Natur und Mensch
Über den Umgang unserer Vorfahren mit Problem-Tieren

Wir verstehen unter sogenannten „Problem-Tieren“ Bären, Wölfe, Luchse und einige andere tierische Heimkehrer, welche unsere Kulturlandschaft stören. Für solches Viehzeug hat sich der Brauch eingebürgert, dieses rücksichtlos wie marodierende Verbrecher an den Pranger zu stellen, bzw. im schlimmsten Fall standrechtlich zu erschießen.
Es ist kein Geheimnis, dass in den letzten tausend Jahren Tiere in landwirtschaftlichen Kulturen großen Schaden anrichteten, dies zu einer Zeit, wo die Bevölkerung auf ihre kargen Ernten angewiesen war.
Es stellt sich die Frage, wie gingen die Menschen früher einmal gegen Schädlinge vor, als die zivilisierte Gesellschaft noch nicht erfunden war.
Hier eine kleine Kostprobe:
In den alten Volksrechten finden sich Bestimmungen, denen zufolge Haustiere mit zur Familie gezählt wurden, mit dem man im gleichen Haus oder gemeinsam in einem Raum lebte. Das führte dazu, dass Tiere rechtlich gleich behandelt wurden wie Menschen. Das galt auch für alles andere was da kreucht und fleucht.
Es konnte allen Tieren, die sich in der Natur sich aufhielten, als Ungeziefer der Prozess gemacht werden. Selbst für massenhaft auftretende tierische Schädlinge, wie Insekten, Ratten, Mäuse usw. fanden Strafverfahren statt, die denen der Leute glichen. Massenhaft auftretendes Getier gegenüber übte man „Massenjustiz“ wie für Räuberbanden, doch dabei hat man die üblichen Verfahrensvorschriften beachtet. Bei Gericht erhielten die angeklagten Tiere einen Rechtsbeistand oder Vormund bestellt. So hat man einmal kriminellen Fliegen „in Ansehung ihrer Jugend und Kleinheit“ dies bei der Urteilsfindung berücksichtigt.
In einem von der Gemeinde Autun angestrengten Rattenprozess, in dem der angesehene Rechtsgelehrte Chassenez die Verteidigung übernahm und in einem im Jahr 1733 von dem Gemeinde Contrisson angestrengten Feldmäuseprozess, in dem Maitre Jean Grisson dieselbe Funktion übernahm, führten beide Anwälte aus: trotz der Verheerungen, die ihre Klienten verursachten, habe man nicht das Recht, sie auszurotten, noch ihnen die notwendige Nahrung zu entziehen. Sie forderten deswegen für sie ein Asyl, mit dem Erfolg, dass man ihnen ein an das Gemeindegebiet angrenzenden Gehölz als Weideland zuwies, unter dem ausdrücklichen Verbot, jemals dieses wieder zu verlassen, und konnten sich dabei auf Präzedenzfälle berufen, die ein im 16. Jahrhundert verfasstes Lehrbuch über Tierprozesse abhandelte.
Die geübte Rücksicht geht auf die Anerkennung der Rechtstellung der Angeklagten und ihr Existenzrecht zurück. Sie erklärt sich aus der Erwägung: „Kreaturen“ sind alle Tiere, wie der Mensch von Gott geschaffen, wie einmal geltend gemacht wurde, sogar früher als der Mensch. Infolgedessen berücksichtigte man im Verfahren auch Milderungsgründe. Außerdem konnte man das Recht einfach nicht durchsetzen und war sich dieser Unmöglichkeit wohl bewusst.


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