Aus der Seuchengeschichte unserer Orte
Pest in Ehrenhausen

Vor knapp vierhundert Jahren hatte der Markt Ehrenhausen unter einer Pestseuche schwer zu leiden. Viel Verkehr, der von Wien ausging, brachte eine steigende Zahl pestkranker  Durchzügler  die über den Platsch reisten. Die Infektionen waren verheerend, wenn auch zeitgenössische "Ortschroniken" darüber schweigen, könnte ich mir vorstellen, dass infolge der Corona-Krise  Interesse am Schicksal unserer Vorfahren besteht.
  
1624 war der Winter in Steiermark nicht gerade streng, aber lange anhaltend; im Frühling wurde es schnell heiß und die Hitze und Dürre dauerte drei Monate; der Herbst war regnerisch. Diese ungesunden Witterungsverhältnisse entsprachen die Gesundheitsverhältnisse allenthalben. Am übelsten erging es diesmal in Ehrenhausen, Marburg und Hohenmauthen. Die Regierung schickte den Infektions-Medikus, Dr. Hannibal Bottoni, an die infizierten Orte, allein dieser legte schlechte Proben seiner angerühmten Kunst und Erfahrenheit ab. Nicht nur, dass er, als Italiener der deutschen Sprache unkundig, mit den Kranken durch einen Dolmetsch verkehren musste, so näherte er sich aus Scheu vor Ansteckung niemals den Kranken, sondern ordinierte, wie er dahergeritten kam, von seinem Rosse aus, ließ sich aber für seinen ärztlichen Rat weit über die Gebühr honorieren. Nicht selten waren ihm 4 bis 10 Taler nicht genug, sondern er begehrte 40 bis 50. Da er außerdem in seinen Kuren nicht glücklich war, so kam er bald in üblen Ruf und durfte sich später in Marburg gar nicht blicken lassen.

Mitte Juli 1626 brach die Pest in Ehrenhausen und noch viel stärker in Gamlitz aus. (Das betreffende Pestkreuz stand an der Platscher Straße, heute bei der Genossenschaft). Die Regierung sandte Dr. Bottoni zu Hilfe, der dort 8 Wochen weilen musste, und befahl ausdrücklich, dass man die von ihm verordneten Arzneien fleißig gebrauchen solle. Da bei zunehmender Ansteckung anfangs August 1626 die Beistellung eines Baders oder „Totenlassers“ notwendig wurde, dieser aber nicht „compelliert werden könne, sondern bezahlt werden müsse“, so wurde aufgetragen, die Untertanen von Ehrenhausen zu einer Kontribution anzuhalten. Weil die meisten Mitglieder des Rates von Ehrenhausen sich durch die Flucht salviert hatten, so wurde, als die höchste Not war und die meisten Leute starben, der Marktschreiber Christof Zueberlein veranlasst, die Stelle des Richters zu versehen. Derselbe hatte schlechten Dank für seine Mühe. Er hatte den Dr. Bottoni samt Diener und Dolmetsch acht Wochen in Wohnung und Verköstigung gehabt und noch andere Auslagen in Pestsachen gemachtund beanspruchte daher von der Marktgemeinde den Ersatz eines Betrages von 53 fl. 43 kr. rhein. Währung. Allein diese weigerte sich desselben mit dem Bescheid, er solle seinen Regress bei Dr. Bottoni suchen, der sich selbst zu erhalten hatte, weil er kaiserliche Besoldung und landschaftliche Bestallung habe. Es kam zu einem Prozess, den die Marktgemeinde Ehrenhausen verlor; trotzdem ließ sie sich erst 1629 zur Zahlung zwingen.

Die Seuche in Ehrenhausen dürfte entweder die alte Beulenpest, oder die ungarische Krankheit gewesen sein, dafür spricht die große Ansteckungsgefahr, welche den Dr. Bottoni so schmählich vorsichtig machte, und die Bestellung eines Totenlassers, der gewöhnlich seine Hauptverwendung bei den Pestbeulen fand.

1633 holte die Regierung Dr. Bottoni aus Triest, weil die Grazer Pestärzte verstorben waren. Aber erstellte so absonderliche Forderungen, dass man mit ihm die Verhandlungen abbrach. Am 7. November 1634 wurde er von der Regierung vom Dienst entlassen, weil er sich weigerte, Patienten zu untersuchen. Dr. Richard Peinlich, Pest in der Steiermark, 1878.

1641 Pest in Ehrenhausen. Dr. Richard Peinlich, Pest in der Steiermark, 1878. An der Straße von Ehrenhausen nach Gamlitz stand ein sehr schönes steinernes Kreuz mit der Jahreszahl 1641 unter einem Schild, das neben 5 Anfangsbuchstaben ein Hufeisen und drei zusammenstoßende Nägel enthält. Es heißt das Hufschmiedkreuz, seine Bedeutung ist aber unbekannt. Kaplan Anton Meixner hält es für kein Pestkreuz. In der Pfarre Kötsch wird 1642 eine Sebastiani-Bruderschaft erwähnt.

Quellen:
Dr. Richard Peinlich, Pest in der Steiermark, 1878.
Hofkammerakten in der k. k. Statth. Registratur in Graz. Original-Akten aus dem Archiv der Marktgemeinde Ehrenhausen. (Gefälligst zugemittelt durch den hochw. Herrn Pfarrer Josef Proboscht).


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