Wetter
Die Folgen des Starkregens im Bezirk Leibnitz im August 1846

Ununterbrochener Starkregen in der letzten Woche des August des Jahres 1846 und durch den am 30. des Monats August abends zwischen St. Ägydi im Bezirk Spielfeld und Leibnitz im Bezirk Seggau erfolgten Wolkenbruch haben auf der k. k. südlichen Staats-Eisenbahn zwischen der Station Spielfeld und Ehrenhausen an zwei Punkten sehr bedeutende Hangrutschungen stattgefunden, welche mehrere Bahnunterbrechungen verursachten.

Die Bahnstrecke zwischen St. Ägydi und die in Holzkonstruktion ausgeführte Sulmbrücke, wird möglichst nahe an den Berghängen bei Ehrenhausen und der Sulmleiten bei Retznei geführt, um so viel als möglich aus dem gefährdenden Bereich der reißenden Mur zu kommen, welche bei Hochwasser leider öfters ihr Bett verändert, und dadurch oft ungeheuren Schaden verursacht. Die hohen Berglehnen bei Retznei und Ehrenhausen, die meistens aus dem schnell verwitternden Opock und einer schwachen Erdkruste darüber bestehen, neigen bei größeren Regenmengen zu Hangrutschungen. Die vielen anhaltenden bedeutenden Regengüsse konnten daher diese leichte Decke sehr bald durchdringen und stellenweise trennen, das viele Wasser drückte zwischen dieser und der Opockmasse seinen Weg und führte das abgetrennte Material auf die Bahn herab. Die schlimmste dieser Rutschung war oberhalb Ehrenhausen, bei 500 Klafter [1 Klafter= 1.90 Meter] von diesem Ort entfernt.

Die Trennung der Erdkruste, welche hier eine Macht von wenigstens 2,5 Klafter hat und eine Breite von 15 Klafter hatte, begann schon in einer Entfernung von 200 Klafter am Hang oberhalb der Schienenbahn, und die ganze Masse bewegte sich mit einer solchen Schnelligkeit über den Abhang hinab, dass nach dem oben bezeichneten Wolkenbruch in einem Zeitraum von 10 Minuten die Bahn mit der abgerutschten Erdmasse bedeckt war. Die größte menschliche Kraftanstrengung, welche trotz der ständigen Regengüsse aufgewendet wurde, um den Schienenweg frei zu halten, war nicht in der Lage, die Erdmasse sogleich wegzuschaffen, und der sonntags am 30. August 1846 um 8 Uhr abends diese Bahnstrecke zu passieren sollende Abendzug von Graz, welchem wegen der Schnelligkeit, mit der die Hangrutschung sich ereignet hatte, keine Nachricht entgegen gesendet werden konnte, musste aufgehalten werden, und natürlich war auch der Abgang jenes Zuges, der am folgenden Tage morgens 4 Uhr von Cilli nach Marburg gekommen ist, an der Weiterfahrt nach Graz gehindert.

Sogleich wurden Anstalten getroffen, die ausgestiegenen Fahrgäste in einen anderen Zug umsteigen zu lassen. Eine Lokomotive mit Waggons von Marburg, an diesen Ort zu bringen und die Passagiere dann aus einem Zug in den anderen zu übersetzen; doch die abgesandte Lokomotive kam nicht weiter bis in den Ägydier Einschnitt, in welchem das Wasser auf dem bedeutendem Gefälle, mit einer solchen Gewalt gegen die Maschine drückte, dass diese genötigt war, ihr Vorhaben aufzugeben, den wartenden Zug von der Unmöglichkeit eines Weiterkommens zu benachrichtigen. Der Zug wurde demnach nach Leibnitz zurückgeführt, und dort augenblicklich veranlasst, dass die Reisenden mit Fuhrwerken weiter befördert werden konnten. Nachdem die durch den Wolkenbruch verursachte Wassermenge abgeflossen war wurde in der nächsten Station Spielfeld probeweise eine Lokomotive nach Marburg geschickt, um die Bahntrasse mit aller Genauigkeit zu untersuchen, damit das Publikum keiner Gefahr ausgesetzt werde – und um Waggons zu holen, damit die Passagiere von Spielfeld aus auf der Eisenbahn wieder weiter gebracht werden konnten.

Das gesamte Zirknitztal vor Marburg glich einem See, die Bahngräben Strömen. Trotz dieser ungeheuren Wassermassen und fürchterlichen Strömungen hatte aber die Bahn keinen weiteren Schaden genommen und die Reisenden konnten danach von Spielfeld nach Cilli befördert werden. Zwischen Leibnitz und Spielfeld wurden nun durch zwei Tage die Reisenden auf Achse und ungeachtet des schlechtesten Wetters und des erschwerenden Umstandes, dass Pferde und Wägen aus benachbarten kleinen Orten und Bauernhöfen nur mit großer Mühe herbeigeschafft werden konnten, klaglos weiter geführt. Am 2. September 1846 morgens sind jedoch die Eisenbahnzüge schon bis an die große Mure gebracht worden, und dort waren alle übrigen Hindernisse beseitigt, um die kurze Strecke von 20 Klaftern über diese Abrutschung, über welche man schnell einen Bretterweg errichtete, zu gehen, und den auf der anderen Seite bereitstehenden Zug zu besteigen. Nachts um 2 Uhr desselben Tages war jedoch auch schon dieses Geleise frei und die Züge verkehrten wieder ganz regelmäßig auf dieser Strecke.

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