Heimatkunde
Quarantänemaßnahmen gegen Pest und andere Seuchen

Exponierte Punkte, wie starkfrequentierte Übergänge, hatten die Gemeinden während zur Abwehr der Pestinfektion zu überwachen und zu kontrollieren. Nur unbedenklichen Personen durfte ein Passierschein ausgestellt werden. Vor Ausstellung eines solchen Scheines, auch Fede genannt, hatte sich die Kontrollstelle zu vergewissern, ob eine Person aus Gegenden kam, wo die Krankheit grassierte. Anfang April 1682 schleppte ein Seiersberger Bauernfuhrwerker die Pest nach Straßgang ein, der mit seinem Gespann in Pettau gewesen war.
Vom 20. Juli 1682 ist folgender Erlass der Regierung an die Marktgemeinde Ehrenhausen, wegen des fahrlässigen Verhaltens bei der Austeilung der Passierscheine an der Kontrollstelle am Platsch gerichtet.
„Mit was für einer Commination wir Euch noch vor einem Jahr gemessen anbefohlen haben, das Ihr mit der Austheilung der Feden (Passierscheine) behutsamber umgehen, auch keinen einigen Menschen, von dessen Ab- und Durchreiß Ihr nit wissentlich versichert seid, einige Fede erfolgen lassen solle, dessen werdet Ihr annoch gute Wissenschaft tragen. Sintemalen Ihr erst neulich einen Fuhrmann, so auf dem Plätsch Wein aufgeladen haben sollte, eine Fede ertheilt, und doch eigentlich nicht wissen könnet, wo derselbe mit den Weinen hergekomben, durchgereist oder wo vorhero gewest seie, also ist unser nochmallig so gemessen als ernstlicher Befelch hiemit, dass Ihr fürohin keinen einigen Menschen, von dessen Ab- und Durchreiß oder wo derselbige sich wochenlang vorhero aufgehalten, Ihr nit seid vergewist, einige Fede nit erfolgen lassen sollet.“

Im Juli 1576 war den Reisenden wegen der Pest in Venedig in der gesamten Steiermark die Herberge versagt worden. Am 21. August 1576 wurde ein landesfürstliches Generale verlautbart, dass niemand von Obersteier nach Graz reisen dürfe, am 27. August 1576 war die Infektion in Leoben bereits so verbreitet, dass man dort jeden Verkehr mit der Umgebung aufhob, den Steg über die Mur abbrach und den Wirten und Weinleitgeben in der Vorstadt Waasen die Wirtschaft verbot. 

Die Murecker Gastwirte hatten oft keine Lust, Reisende zu beherbergen. Am 4. Martii 1601 schreibt in den Murecker Ratsprotokollen „der Herr Pfleger im Namen Jr Gnaden wegen die Wirt dass sie so ungehorsam seint und nit allein die Herrn von Adl sondern schir jedermann nit geherbigen weiln allein die so inen gefallen. Derowegen man Innen bei hocher Straff sollt auflegn damit sie die Durch Raissenden und Jdermann sollten herbrigen, da siolliches nit beschieht sollte die geschöpfte Straff so Jr. Gn. Selbst inen ambefelichen abgefordert werdn.“

„Dieweil“, heißt es am 18. September d. J., “mit den frembden durchraissenden Leitten Edl und unödl großer zwie Spalt einfellt dass die wirt Niemandt herbrigen wölln sondern sich der Richter manche Nacht auf der gassn umbschlepen dass er die Leith in die Heuser einbringt auch Bartolomä von rein und Khrainerin witib Jere Taffeln Abgenomen Jst erkhent dass man dem Pfleger die sach erklärt damit er den wirten auferlegt dass sie Jerer Wirthschaft Awartn Menigleich Peherbrigen und Iretwegen ein Gericht UnPerturbirt verbleibn.“

Der Landoberst Graf von Radmannsdorf habe am 11. Juli 1683 in Leibnitz eine Konferenz gehalten, und am 12. ein Dekret erlassen, dass in allen Orten fleißig Wache gehalten werde. Dies solle auch in Ehrenhausen geschehen; zumal die Wirte seien anzuweisen, auf ihre Gäste zu achten und zu sehen, ob nicht verdächtiges Volk einschliche. Da damals die Türken im Anmarsche gegen Wien waren, so waren solche Vorsichtsmaßregeln an der Zeit.

Die Vorsichtsmaßnahmen, welche die Behörden gegen die Kontagion mit dem Pestbazillus anordneten, galten auch für spätere Seuchen und bewährten sich bis in das 20. Jahrhundert.

Dr. Johann Krautgasser berichtet aus den Ratsprotokollen der Marktgemeinde Mureck zur Zeit der Jahre 1600 bis 1618.
Dr. Richard Peinlich, Pest in der Steiermark, 1878.
Franz Martin Mayer, Beiträge zur Kde. Steierm. Geschichtsquellen, Graz 1887.
Beilage Nr. 69 des Grazer Volksblatt vom 25. März 1890.

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