05.07.2017, 14:39 Uhr

Arbeitsplatz im Tausch gegen Naturalien

Wer im Jahr 1922 ohne Arbeitsplatz war, befand sich in größter Notlage. Die prekäre Situation nützten Personalchefs gewissenlos aus. Aus Retznei berichtet eine Zeitung von solchen Vorkommnissen:
"Ein recht angenehmes Leben weiß sich der Polier Jelitschka der Firma Negrelli & Co. in der Zementfabrik Retznei bei Leibnitz zu gestalten. Von ihm werden nur jene Arbeitssuchenden aufgenommen, die sich als Besitzer einer Landwirtschaft ausweisen können. Dieser Mensch kann eben nur solche Arbeiter gebrauchen, die nebst ihrer Arbeitskraft auch Geflügel, Butter, Rahm, Milch usw. in den Betrieb mitbringen. Um die Zahl seiner Lieferanten zu vermehren werden besitzlose Arbeiter entlassen. Ob die Firmenleitung mit dieser Auswahl einverstanden ist, wissen die Arbeiter nicht. Aber eines ist sicher: Wenn dieser saubere Patron seine Stellung noch länger zu seiner Bereicherung ausnützt, wird sich die besitzlose Arbeiterschaft ihr Recht auf Arbeit bald in anderer Form verständlich machen müssen." Arbeiterwille vom Dienstag, den 28. März 1922.
Damals setzte sich die Sozialdemokratische Partei für jede Arbeitnehmerin oder jeden Arbeitnehmer ein, ohne auf das Wohlwollen eines Betriebes Rücksicht zu nehmen.
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August Zinser aus Leibnitz | 05.07.2017 | 16:48   Melden
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