24.10.2017, 07:31 Uhr

Sprache als Schlüssel für Integration

Diskussionsrunde nach der Sondervorstellung des Filmdramas "Geschwister": (v.l.) Susi Khalil, Robert Konrad, Vizebgm. Helga Sams, Michaela Zingerle, Fagr Alhassan und Eva Surma.

Nach der Sondervorführung des Filmdramas "Geschwister" des Grazer Regisseurs Markus Mörth im Diesel Kino Leibnitz ging es bei der anschließenden Podiumsdiskussion um lokale Details des brennenden Flüchtlingsthemas.

(hk) Im Zuge der Reihe „Kino ANDERS“ zeigte das Dieselkino Leibnitz den Film „Geschwister“ des Grazer Regisseurs Markus Mörth. Das Flüchtlingsdrama behandelt die Frage, wie weit man für eine neue Lebensperspektive und für seine Familie zu gehen bereit ist. Vor diesem Hintergrund diskutierten unter Regie von Michaela Zingerle (Cuemark Films) regionale Vertreter aus dem Bereich der Flüchtlingshilfe mit Publikum und Betroffenen.

Deutsch ist wichtig

"Es war nicht einfach, Deutsch zu lernen und Arbeit zu finden, aber es war wichtig, um hier Fuß zu fassen und ein Leben aufbauen zu können", erzählte Fagr Alhassan. Sie lebt seit zwölf Jahren mit ihrer Familie als anerkannter Konventionsflüchtling in Österreich. Sie hat im Irak Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet nun in einer südsteirischen Volksschule als Nachmittagsbetreuerin.

Verständnis für Flüchtlinge

"Der Film hat gezeigt, dass wir alle Menschen sind, Träume, Wünsche und einen Plan von der Zukunft haben. Aber es kommt oft anders, als wir denken", so Sprachtrainerin Eva Surma (ISOP), die die Sprache als wichtigen Faktor für Integration sieht und Verständnis für Flüchtlinge fordert.
"Wenn Menschen hier ankommen, beginnen sie nicht bei null. Jeder bringt sein persönliches Schicksal mit und die Unterbringung mit anderen Menschen, die auch viel erlebt haben, vergrößert das Leid. Es ist schon ein Erfolg, eine Sprache zu finden, um als Flüchtling darüber reden zu können, was man erlebt hat", meinte Robert Konrad (Zebra), der traumatisierte Flüchtlinge betreut. "Mit Kunst und Kultur kann man Sprachlosigkeit überwinden. Das zeigt unser Fest der Begegnung in Leibnitz, das für kulturellen Austausch sorgt. Wir müssen geflüchtete Menschen als Menschen sehen und nicht als Belastung", meinte Obfrau Helga Sams (Verein LeibnitzKULT).

Strategien angepasst

"Hat sich die Stimmungslage geändert, seit Flüchtlingsgruppen hier sind?", fragte Moderatorin Michaela Zingerle Susi Khalil (Projektleiterin Flügge). "Der Film ist nur ein winziger Ausschnitt dessen, was sich wirklich abspielt. Aufgrund der gemachten Erfahrungen wurden die Strategien angepasst. In Leibnitz, das verbindet und wo über 50 Nationen leben, hat sich das Projekt ‚Flügge‘ im Vergleich zu anderen Gemeinden in Österreich rascher entwickelt", bilanzierte Khalil, die verlangte, dass Flüchtlingen als vollwertige Menschen Verantwortung zuzumuten sei.
Keine Lehrstelle
Ein junger Afghane mit negativem Asylbescheid, der seit einem Jahr in Leibnitz lebt, Deutsch gelernt hat und Friseur werden will, beklagt, keine Lehrstelle zu finden. "Unter 25-jährige Asylwerber dürfen nur in Mangellehrberufen eine Lehre absolvieren. Die Lehre ohne Deutschkenntnisse ist wegen der Berufsschule nicht möglich", erläuterte Konrad.
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