Zehn Jahre Bürgermeister Hubert Isker: Gralla blüht und gedeiht

Bgm. Hubert Isker
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Hubert Isker ist nun seit zehn Jahren Bürgermeister von Gralla. Ein Jahrzehnt, in dem in der Gemeinde viel bewegt wurde. Zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen stechen ebenso hervor wie die Bevölkerungsentwicklung; nämlich plus 25 % in zehn Jahren. In einem Interview mit der WOCHE zieht Bürgermeister Isker Bilanz.

Herr Bürgermeister, Sie sind nun seit zehn Jahren im Amt. Was war denn der schönste Moment in diesen zehn Jahren?
Hubert ISKER: Da gab es unzählige, denn ich bin Bürgermeister mit Leib und Seele und freue mich jeden Tag, für die Menschen da sein zu können. Ein Glückwunsch zu einem hohen runden Geburtstag ist da ebenso ein einzigartiger Moment wie wenn man neue Bewohner in unserer Gemeinde begrüßen kann. Aber auch die Eröffnung und Übergabe neuer Einrichtungen – wie etwa Fahrzeuge für die Feuerwehr oder der neue Kindergarten – sind ganz besonders zu erwähnen. Stellvertretend für all das steht die Markterhebung mit 1. Oktober 2015. Das war die Anerkennung für harte Arbeit, aber auch eine schöne Auszeichnung für die ganze Gemeinde und ihre Bewohner.

Gralla zählt zu den am stärksten wachsenden Gemeinden in der Steiermark. Liegt das nur an der Nähe zur Autobahn und zum Großraum Graz? Oder sehen Sie ein anderes Erfolgsgeheimnis?
ISKER: Natürlich haben wir mit der guten Verkehrsanbindung eine Gunstlage. Ich glaube aber schon auch, dass die Maßnahmen, die wir gesetzt haben, unsere Gemeinde attraktiv machen. Mit aktuell 2.510 Einwohner haben wir um 558 mehr als bei meinem Amtsantritt. Das sind mehr als 25 % Zuwachs. Mit einem Altersdurchschnitt von 39,5 Jahren sind wir auch die jüngste Gemeinde der Steiermark. Das ist das Ergebnis ganz gezielter Maßnahmen. Etwa im Wohnbau, wo wir 367 Wohneinheiten neu errichten konnten. Aber auch bei der Infrastruktur, insbesondere für Familien. Ich nenne da nur die Einführung des Ganztageskindergartens, die Nachmittagsbetreuung in der Volksschule und auch die Kinderkrippe. Für die Volksschule wurden heuer auch Tablets angekauft. Gralla ist also eine Gemeinde, in der wir auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie achten. Für junge Familien, und insbesondere Frauen, ist das bei der Wahl des Wohnsitzes ein entscheidender Faktor.

Und eine so florierende Gemeinde wollten Sie wohl nicht aufgeben. Kommt daher Ihr Widerstand gegen eine Gemeindezusammenlegung?
ISKER: Da geht es nicht um mich und auch nicht um persönliche Eitelkeiten. Es ist auch nicht meine Gemeinde. Es ist unser Gemeinwesen, unsere Dorfgemeinschaft, auch wenn wir mittlerweile eine Marktgemeinde sind. Diese Eigenständigkeit wollte ich im Interesse unserer Bewohnerinnen und Bewohner erhalten, damit die Marktgemeinde weiterhin unabhängig und eigenständig handeln kann.

Das Argument der sparsameren Verwaltung in größeren Einheiten zählt für Sie nicht?
ISKER: Sparsame Verwaltung zählt für mich zu den wichtigsten Dingen in der Gemeinde. Denn nur wenn wir mit dem Geld der Bürger und Steuerzahler sorgsam umgehen, ist es auch möglich, Maßnahmen zu setzen, die in die Zukunft weisen. Schulden und Zinsen nützen nur den Banken. Und in diesem Zusammenhang haben wir auch Erfolge vorzuweisen: Von 2012 bis 2018 waren wir durchgehend unter den Top-250-Gemeinden Österreichs, was das Bonitätsranking betrifft. Das ist von mehr als 2.000 Gemeinden nur 64 gelungen, davon zwei aus der Steiermark. Die zusammengelegten Gemeinden mit dem angeblich geringeren Verwaltungsaufwand finden sich dort nicht.

Sie haben für 2.500 Einwohner auch zwei Feuerwehren. Sehen Sie da nicht noch Sparpotential?
ISKER: Sicher nicht. Wir wollen sparsam wirtschaften, aber nichts zu Tode sparen, vor allem nichts, was für unsere Gemeinschaft extrem wichtig ist. Denn bei der Feuerwehr geht es nicht nur um Sicherheit, sondern auch um ein Gemeinschaftsgefühl. Ich will und werde keine bestehenden und sehr gut funktionierenden Strukturen zerschlagen. Die Feuerwehren leisten unendlich viel für die Sicherheit, aber auch für die Gemeinschaft, etwa in der Jugendarbeit. Sie gehören beide zu unserer Gemeinde und werden von uns bestmöglich unterstützt. Etwa mit dem neuen Rüsthaus für die FF Obergralla, aber auch neuen Fahrzeugen für beide Feuerwehren. Die fallen aber auch nicht vom Himmel, sondern hier ist wahnsinnig viel ehrenamtliche Eigenleistung der Feuerwehrler dabei. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Sie haben nicht nur geschaffen, sondern auch verhindert. Etwa die Errichtung einer sogenannten „Schweinefabrik“ in Altgralla. War da nicht viel Panikmache dabei?
ISKER: Das hat mit Panik überhaupt nichts zu tun. Da ging es darum, nicht nur ganz allgemein gegen Massentierhaltung und für eine ökologische Landwirtschaft einzutreten. Es ging vor allem auch darum, die Lebensqualität sowie die Werthaltigkeit der Grundstücke und Häuser in der Gemeinde zu schützen. Es wäre die größte Schweineproduktion der Steiermark geworden, mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt, aber auch für das Image der Gemeinde selbst. Das konnte ich nicht zulassen und dafür haben wir die Bürger in ihren Protesten auch aktiv unterstützt und damit Erfolg gehabt.

Sie scheinen in zehn Jahren alles erreicht zu haben, was die Gemeinde braucht. Was bleibt da noch für die nächsten Jahre?
ISKER: Die Arbeit für unsere Gemeinde beginnt jeden Tag aufs Neue. Es stimmt, bei der Infrastruktur sind wir sehr weit – von den Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen über die Ortsgestaltung bis hin zu den Straßennamen, die wir auch gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet haben. Ein wesentlicher Schwerpunkt neben der Absicherung des Erreichten ist es aber, in die Zukunft zu blicken. Und da geht es, um auf die Gemeindezusammenlegung zurückzukommen, um Kooperation. Wir arbeiten etwa eng mit der Stadtgemeinde Leibnitz und der Marktgemeinde Wagna zusammen, um unsere Region über die Gemeindegrenzen hinweg besser zu entwickeln. Ein erster großer Meilenstein ist die Aufschließung von Grundstücken und Betriebsansiedelungen östlich der Autobahn. Investitionen werden gemeinsam getragen; Erträge aus Kommunalsteuer zu gleichen Teilen ausgeschüttet. Da gehen wir in Zukunft neue Wege – ohne Scheuklappen – um unser Gralla noch besser für die Zukunft zu positionieren.

Herr Bürgermeister, herzlichen Dank für das offene und ehrliche Gespräch.

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