 Weiz, 1852 im Mürztal, 1854 in St. Michael, 1825 Lichtenwald und Cilli, 1828 Graz, 1830 Graz, 1834 Graz, 1854 Leoben, Frohnleiten, Radkersburg, Gonowitz und die gesamte Untersteiermark;1855 Marburger und Grazer Kreis, 1856 Feistritztal, Gleisdorf, Voggenberg, Obertiefenbach, Gonowitz, Lichtenwald.  

Typhus:
1794 Graz, 1797 Graz, 1799 Graz, 1806 Graz, 1824 Rann, 1824 bis 1828 Rann und Lichtenwald, 1825 Sdole, Kosteinegg, 1827 Bezirk Lichtenwald, 1828 Kapellen, 1831 und 1837 Schaueregg, Talberg und Rettenegg, 1834 Lichtenwald, 1841 Friedberg, Vorau, Pöllau und Hartberg, 1844 in und um Cilli, 1846 Bruck, Mürzzuschlag und Mahrenberg, 1847 Tüffer, Winter 1847 und 1848 in Petzelsdorf und Fehring, 1848 und 1849 in Hartmannsdorf, 1849 Fürstenfeld, Haidin und Neudorf bei Pettau, 1850 Leitersdorf bei Hainfeld, 1851 Knittelfeld, Irdning, Leoben, 1853 Gonowitz, Steniz, Hochenegg und Neumarkt, 1855 in Puch, Weiz, St. Ruprecht, Pischelsdorf, St. Johann bei Pöllau, Rieg, Kaltenfeld, Saustrom-Gebiet, 1856 Mahrenberg, Rieg, Kaltenfeld, Lichtenwald, 1858 Gebirgsgegend von Kainach, Juni 1858 in Kohlschwarz. Im Jahre 1846 und 1847, dann 1851 und 1852 in Graz, Voitsberg, Weiz, Fürstenfeld, Fehring, Sinabelkirchen.

Masern, Scharlach, Rotlauf:
1804 und 1805 Graz, 1824 Scharlach in Kapellen, Pischätz und Sromlje, 1838 Graz, 1833 und 1837 Masern und Grippe in Graz, Masern, 1837 Masern in Fürstenfeld, 1838 und 1839 Weiz, 1839 Scharlach Windischgraz, 1840 Rotlauf in Graz, 1842 Masern in Graz, 1842 und 1844 Masern in Fürstenfeld, 1845, 1848 und 1856 Scharlach in Fürstenfeld, 1850 Scharlach in St. Leonhard bei Marburg, 1853 bis 1859 Masern in Stainz und Deutschlandsberg, 1849 bis 1850 Masern in Gleisdorf, 1851 Scharlach in Pöllau, 1854 in Judenburg, Leoben, Eisenerz, Gleisdorf, Mahrenberg, 1855 St. Gallen und Kindberg, 1856 in Mureck, ansonsten periodisch alle 4 bis 5 Jahre in der gesamten Steiermark.
Scharlachepidemien 1849 Murau und Neumarkt, 1850 bis 1856 Scharlach in den Windischen Büheln, 1851 Pöllau, 1852 Leoben und Kindberg, 1853 Stainz und Deutschlandsberg, 1854 Mariazell, 1855 Mürzzuschlag und Arnfels, 1856 Neumarkt, 1857 Mureck.
Friesel kommt als selbständige Krankheit vor und eine Epidemie hat im Lasnitztal und Deutschlandsberg um 1850 manchen Talbewohner dahingerafft.

Blattern, Schafblattern, Pocken:
1806 Graz, 1827 Lichtenwald, 1827 Reichenburg 19 %, 1831, 1833 und 1839 Hartberg, 1831 Ratten 8.7 %, 1832 Ratten, Rettenegg, 1839 in Schildbach bei Hartberg 7.7 %, 1846 bis 1855 Weiz, 1849 Graz-Umgebung und Frohnleiten bis 1857, 1849 bis 1850 Weiz, 1850 Aussee, Irdning, Liezen, 1852 und 1855 Gleisdorf und Sinabelkirchen, 1854 St. Johann bei Voitsberg 4 %, 1855 bis 1856 Murau, Neumarkt, Leoben, St. Gallen, Vorau, 1856 Mahrenberg, 1856 Schwanberg
8 %, Bruck, Mariazell und Mürztal, Pöllau, Birkfeld, Weiz, St. Leonhard bei Marburg, Oberradkersburg, Luttenberg, Friedau, Gonowitz, Mahrenberg, 1856 in den Gebirgsgegenden von Weiz., Rabenwald, 1856 und 1857 Gonowitz. Die Prozentsätze geben die Sterbe-Raten an.
März 1832 Scharlachfriesel in Ratten.

Orientalische Cholera:
August 1831 Fürstenfeld, Neudau, Frohnleiten, 1. Juli 1832 Mariazell, 29. August 1832 an der Lafnitz, Oktober 1832 Mürzzuschlag, 1832 Hartberg, 1836 Mürzzuschlag, Mariazell, Cilli, Zellnitz, 1837 St. Oswald, Unterfeising, 1849 Windische Büheln, Spielfeld, Zirkoviz bei Pettau, Tüffer, Fürstenfeld, Hartberg, 1849 Zirkovez, 1849 und 1850 Fürstenfeld, 1850 Aschbach bei Marizell, Kindberg, Knittelfeld, Feldbach, Kerschbach bei Windisch-Feistritz, Tüffer, Hartberg, August 1850 in Leitersdorf bei Hainfeld, 1854 Oberburg, 1855 Neudau, St. Oswald, Unterfeising, Radusch, Schönstein, Gonowitz, Gerstorf bei Faal, Brunndorf, Gorzaberg, Pletterje, Franz, Sternstein, Süßenberg, Ponigl, Sottelgegend, August 1855 Rohitsch, Heiligen Kreuz, Kostreinitz. 

Keuchhusten:
1824 Lichtenwald, 1838 und 1856 Fürstenfeld,

Pest:
1846 in Jerusalem im Bezirk Friedau.

Sanitätspolizeiliche Maßnahmen in verseuchten Orten:
Eine retrospektive Betrachtung der Situation in der kritischen Phase, wo aus einer abstrakten Gefahr sich eine echte Bedrohung für die Orte anbahnte, leisteten die Sanitätsbehörden logistische Unterstützung. Für die Durchführung der verpflichtenden Anordnungen und für die Kosten der Maßnahmen hatten die Bürger und Herrschaften aufzukommen.

Rascher Anstieg von Infizierten :
Bereits den mittelalterlichen Medizinern ist bekannt, wie sich epidemische Erkrankungen durch verschiedene Formen der Ansteckung (Kontagion) auf gesunde Menschen übertragen. Als Kontagion (lat. Berührung) wird im Mittelalter die Ansteckungsmaterie bezeichnet, die Substanz, welche die Krankheit von einem Menschen auf den anderen überträgt. Man spricht von Contagium vivum, von einem lebenden Kontagionsstoff, von Mikroorganismen, den Bakterien.
Weit verbreitet sind die Statuen des Heiligen Sebastian, in dessen Körper Pfeile stecken. Sie sollen die auf ihn zufliegende Ansteckung mit dem Pestbazillus darstellen. Die epidemischen Krankheiten verbreiteten sich rasch, weshalb die Gemeinden sich bemühten, die Kranken möglichst schnell an gesicherten Stellen zu verwahren, wofür geeigneter Objekte benötigt wurden. Damit reduzierte sich die Zahl der Neuinfektionen während der Epidemie.

Das Salzamtsgebäude als Isolierspital: 
In Ehrenhausen fand sich das im Jahre 1827 vom Salzärar verkaufte Salzdepot, das an der Mur-Brücke situiert war, als idealer Ort für die Quarantäne. Der Eigentümer des leerstehenden Salzamtsgebäudes, Kaufmann Schönwetter, der einen Handel in seinem Verkaufsgewölbe in Ehrenhausen (heute Gasthaus Halbwirth) betrieb, war mit dieser Nutzung einverstanden gewesen.

Zur Einrichtung des Spitals und Reconvaleszentenhauses sind 1831 nachfolgende Spenden eingegangen:
Im Bezirk Ehrenhausen wurden zur Benützung als Spital, Rekonvaleszenten- und Contumazhaus die Gebäude des Johann Baptist Schönwetter, Handelsmann in Ehrenhausen, dergestalt gewählt, dass das leerstehende sogenannte Salzamtsgehäude, bestehend im ersten Stock aus sechs Zimmern, 1 Vorsaal und 1 Küche, in welchem 16 Betten untergebracht werden können, zum Spital, das anstoßende ebenfalls leer befindliche Cotrollorsgebäude, bestehend aus 4 Zimmern und 1 Küche, in welchem 13 Betten untergebracht werden können, als Rekonvaleszentenhaus, und die zu ebener Erde des Salzamtsgebäudes ganz abgesondert befindlichen 2 Zimmer zu einem Notkontumazort bestimmt wurden.
Der Eigentümer der erwähnten Lokalitäten hat, selbe mit Einschluss des dabei befindlichen sehr großen Hofes und Zugbrunnens zu oberwähnten Zweck für die Dauer der möglich einzutretenden Cholera-Krankheit unentgeltlich abgetreten.

Durch geschehene Aufforderung wurden 21 Betten, jedes Bett bestehend aus einer Bettstelle, einem Strohsack, einem mit Stroh gefüllten Kopfpolster, 2 Leintücher und einer Kotze zusammengebracht, wozu Herr Herrschaftsinhaber Anton Graf von Attems 2, Herr Pfarrer Michael Nekrepp der Pfarre Gamlitz 3, die Marktgemeinde Ehrenhausen 5, und die übrigen 11 Bezirksgemeinden 11 Betten beizustellen sich erklärt haben.
Durch die von der Seite der Bezirksobrigkeit gemeinschaftlich mit Herrn Pfarrer Franz Xaver Leeb der Pfarre Ehrenhausen im herrschaftlichen Schloss und Markt Ehrenhausen vorgenommene Sammlung sind in Wiener Währung von nachstehenden Parteien eingegangen:
Vom Herrn Anton Graf von Attems, k. k. Kämmerer, ständischer Verordneter, Inhaber der Herrschaft Ehrenhausen 25 fl. (Gulden).
Von Herrn Ignaz Edlen von Kunsti, Verwalter und Bezirkskommissär der Herrschaft Ehrenhausen 10 fl.
Vom Franz Meckler 50 kr. (Kreutzer)
Andreas Schantl 1 fl. 40 kr.
Anna Meerschein 50 kr.
Mathias Neugenfind 1 fl. 15 kr.
Jakob Kicker 10 fl.
Anton Raggan 1 fl. 40 kr.
Johann Schönwetter 5 fl.
Philipp Lerch 2 fl. 15 kr.
Lorenz Genser 2 fl. 30 kr.
Georg Hütter 30 kr.
Maria Volkmayer 32 kr.
Franz Pestremer 1 fl. 15 kr.
Simon Weiß 25 kr.
Johann Ritz 1 fl. 15 kr.
Anton Kunze 30 kr.
Mathias Hatzl 30 kr.
Jacob Pernhaupt 6 kr.
Franz Vogelweider 1 fl.
Aloys Aßmann 1 fl.
Georg Scheiblein 2 fl. 30 kr.
Maria Perner 1 fl.

Nebst diesen hat Herr Pfarrer Michael Nekrepp der Pfarre Gamlitz einen freiwilligen Beitrag von 10 fl., dann eben derselbe durch die bei der Pfarrkirche zu Gamlitz vorgenommene Sammlung der Pfarre Gamlitzer Insaßen 7 fl. 16 kr. abgeführt, wodurch der bisher eingegangene Geldbetrag zusammen 87 fl. 52 kr. Wiener Währung beträgt.
Nicht minder haben die nachbenannten Parteien für den Fall des Bedarfes in natura beizustellen sich erklärt:
Joseph Pettle 1 Feuerzange, 1 Schürhaken, 1 Herdschaufel.

Johann Kerschner 10 Pfund Kerzen.
Herr Pfarrer Franz Xaver Leeb 3 Klafter Brennholz.
Anton Raggan einen Beitrag an Brot.
Jakob Böhm einen Teil des Bedarfes an Geschirr.
Anna Arresch einen Beitrag an Viktualien.
Maria Mayer 1 Feuerzange, 1 Schürhaken, 1 Herdschaufel.
Josef Kogler 2 Wasserschäffer.
Johann Kleinhans 2 Feuerzeuge und einen Teil Badschwamm.
Leopold Woniaska 1 Leintuch und Viktualien.
Anton Lampl 1 Leibstuhl ohne Topf.

Im Marburger Kreis bereitete man sich zur Zeit der Weinlese 1831 auf den Ausbruch einer Cholera-Epidemie vor, an der in Wien vom 7. bis 9. Oktober 1831 1.954 Personen erkrankt und 844 gestorben waren. Im Bezirk Burg-Marburg hat sich der Herr Kreisdechant und Stadtpfarrer in Marburg, Pichler, ein Weingarthaus für die Reconvaleszenten unentgeltlich überlassen.

Abwehr durch Desinfektion nach 1860 :
Die Desinfektion, bei der man sich in früherer Zeit auf Räucherungen und allerlei anderen Hokuspokus beschränkt hat, fing schon im Laufe der 1870er Jahre, als vorerst immer mehr Gewicht auf die mechanische Reinigung gelegt wurde, an, in die richtigen Bahnen einzulenken, die spätere Einführung der chemischen und endlich der Dampfdesinfektion, der die Organisation eines geregelt Desinfektionsdienstes in den Städten und auf dem Land folgte, bedeutete einen Höhepunkt der bisherigen Bemühungen in der systematischen Vernichtung der Krankheitserreger, wenn auch nicht zu verkennen ist, dass diese Methoden infolge einer gewissen Überlastung der ausführenden Organe in Misskredit gekommen sind.
Als der wichtigste Fortschritt in der Abwehr der Infektionskrankheiten dürfte jedoch die Erkenntnis zu bezeichnen sein, dass die Vernichtung aller vorhandenen Krankheitserreger weder möglich ist, aber auch nicht genügen würde, weil von außen immer neue Keime hinzukommen können und sich „der Verkehr nie keimfrei“ gestalten lässt, dass es vielmehr darauf ankommt, den Krankheitserregern den geeigneten Nährboden, das ist die Gelegenheit zur Vermehrung und Weiterverbreitung zu entziehen.
Die Sanierungen, die durch diese Erkenntnis angeregt und seit 1882 in Anbetracht der Choleragefahr energisch angegangen wurden, haben nicht nur einen merklichen Rückgang der schlimmsten Infektionskrankheiten bereits zur Folge gehabt, sondern wirken sich zweifellos auf den allgemeinen Gesundheitszustand und damit auf das Gesamtwohl der Bevölkerung dauernd aus. Den Ausbruch der Spanischen Grippe in den Jahren des Ersten Weltkrieges konnten Desinfektionsmaßnahmen trotzdem nicht verhindern. 

Quellen:
Ein Handbuch der praktischen Arzneiwissenschaft vom Jahre 1796, gedruckt in Wien
Thopographische Kunde von der Hauptstadt Grätz, Dr. Benditsch, Physikus daselbst, 1808.
Grätzer Zeitung vom Donnerstag, den 13. Oktober 1831.
Medizinisch-statistische Topografie des Herzogtumes Steiermark, Dr. Mathias Macher, Graz 1860.
Mayers Konversationslexikon, 5. Aufl., Band 6, 10, 14 und 17 von 1896.
Dr. Richard Peinlich, Pest in der Steiermark, 1878.
Das steiermärkische Sanitätswesen im Jahre 1896.
Klinische Terminologie, Dr. Otto Roth, Berlin, 1902.

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